Unsere Landesbloggerin Fanny macht sich zum ersten Mal auf den Weg in die Stadt und direkt fällt ihr auf: Mit ihrem Bargeld kann sie sich in der Prager Tram kein Ticket kaufen.

Es ist mein allererster Tag hier in Prag, als ich mich gegen 9 Uhr morgens auf den Weg zur Arbeit mache. Es sind laut Google Maps nur 400 Meter zur nächsten Tramstation. Ein Ticket habe ich noch nicht, doch das werde ich mir an der Tramstation kaufen, so mein Plan. An der Bahnstation angekommen erkenne ich außer dem Fahrplan und zwei Sitzgelegenheiten nichts: kein Ticketautomat zu sehen. In der Tram wird es bestimmt eine Möglichkeit geben, ein Ticket zu kaufen, denke ich, und steige in meine Tram ein.

Ich schaue mich um, doch ich sehe weit und breit keinen Ticketautomaten. Ich gehe nach ganz vorne, in der Hoffnung, beim Tramfahrer ein Ticket kaufen zu können. Auf Tschechisch erklärt er mir etwas, wobei ich nur das Wort „VISA“ verstehen kann. Mit ausgestrecktem Arm zeigt er auf einen kleinen Automaten in der Mitte der Tram. Das kleine gelbe Gerät hatte ich zunächst für einen Ticket-Entwerter gehalten, doch es schien tatsächlich der Automat zu sein. Direkt fällt mir auf: Es ist nur kontaktlose Kartenzahlung möglich. Zum Glück habe ich noch meine Bankkarte dabei, mit der ich seit Kurzem auch kontaktlos bezahlen kann. Die Bedienung des Automaten ist sehr leicht, vorab habe ich die Sprache auf Englisch umgestellt und jetzt habe ich die Auswahl zwischen einem 30-minütigen, einem 90-minütigen und einem Tagesticket von 24 Stunden. Ich treffe meine Wahl, halte meine Karte an das Gerät und schon kommt das Ticket heraus. „Das Ticket ist schon entwertet“, erklärt mir eine Frau in der Tram, als ich versuche, das viel zu große Ticket in den Entwerter zu stecken. Nachdem ich mich hingesetzt habe, überlege ich mir, ob ich die kontaktlose Kartenzahlung in der Bahn nun gut oder schlecht finden soll…

Welche Zahlung bevorzugen die Tschechen?

Laut einer Umfrage der tschechischen Zeitung „Penize“ zahlen die meisten Tschechen am liebsten mit Karte. Im Vorjahr gaben 15 Prozent der Teilnehmenden an, ausschließlich mit Bargeld zu zahlen, heute sind es nur noch zehn Prozent. Auch die Anzahl der Geldabhebungen ist stark zurückgegangen, ca. 60 Prozent geben an, nur noch einmal im Monat Bargeld abzuheben. Die Prozentzahl der Menschen, die täglich Geld abheben, liegt fast bei null. Diese Umfrage entstand jedoch vor der Corona-Pandemie. In den letzten Monaten zahlen nun auch diejenigen kontaktlos, die diese Möglichkeit vorher noch nicht kannten. Anders sieht es zum Beispiel in Deutschland aus. Laut einer aktuellen Umfrage der „Welt“ bevorzugen nur 38 Prozent die Kartenzahlung, der Rest zahlt lieber in Bar.

Doch was ist denn jetzt besser?

Bargeld schafft Sicherheit. Zum einen hat man einen besseren Überblick über die Ausgaben, was zu einem sparsameren Konsumverhalten führen kann. Des Weiteren verschafft Bargeld Anonymität, denn mit Bargeld kann jeder kaufen, wo und was er oder sie will, ohne dass es nachverfolgt werden kann. Mit Bargeld ist es außerdem möglich, bedürftigen Menschen auf der Straße Geld zu spenden.

Auf der anderen Seite empfinden die Menschen, die Kartenzahlung bevorzugen, die Karte als praktischer. Ein schweres Portemonnaie mit sich herumzutragen ist lästig. Da ist eine kleine Karte, die z. B. auch in die Handyhülle passt, dann doch praktischer. Größere Geldbeträge lassen sich ebenfalls besser mit Karte zahlen, zudem tragen die meisten Menschen ungern sehr viel Bargeld mit sich herum. Bei Auslandsaufenthalten kommt man bei der Nutzung der Karte ebenfalls oft günstiger weg, da man meist ohne Gebühren zahlen kann und nicht unnötig Geld in der anderen Währung abheben muss, wobei man durch ungünstige Wechselkurse oft Verluste hinnehmen muss. Nicht zuletzt ist die (kontaktlose) Kartenzahlung gerade in Zeiten einer Pandemie hygienischer.

Für mich jedenfalls steht fest: Für meine restliche Zeit hier in Prag werde ich immer meine Kreditkarte und etwas Bargeld dabei haben, das ist für mich der beste Weg.


Hallo an alle Leserinnen und Leser,DSCF8500

mein Name ist Fanny Messer, ich bin 18 Jahre alt und komme aus Köln. Nach meinem Abitur wollte ich unbedingt ins Ausland und so bin ich online auf das Praktikum hier gestoßen. Für den Journalismus interessiere ich mich schon länger und deshalb freue ich mich schon auf diese neue Erfahrung hier beim LandesEcho. In die schöne Hauptstadt Tschechiens zu reisen, war immer ein kleiner Traum von mir und ich kann jetzt schon bestätigen, dass es sich lohnt, nach Prag zu reisen. Bis Ende Januar darf ich die Zeitschrift bei ihrer redaktionellen Arbeit begleiten und so auch die deutsche Minderheit besser kennenlernen. Wenn ich zurück nach Deutschland komme, werde ich weiter in der Gastronomie arbeiten und im Wintersemester im nächsten Jahr möchte ich gerne anfangen zu studieren. Was genau, weiß ich noch nicht, doch ich bin mir sicher, dass die Erfahrung aus dem Praktikum in jedem Fall nützlich für meinen Weg sein wird!

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