Sie belohnten die Fleißigen, bestraften die Übermütigen und verschwanden schließlich für immer aus dem Isergebirge: geheimnisvolle Waldfrauen, die auch „Buschweiber“ genannt wurden.
Auch „Buschweiber“ lebten in den alten Zeiten im Isergebirge. Und wenn morgens die Wälder dampften, meinte man: „Ah, die Buschweiber kochen Kaffee!“ Anders als die verwandten Elfen, waren die Buschweiber, auch Holzweibchen genannt, auffallend hässlich und keineswegs scheu. Den guten Menschen waren sie hold, brachten ihnen Glück, belohnten die Fleißigen, aber Faule neckten und Böse straften sie.
Den Handwerker in Hegebach, der aus dünnen Holzspänen Käseschachteln fertigte, pflegten in den kalten Herbstnächten drei Buschweiber aufzusuchen. Sie kamen gerne hierher, um sich aufzuwärmen, saßen still am Ofen und sahen ihm bei der Arbeit zu. Zur Belohnung legten sie jeden Herbst so viele Holzbündel hinter sein Haus, dass es für den ganzen Winter reichte.
An zwei Mädchen, die gerne auf einer Waldlichtung saßen, schlich sich einmal Runkel heran. Das alte, runzelige Buschweib schüttelte ihnen einen Haufen Blätter in den Schoß und verschwand mit leisem Kichern so schnell wie es gekommen war. „Und was soll ich mit dem Zeug?“, zuckte ein Mädchen die Achseln und ließ die Blätter zu Boden fallen. Als sie dann zuhause ihre Schürze auszog, hörte sie ein leises Klirren. Auf dem Boden sah sie ein Blatt liegen, das zuvor in ihrer Schürze hängen geblieben war — und dieses war aus purem Gold.
Das Mädchen machte kehrt und lief in den Wald, um den Schatz aufzusammeln. Doch der Wind hatte inzwischen alles fortgeblasen, nur noch ein paar trockene Blätter lagen dort. Ein Bauer, der ein Buschweib geehelicht hatte, bereute es nie. Sie sollen äußerst brave und treue Ehefrauen und hervorragende Hausfrauen gewesen sein. Doch wer ihnen Gewalt antat, der bezahlte es bitter. Davon zeugte auch das böse Ende eines gar hochmütigen Burschen. Als sich nämlich die Buschweiber eines Tages an ihrem Lieblingsplatz auf dem Dorfplatz wieder einmal in der Sonne räkelten und ihr Haar kämmten, lief aus einem Haus, in dessen Stube die Dorfjugend gerade tanzte, ein übermütiger Kerl hinaus. Er packte ein Buschweib fest an der Taille und zog es hinein. So sehr sie sich auch dagegen sträubte, er ließ sie nicht los, bevor sie rund um die ganze Stube getanzt hatten. Die verärgerten Buschweiber suchten das Weite und wurden seither nie mehr im Isergebirge gesehen. Aber am nächsten Tag fanden die Dorfbewohner am Waldrand den kopflosen Körper des törichten Burschen, und danach konnte man um Mitternacht seinen Geist sehen, der seinen Kopf unterm Arm trug.
Quelle: Sagen und Märchen der Deutschen aus dem Isergebirge (Petra Laurin & Monika Hanika), Haus der deutsch-tschechischen Verständigung in Reinowitz, 2022 / Pověsti a pohádky Němců z Jizerských hor (Petra Laurin & Monika Hanika), Dům česko-německého porozumění v Rýnovicích, 2022.
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