Anfang Mai schloss der Prager Stadtrat das Stalin-Kulturzentrum unter dem Metronom von der Marktordnung aus. Ohne die Lizenz ist es unmöglich, Veranstaltungen an dem Ort abzuhalten. Die Betreiber bitten die Bevölkerung um Unterstützung.
Am 4. Mai 2026 beschloss der Prager Stadtrat, den Standort des Stalin-Kulturzentrums aus der Marktordnung zu streichen. Die Entscheidung macht das zukünftige Durchführen von Veranstaltungen an dem Ort faktisch unmöglich, da die Marktordnung bestimmt, wo in Prag gewerbliche Aktivitäten stattfinden dürfen. Seit 2015 dient das Areal unter dem Metronom als Veranstaltungsort für hunderte Events, die größtenteils keinen Eintritt kosteten. Das vielseitige kulturelle Angebot umfasste neben DJ-Gigs und Live-Konzerten auch Stand-up-Comedy-Auftritte, ein Open-Air-Kino sowie Opern- und Sinfoniekonzerte des Tschechischen Rundfunks.
Überraschendes Ende
Stadtrat Adam Zábranský (Piraten) gab die Entscheidung Anfang Mai nach der Stadtratssitzung gegenüber der Presse bekannt. Ihm zufolge stimmten die Vertreter von SPOLU und Stadtrat Antonín Klecanda (STAN) für eine Streichung des Zentrums von der Liste der Marktplätze. Er selbst könne diesen Schritt nicht nachvollziehen. Erst vor eineinhalb Monaten, am 25. März, hatten die Organisatoren des Stalin-Kulturzentrums einen neuen Pachtvertrag mit der Stadt unterzeichnet. „Wir haben Lieferanten gebucht, Vereinbarungen mit Künstlern getroffen, einen Schiffscontainer als Lager gekauft und vor wenigen Tagen eröffnet – und jetzt erfahren wir plötzlich, dass das Stalin-Kulturzentrum von der Liste der Marktplätze gestrichen wird. Ich bin immer noch fassungslos“, resümiert Betreiber Jan Faltys die Lage.
Ein Funken Hoffnung bleibt
Das Zentrum hatte bereits im letzten Jahr Probleme, als die Stadt Prag den Pachtvertrag zunächst nicht verlängern wollte. Laut Stadtrat Zábranskýs damaliger Aussage habe der Grund darin gelegen, dass der Raum unter dem ehemaligen Denkmal – an der Stelle des Metronoms befand sich bis 1962 ein rund 16 Meter hohes Stalin-Monument – entgegen der Baugenehmigung als Lager genutzt wurde. Aktuell wird der Raum unter dem Letná-Platz renoviert, da das Denkmal Mängel in der Struktur aufweist.
Noch haben die Betreiber die Hoffnung nicht aufgegeben. Das Zentrum musste vorübergehend schließen, hat aber seinen Außenbereich wieder geöffnet. Vom 15. Mai bis Mitte Juni finden im Rahmen des Kultursommers noch vereinzelte Veranstaltungen statt. Der Eintritt ist frei.
Zudem laden die Veranstalter zu zwei öffentlichen Debatten ein: Am 27. Mai findet ein Austausch mit den Veranstaltern von United Islands, Letní Letná und der Karlín-Kaserne sowie Vertretern der Stadt statt. Am 9. Juni folgt eine Diskussion mit den Bürgermeisterkandidaten, bei der die Kulturpolitik und die Zukunft der unabhängigen Kulturszene in Prag im Fokus stehen.
Eine vom Kulturzentrum Stalin gestartete Petition ruft den Prager Stadtrat dazu auf, das Kulturzentrum wieder in die Marktordnung aufzunehmen. Die Betreiber bitten die Bevölkerung um Unterstützung.
Das nicht mehr existente Stalin-Denkmal auf dem Letná-Platz wurde 1955 errichtet. Zu seiner Zeit war das Stalin-Denkmal die größte Skulpturengruppe Europas mit einer Höhe von über 15 Metern, einer Breite von 12 Metern und einer Länge von 22 Metern. Das Denkmal wurde Ende 1962 gesprengt, als die Kritik des sowjetischen Staatschefs Nikita Chruschtschow an Stalin immer mehr Anhänger fand. Seit 1991 steht an der Stelle des Denkmals das Prager Metronom, eine Skulptur in Form eines Pendels. Sie trägt den Namen „Time Machine“ und stammt von Vratislav Novák.
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