Plätzchen sind zur Adventszeit ein Muss. Unsere LandesBloggerin Lucia stellt in diesem Beitrag die traditionellen Plätzchen und Rezepte ihrer mährischen Oma vor.

Plätzchen gehören einfach jedes Jahr zur Adventszeit dazu. Dabei backt unsere Familie in Deutschland diese meist nicht selbst, da meine Oma aus Mähren schon ungefragt für genügend sorgt. So kann es schon mal passieren, dass man nach Weihnachten mit mehreren Kartons voll Plätzchen nach Deutschland zurückkommt. 

Generell ist das Backen ihre große Leidenschaft und sie sammelt gerne Rezepte, die sich in großen Kisten stapeln. Trotz vieler verschiedener Rezepte bleibt sie ihren traditionellen Plätzchensorten jedes Jahr treu und bäckt die gleichen Klassiker, die in Tschechien allseits bekannt sind.

 „Mandlové lupínky“ (Mandelchips)

„Mandlové lupínky“ (Mandelchips) sind ein Klassiker meiner Oma. Foto: Lucia Vovk

„Mandlové lupínky“ (Mandelchips) sind ein Klassiker meiner Oma. Foto: Lucia Vovk

In keinem Jahr dürfen die „Mandlové lupínky“ (Mandelchips) nicht fehlen. Diese sind wohl eine der „gesünderen“ Weihnachtsplätzchen. Sie sind ziemlich hart, aber sehr lecker. 

Das Rezept meiner Oma lautet wie folgt:

4 Eiklar, 100 g Puderzucker, 100 g Mehl, eine Packung Mandeln vermengen. Den Teig in eine gefettete und mit Mehl ausgestäubte Kastenform geben. Dann bei 170 °C  circa 20 Minuten backen. Den Teig aus dem Ofen und der Form nehmen, in dünne Scheiben schneiden und auf ein Blech mit Backpapier legen. Das Ganze dann noch einmal bei 120 °C etwa 20 Minuten backen.

Statt Mandeln verwendet meine Oma gerne Walnüsse aus ihrem Garten.

„Perníky“/ „Medovníky“ (Lebkuchen)

Die „Perníky“ (Lebkuchen) meiner Oma mit Verzierungen. Foto: Lucia Vovk

Die „Perníky“ (Lebkuchen) meiner Oma mit Verzierungen. Foto: Lucia Vovk

„Perníky“ (Lebkuchen) gibt es immer. Meine Oma bäckt jedes Jahr die Lebkuchen vor, sodass der Rest der Familie nur noch beim Dekorieren helfen und ihrer Kreativität freien Lauf lassen kann. Zum Missfallen meiner Oma versehrten meine Cousinen dieses Jahr auch einige Gebäckstücke mit lustigen Sprüchen. 

Lebkuchen wurden traditionell als Ausdruck des Erfolgs in den Hansestädten hergestellt. Aufgrund des hohen Preises für die verwendeten Gewürze waren Lebkuchen ein großer Luxus. Aus den Hansestädten wurden Lebkuchen in großem Umfang ins Landesinnere exportiert. In vielen Städten besteht die Tradition der Lebkuchenherstellung noch immer fort. Der Lebkuchen aus Pardubitz (Pardubice) ist der bekannteste in der Tschechischen Republik. Das Rezept dafür stammt ursprünglich aus Königgrätz (Hradec Králové), doch ein damaliger Gutsbesitzer aus Pardubitz erwarb es. Lebkuchen wurden über weite Strecken transportiert und wurden daher so hergestellt, dass ihre Qualität auf diesen Reisen nicht leidet. Ihre Haltbarkeit verdanken sie sowohl der Fülle an Gewürzen als auch ihrer Härte. Dadurch können sie mehrere Monate kühl und trocken gelagert werden.

Das Rezept lautet wie folgt: 

650 g Mehl, 100 g flüssigen Honig, 250 g Puderzucker, 40 g Butter, 4 Eigelb, 2 Esslöffel Lebkuchengewürz, 2 Esslöffel Backpulver, 4 Esslöffel Milch und etwas Kakao vermengen und über Nacht im Kühlschrank ruhen lassen.

Am nächsten Tag, den Teig etwa einen halben Zentimeter dick ausrollen und Formen ausstechen. Vor dem Backen mit kaltem Wasser bestreichen. Im vorgeheizten Backofen bei ca. 180 °C acht Minuten backen und die noch heißen Lebkuchen mit einem aufgeschlagenen Ei bestreichen. 

Für die Glasur 200 g gesiebten Puderzucker, ein Eigelb und den Saft einer halben Zitrone vermengen. 

 „Plněné čokoládové ořechy“ (gefüllte Schokonüsse)

Die „Perníky“ (Lebkuchen) meiner Oma mit Verzierungen. Foto: Lucia Vovk

„Plněné čokoládové ořechy“ (gefüllte Schokonüsse) werden jedes Jahr gebacken. Foto: Lucia Vovk

„Plněné čokoládové ořechy“ gibt es auch immer. Das sind übersetzt gefüllte Schokonüsse. Diese sind definitiv eine Kalorienbombe.

Das Rezept lautet wie folgt: 

140 g Butter, 200 g gemahlene Nüsse, 300 g Mehl, 70 g Puderzucker, 30 g Kakao, ein Eigelb, ein Päckchen Vanillezucker. Alle Zutaten mit dem Küchengerät vermengen. In mit Schmalz gefettete Nuss-Förmchen geben. Bei 180 Grad backen und nach circa zehn Minuten aus dem Ofen nehmen und aus den Förmchen holen. 

 Für die Creme braucht man: 100 g Butter, 100 g Zucker, 3 Esslöffel Rum, 100 g gemahlene Nüsse, 20 g Kakao. Die Zutaten mit dem Mixer vermengen. Immer zwei „Nüsse“ mit der Creme zusammenkleben. Zum Schluss 80 g Schokolade im Wasserbad schmelzen und jeweils eine Hälfte der Nuss eintauchen.

„Kokosové pusinky“ (Kokosmakronen)

„Kokosové pusinky“ (Kokosmakronen) sind die schnellste und günstigste Option. Foto: Lucia Vovk

„Kokosové pusinky“ (Kokosmakronen) sind die schnellste und günstigste Option. Foto: Lucia Vovk

„Kokosové pusinky“ (Kokosmakronen, in der wörtlichen Übersetzung „Kokosküsschen“) sind ebenfalls ein Klassiker und eine Empfehlung meiner Großmutter, da dieses Rezept günstig, einfach und schnell ist:

Ein Salko (Kondensmilch), 200 g Kokosflocken und eine Prise Salz mit einem Küchengerät vermengen. Auf ein Blech mit Backpapier mithilfe von zwei Teelöffeln kleine Häufchen verteilen. Bei 180 °C circa fünf Minuten backen, aber aufpassen, dass sie nicht verbrennen.

Vanillekipferl

„Vanilkové rohlíčky“ (Vanillekipferl) sind sowohl in Deutschland als auch in Tschechien beliebt. Foto: Lucia Vovk

„Vanilkové rohlíčky“ (Vanillekipferl) sind sowohl in Deutschland als auch in Tschechien beliebt. Foto: Lucia Vovk

„Vanilkové rohlíčky“ (Vanillekipferl) sind wie in Deutschland auch in Tschechien beliebt. Sie stammen aus Wien und der Legende nach begann man sie 1693 zu backen, um den Sieg über die osmanischen Truppen zu feiern, die versucht hatten, Wien einzunehmen. Das Osmanische Reich hatte damals eine Mondsichel auf seiner Flagge, also backte man Vanillesicheln. Diese verbreiteten sich dann in der gesamten österreichischen Monarchie und auch in Tschechien, wo sie zu einem typischen Plätzchen wurden. Im österreichischen Originalrezept werden im Wesentlichen gemahlene Mandeln verwendet, in Tschechien häufiger Walnüsse.

Das Rezept lautet wie folgt: 

100 g Puderzucker, Butter, Schmalz, gemahlene Nüsse, 370 g Mehl, ein Ei, einen Teelöffel Backpulver und einen Esslöffel Rum vermengen, Teig in eine Frischhaltefolie verpacken und mindestens zwei Stunden in Kühlschrank ruhen lassen. Aus dem Teig kleine Kipferl formen und nicht zu eng aneinander auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen. Bei 180 °C circa 10 bis 15 Minuten backen, bis sie sich bräunen. Die warmen Kipferl in Vanillezucker wenden. Am besten ist es, wenn man sie schon einen Monat vorher bäckt, damit sie ruhen können.


 LuciaAhoj und Hallo,

ich heiße Lucia Vovk und unterstütze die LandesEcho Redaktion als Praktikantin von Anfang August bis Ende Januar. Ich werde das Praxissemester meines Studiums der Werbung und Marktkommunikation hier verbringen und freue mich auf die Erfahrungen im Online- und Printbereich. Ich bin zweisprachig aufgewachsen, da meine Mutter aus Tschechien stammt. In der letzten Zeit habe ich gemerkt, wie mein Tschechisch langsam schwindet. Das mag daran liegen, dass ich durch mein Studium weniger Gelegenheit habe, mit meiner Familie zu kommunizieren und Zeit in Tschechien zu verbringen. Deswegen bin ich schon gespannt darauf, während meines Praktikums mehr über meine Wurzeln zu erfahren, meine Sprachkenntnisse zu verbessern und das Land, in dem ich geboren wurde, besser kennenzulernen. Denn: „Všude dobře, doma nejlíp“ („Überall ist es gut, aber daheim am besten“).