Unsere Landebloggerin Madeleine hat während ihrer Zeit in Prag so einige Touren durch die Stadt unternommen. Zum Abschluss ihres Praktikums folgte sie mit Hilfe der Samsa-App deutschen Spuren quer durch Prag und machte Halt an verschiedensten Stationen, die die deutsche Kultur, Politik und Wirtschaft in der Hauptstadt geprägt haben oder immer noch prägen.

Die Prager Altstadt platzt nahezu vor Historie und bedeutsamen Orten sowie Gebäuden, die wahrscheinlich so einige Geschichten zu erzählen hätten, wenn sie denn sprechen könnten. Auch an für die deutsche Geschichte bedeutsamen Plätzen mangelt es in der tschechischen Metropole kaum. Aber wie findet man diese zwischen all den anderen Kultureinrichtungen, Denkmälern und historischen Gebäuden auf dem Altstädter Ring?

Genau dafür hat die Landesversammlung der deutschen Vereine in Tschechien gemeinsam mit dem Institut für germanische Studien eine App entwickelt. Die Samsa-App zeigt eine Liste sowie eine Karte mit rund 40 bedeutsamen Orten aus den Kategorien, Politik, Kultur, Architektur und einigen anderen. Mit Hilfe dieser Karte bin ich in meiner letzten Praktikumswoche zu einer Tour durch die Innenstadt aufgebrochen und habe einige der in der App aufgeführten Orte besucht. Zu meiner Überraschung war darunter auch das ein oder andere Gebäude, welches ich bisher schon öfter passiert habe, ohne es genauer wahrzunehmen oder dessen Geschichte zu kennen.

Meine Route startete am Haus der Minderheiten. Mit der Tram gelangte ich ins Zentrum der Altstadt. Auf diesem Weg fuhr ich direkt am ersten deutschen Ort vorbei, den mir die Samsa-App anzeigt, und zwar am Gymnasium in der Stephansgasse. Meine Rundtour begann jedoch nicht dort, sondern ein paar Tram-Haltestellen weiter an einem Gebäude, das auf den ersten Blick eher modern als historisch auf mich wirkte. Das Gebäude, welches ich fotografierte, wurde auch tatsächlich vor gar nicht allzu langer Zeit erst fertiggestellt. Früher befand sich dort jedoch die Lese- und Redehalle der deutschen Studenten in Prag. Hier hatten laut der Samsa-App auch einige Studentenvereine ihr Domizil. Zudem solle dort die Freundschaft zwischen Franz Kafka und Max Brod begonnen haben, deren Namen mich übrigens während meiner Tour noch des Öfteren begleiteten.

Wo heute der Gebäudeblock „Drn“ steht, war früher die Lese- und Redehalle der deutschen Studenten in Prag. Foto: Madeleine Eisenbarth

Wo heute der Gebäudeblock „Drn“ steht, war früher die Lese- und Redehalle der deutschen Studenten in Prag. Foto: Madeleine Eisenbarth

 

Direkt ein paar Schritte weiter, befindet sich das 1902 gegründete Café Louvre. Nach 1900 war es ein kultureller Treffpunkt für deutschsprachige Philosophen und Schriftsteller. Als Erinnerung an die damalige Zeit liegen auf den Tischen noch heute ein Stift sowie ein Notizblock. Foto: Madeleine Eisenbarth 

Direkt ein paar Schritte weiter, befindet sich das 1902 gegründete Café Louvre. Nach 1900 war es ein kultureller Treffpunkt für deutschsprachige Philosophen und Schriftsteller. Als Erinnerung an die damalige Zeit liegen auf den Tischen noch heute ein Stift sowie ein Notizblock. Foto: Madeleine Eisenbarth 

 

Wieder nur einige hundert Meter weiter, zeigte die App mir am Standort einer künstlerisch gestalteten Hausfassade, dass dort bis 1913 Max Brod mit seiner Familie im oberen Stockwerk des Hauses wohnte. Er gehörte zu den bekanntesten deutschsprachigen Schriftstellern in Prag. Foto: Madeleine Eisenbarth

Wieder nur einige hundert Meter weiter, zeigte die App mir am Standort einer künstlerisch gestalteten Hausfassade, dass dort bis 1913 Max Brod mit seiner Familie im oberen Stockwerk des Hauses wohnte. Er gehörte zu den bekanntesten deutschsprachigen Schriftstellern in Prag. Foto: Madeleine Eisenbarth

 

Unweit von Brods Wohnung steht die St. Martinskirche, welche eine wichtige Rolle in der böhmischen Reformation spielte. Foto: Madeleine Eisenbarth

Unweit von Brods Wohnung steht die St. Martinskirche, welche eine wichtige Rolle in der böhmischen Reformation spielte. Foto: Madeleine Eisenbarth

 

Meinen nächsten Stopp legte ich wieder an einem Haus ein, dessen Fassade schon verriet, dass dies ein Ort mit Bedeutung sein müsse. Die Rede ist vom Haus zur Minute am Altstädter Ring. Zum einen ist das Gebäude ein Beispiel für Renaissance-Architektur und zum anderen lebte dort in der Zeit zwischen 1889 und 1896 Franz Kafka mit seinen Eltern. Foto: Madeleine Eisenbarth Meinen nächsten Stopp legte ich wieder an einem Haus ein, dessen Fassade schon verriet, dass dies ein Ort mit Bedeutung sein müsse. Die Rede ist vom Haus zur Minute am Altstädter Ring. Zum einen ist das Gebäude ein Beispiel für Renaissance-Architektur und zum anderen lebte dort in der Zeit zwischen 1889 und 1896 Franz Kafka mit seinen Eltern. Foto: Madeleine Eisenbarth

 

Die Mariensäule schenkte einst Kaiser Ferdinand III. dem Prager Bürgertum. Foto: Madeleine Eisenbarth

Die Mariensäule schenkte einst Kaiser Ferdinand III. dem Prager Bürgertum. Foto: Madeleine Eisenbarth

 

Die St. Nikolauskirche wurde 1732-1737 von Ignaz Dientzenhofer im Barockstil errichtet. Foto: Madeleine Eisenbarth

Die St. Nikolauskirche wurde 1732-1737 von Ignaz Dientzenhofer im Barockstil errichtet. Foto: Madeleine Eisenbarth

 

Direkt neben der St. Nikolauskirche befindet sich das Geburtshaus von Franz Kafka. Vom ursprünglichen Haus sind allerdings nur noch das Portal und der Balkon erhalten. Foto: Madeleine Eisenbarth

Direkt neben der St. Nikolauskirche befindet sich das Geburtshaus von Franz Kafka. Vom ursprünglichen Haus sind allerdings nur noch das Portal und der Balkon erhalten. Foto: Madeleine Eisenbarth

 

Ein Baumstriezel durfte bei so einem ausgiebigen Spaziergang durch die Altstadt natürlich nicht fehlen. Foto: Madeleine Eisenbarth

Ein Baumstriezel durfte bei so einem ausgiebigen Spaziergang durch die Altstadt natürlich nicht fehlen. Foto: Madeleine Eisenbarth

 

Das Café Montmartre wurde 1911 vom Prager Kabarettisten Josef Waltner gegründet und war, bevor es 1929 geschlossen wurde, ein beliebter Treffpunkt tschechischer, deutscher und jüdischer Künstler. Foto: Madeleine Eisenbarth

Das Café Montmartre wurde 1911 vom Prager Kabarettisten Josef Waltner gegründet und war, bevor es 1929 geschlossen wurde, ein beliebter Treffpunkt tschechischer, deutscher und jüdischer Künstler. Foto: Madeleine Eisenbarth

 

Meine Tour durch die Prager Innenstadt endete, wo sie begonnen hatte. Als ich an diesem Gebäude vorbeikam, hatte ich das Gefühl, im Kreis gelaufen zu sein. In gewisser Weise bin ich das auch. Dieses Mal jedoch bewusst und nicht wie sonst aufgrund fehlender Ortskenntnisse. Die letzte Station, die ich mir in der Samsa-App ausgesucht hatte, war das Gebäude, das langjähriger Sitz der deutschen technischen Hochschule in Prag war. Foto: Madeleine Eisenbarth

Meine Tour durch die Prager Innenstadt endete, wo sie begonnen hatte. Als ich an diesem Gebäude vorbeikam, hatte ich das Gefühl, im Kreis gelaufen zu sein. In gewisser Weise bin ich das auch. Dieses Mal jedoch bewusst und nicht wie sonst aufgrund fehlender Ortskenntnisse. Die letzte Station, die ich mir in der Samsa-App ausgesucht hatte, war das Gebäude, das langjähriger Sitz der deutschen technischen Hochschule in Prag war. Foto: Madeleine Eisenbarth

Auf diesem Spaziergang durch die Prager Altstadt habe ich wohl am meisten über die Historie hinter den prachtvollen Gebäuden gelernt, auch wenn ich nur einen Bruchteil der in der App vorgestellten Orte besuchen konnte.

Genauere Informationen über die Geschichte der hier vorgestellten Orte sowie deren Rolle im Kulturleben und zahlreiche weitere Orte finden Sie in der App SAMSA.


Madeleine Eisenbarth web„Good morning“ aus dem schönen Prag – nach knapp drei Tagen in der tschechischen Metropole habe ich die Variante von „Guten Morgen“ in der Landessprache zwar schon mehrmals gehört, aber verlasse mich beim Kommunizieren dann doch lieber noch auf mein Englisch. Das kann sich ja aber durchaus noch ändern in der nächsten Zeit. Immerhin bleiben mir nun zwei Monate, um zumindest ein paar grundlegende Worte Tschechisch zu erlernen; denn ich werde von Anfang August bis Ende September die LandesEcho-Redaktion in Prag unterstützen.

Ich heiße Madeleine Eisenbarth und studiere Journalismus in Magdeburg. Nun nutze ich die Sommermonate, um beim LandesEcho praktische Erfahrungen zu sammeln und um Prag auch abseits der touristischen Pfade zu erkunden. Insbesondere freue ich mich darauf, mich an kreativen journalistischen Formaten auszuprobieren und gleichzeitig mehr über die deutsche Minderheit in Tschechien zu erfahren. Ich bin gespannt, was die Zeit hier für mich bereithält und freue mich, die Menschen und die Kultur des Landes besser kennenzulernen.