Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds unterstützt mit rund 800.000 Euro 74 neue Projekte aus beiden Ländern.

Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds hilft, Brücken zu bauen zwischen Deutschen und Tschechen. Er fördert gezielt Projekte, welche die Menschen beider Länder zusammenführen. Im Dezember gab der Stiftungsfond bekannt, dass er 74 weitere gemeinsame Projekte und Initiativen unterstützen wird. Etwa ein Drittel der Projekte kommen aus dem Bereich der Denkmalpflege. Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds unterstützt ein weiteres Dutzend Projekte im Rahmen des Sonderförderprogramms „Re-Start“.

Nachhaltigkeit, Literatur und Geschichte

Eines der geförderten Projekte ist eine siebentägige deutsch-tschechische Jugendbegegnung „What now?“ zum Thema Nationalsozialismus. Das Bildungsseminar richtet sich an deutsche und tschechische Schülerinnen und Schüler und wird vom Max Mannheimer Studienzentrum aus Dachau und der Gedenkstätte Theresienstadt (Terezín) veranstaltet. Die Begegnungen finden ebenfalls in den Gedenkstätten Dachau und Theresienstadt statt. Inhaltlich setzt sich das Projekt mit den Verbrechen der Nationalsozialisten auseinander. Darüber hinaus besteht ein Bezug zum Jahresthema des Zukunftsfonds von 2021, inwiefern die Pandemie die historische Erinnerungsarbeit beeinflusst. Der Zukunftsfonds unterstützt das Vorhaben mit einem Zuschuss in Höhe von 9810 Euro.

Ein weiteres Projekt orientiert sich am Jahresthema des Zukunftsfonds von 2020. Der Prager Verein AMPI (Asociace místních potravinových iniciaitiv, dt. etwa „Assoziation lokaler Lebensmittelinitiativen“) und das Netzwerk „Biodynamische Bildung gGmbH“ aus Lüneburg planen mehrere deutsch-tschechische Austauschtreffen zum Thema dynamische Landwirtschaft, wie zum Beispiel in Form eines dreitägigen Fachworkshops für deutsche und tschechische Landwirte. Der Zukunftsfonds unterstützt das Projekt im Rahmen seines verlängerten Jahresthemas 2020 mit einer Fördersumme von 480 000 CZK (etwa 18.900 Euro).

Des Weiteren fördert der Zukunftsfonds das Prager Literaturhaus, das zu einem der wichtigsten Akteure im deutsch-tschechischen Kulturdialog zählt. Kern des Kulturaustausches ist ein seit 2009 bestehendes Stipendiatenprogramm, das nun auch auf Regionen außerhalb von Prag ausgeweitet werden soll. Der Zukunftsfonds unterstützt das Projekt mit 415.000 CZK (etwa 16 350 Euro).

Mit 13.000 Euro fördert der Zukunftsfonds das Roma-Projekt „Jekhetanes - Zusammen – Spolu“- Dieses soll im Dreiländereck auf die Lebenssituation der Sinti und Roma aufmerksam machen und deren Geschichte und Kultur der Öffentlichkeit näherbringen. Geplant ist ein zweijähriges deutsch-tschechisches Projekt im Dreiländereck vom Verein „Hillersche Villa“ aus Zittau und dem Prager Roma-Verein „Ara Art“. Unter anderem ist auch eine gemeinsame Online-Plattform geplant, die über Aktivitäten informieren soll. Dazu gehören beispielsweise Musikworkshops, die gegenseitiges Verständnis fördern und zu einer engeren Vernetzung zwischen Akteuren in Deutschland und Tschechien beitragen sollen.

Kulturdenkmäler: Renovierungs- und Rettungsarbeiten

Im Juni 2023 sollen die Renovierungsarbeiten an der Kirche St. Peter und Paul in Stritschitz
(Strýčice) fertiggestellt werden. Das Dach und ein Teil der Außenfassade können aufgrund der zahlreichen Spendensammlungen von tschechischen und deutschen Bürgern des Fördervereins Pfarrkirche Strýčice und dank einer Unterstützung des Zukunftsfonds nun rekonstruiert werden. Die Fertigstellung soll mit einem deutsch-tschechischen Fest und einer zweisprachigen Ausstellung zur Geschichte der deutschsprachigen Bewohner der Region gefeiert werden. Der Beitrag des Zukunftsfonds für die Fertigstellung der Renovierung beträgt 450.000 CZK (etwa 17.700 Euro). Insgesamt hat der Fonds sich an der schrittweisen Instandsetzung der Kirche mit 2,25 Millionen CZK (etwa 88.600 Euro) beteiligt.

Eine weitere Rettungsarbeit, an dem sich der Zukunftsfonds beteiligt, ist der jüdische Friedhof in Polna (Polná). Die mehr als 1100 Grabsteine sind aufgrund der verschlechternden Statik beschädigt. Die Grabinschriften und Verzierungen, die teilweise aus dem 17. Jahrhundert stammen, verschwinden aufgrund von Erosionen immer weiter. Ziel des Projektes ist es, alle beschädigten Grabsteine wiederherzustellen und so gemeinsam mit der renovierten Synagoge und dem Rabbinerhaus einen würdigen Gedenkort für die einstige jüdische Bevölkerung zu schaffen. Dafür stellte der Zukunftsfonds 450.000 CZK (etwa 17.700 Euro) zur Verfügung.

Außerdem wurde der deutsche Friedhof in der Gemeinde Glemkau (Hlinka) bei Freudenthal (Bruntál) restauriert, welcher nach Kriegsende 1945 und der Vertreibung der deutschen Bevölkerung völlig verwahrlost war. Mit der Erneuerung des Friedhofs möchte die Gemeinde an ihre Vorkriegsgeschichte anknüpfen und diese den heutigen Bewohnern nahebringen. Sämtliche Grabsteine wurden kartiert und das Zentralkreuz auf dem Friedhof erneuert. Darüber hinaus wurden 20 Gräbern einschließlich der Grabsteine restauriert und eine Informationstafel in deutscher, tschechischer, polnischer und englischer Sprache aufgestellt. Der Zukunftsfonds beteiligt sich an der Restaurierung des Friedhofs mit einer Summe von 200.000 CZK (etwa 7.890 Euro).

Das Sonderförderprogramm „Re-Start“ unterstützte u.a. Chorkonzerte in Zittau und Reichenberg (Liberec), die vom Kirchenchor Östriz und dem Verein „Zpěvem společně“ (dt. „Gemeinsam mit Gesang“) veranstaltet wurden. Neben dem Chorprogramm wurden literarische Geschichten aus dem norddeutsch-böhmischen Grenzgebiet auf Deutsch und Tschechisch vorgetragen.