Anna Kolářová ist die neue Vorsitzende der Jugendorganisation der deutschen Minderheit in Tschechien. Im Gespräch berichtet die 24-Jährige von ihren Zielen für JUKON und verrät, was sie antreibt.

LE Wie kamst Du zu Deinem neuen Amt bei JUKON?

Durch meinen Vater, der Vorsitzender der deutschen Minderheit in Iglau (Jihlava) ist, hatte ich schon einige Kontakte in der deutschen Minderheit und zur Landesversammlung. Bei einem Treffen aller deutscher Minderheitenvereine im Juni in Brünn wurde ich dann vom Präsidenten der Landesversammlung, Martin Herbert Dzingel, nach Prag zu JUKON eingeladen. Gemeinsam mit meinem Freund bin ich daher im August zu einem JUKON-Treffen nach Prag gefahren. Ich war sehr gespannt auf die Projekte, weil ich zuvor noch nichts von JUKON gehört hatte. Sehr spontan wurde ich dann für das Amt der Vorsitzenden vorgeschlagen und anschließend auch gewählt. Ich war sehr überrascht davon, aber ich bin froh über das Vertrauen und bin sehr gespannt.

LE Was sind Deine Aufgaben als neue Vorsitzende bei JUKON?

Die Hauptaufgabe ist das Repräsentieren. Ich werde den Vorsitzenden der Landesversammlung, Martin H. Dzingel, beispielweise zu Veranstaltungen begleiten. Ich werde bei der Planung von Projekten beteiligt sein und kann Projekte umsetzen.

LE Welche Projekte hat JUKON für die nächste Zeit geplant?

Wir werden wahrscheinlich als Nächstes ein Treffen organisieren, bei dem junge Leute ihr eigenes Projekt entwerfen können, und dann werden wir eines der besten Projekte unterstützen und es umsetzen. Außerdem wollen wir auch neue Mitglieder für JUKON gewinnen. Mitglied werden kann jeder, der sich auf die eine oder andere Weise der deutschen Minderheit verbunden fühlt und Lust hat, mit uns gemeinsam Projekte durchzuführen, die darauf abzielen, Vorurteile und Ressentiments innerhalb der Gesellschaft abzubauen. Wir sind eine Jugendorganisation der deutschen Minderheit, aber prinzipiell kann jeder dabei sein. Es ist dabei kein Problem, wenn sie keinen deutschen Hintergrund haben oder nicht zur deutschen Minderheit gehören. Wir wollen junge Leute treffen, die sich für die deutsche Sprache interessieren. Schüler, junge Studierende und Absolventen sind dabei unsere Zielgruppe. Kulturprojekte möchten wir auch umsetzen. Außerdem wollen wir unsere Social-Media-Kanäle verbessern, damit wir mehr zu sehen sind. Wir haben sehr viele Ideen.

Die neue JUKON-Vorsitzende Anna Kolářová stammt aus Iglau (Jihlava) und studiert in Brünn (Brno) und Wien BWL und Translation. Daneben arbeitet sie als Deutschlehrerin an einem Zentrum für Studierende mit Behinderungen. Aktiv ist Kolářová auch im deutsch-tschechischen Begegnungszentrum in Brünn.

LE Was wird die größte Herausforderung für Dich sein?

Ich habe momentan ein bisschen Angst vor Allem, weil alles neu für mich ist. Ich habe so etwas noch nie gemacht. Aber ich weiß, dass wir ein sehr gutes Team zusammengestellt haben und ich hoffe, dass sich alles langsam entwickeln wird.

LE Wie lässt sich der Austausch zwischen deutschen und tschechischen Jugendlichen weiter fördern und welche Rolle kann JUKON dabei spielen?

Das ist eine gute Frage, weil tschechische Jugendliche fast kein Deutsch mehr sprechen oder sie das auch nicht wollen. Ich hoffe, dass wir mit Studierenden der Germanistik zusammenarbeiten können und dass wir dadurch auch jüngere Leute erreichen. Ich hoffe, wir können zeigen, dass es nicht schlimm ist, Deutsch zu sprechen. Es ist eine wichtige Sprache, weil zwei unserer Nachbarländer deutschsprachig sind. Ich höre oft von meinen Bekannten, dass sie Deutsch für die Arbeit brauchen. Ich denke, die deutsch-tschechische Partnerschaft ist sehr wichtig.

JUKON-Vollversammlung im August 2022. Foto: Landesversammlung

JUKON-Vollversammlung im August 2022. Foto: Landesversammlung

LE Warum liegt Dir die deutsche Minderheit persönlich am Herzen und was verbindest Du mit ihr?

Meine Familie. Ich komme selbst aus der deutschen Minderheit. Meine Oma war Deutsche und meine Eltern haben mir immer gesagt, ich solle stolz auf meine deutsche Herkunft sein und dass ich die deutsche Sprache nicht vergessen soll, auch weil meine Oma es früher im Gegensatz zu mir nicht sprechen durfte. Meine beiden Eltern sprechen auch Deutsch und haben mir die Sprache beigebracht. Dafür bin ich sehr denkbar, weil ich jetzt sehe, wie wichtig die deutsche Sprache ist.

LE Was motiviert Dich?

Mich motiviert, dass ich es selbst erlebt habe, dass ich mich nicht getraut habe, Deutsch zu sprechen, weil ich in der Schule dafür gemobbt wurde. Ich will, dass wirklich niemand vor seiner Herkunft Angst hat und dass diese blöden Witze über die deutsche Sprache vergessen werden. Ich denke, JUKON ist dafür eine sehr gute Gelegenheit.

LE Worauf freust Du Dich besonders bei JUKON?

Ich hoffe, dass wir mit Jugendlichen, die einen deutschen Hintergrund haben oder die Lust haben, Deutsch zu sprechen, coole Projekte zusammen organisieren werden, dass wir die deutsche Sprache fördern können und dass wir weiter wachsen.

Das Gespräch führten Madeleine Eisenbarth & Manuel Rommel


 Dieser Beitrag erschien zuerst in der LandesEcho-Printausgabe vom September 2022.