Seit dem 1. August ist Ilyas Zivana neuer Geschäftsführer der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik. Mit dem LandesEcho sprach der bisherige ifa-Kulturmanager über seine Pläne für die deutsche Minderheit, neue Angebote für junge Erwachsene und eine stärkere grenzüberschreitende Vernetzung.

LE: Herr Zivana, Sie waren fast vier Jahre als ifa-Kulturmanager bei der Landesversammlung tätig. Wie würden Sie diese Zeit rückblickend beschreiben und was haben Sie daraus für Ihre neue Aufgabe mitgenommen?

Das erste Adjektiv, das mir einfällt, ist auf jeden Fall „kurzweilig“, weil es mir wirklich so vorkommt, als hätte ich manche Projekte erst gestern gemacht, dabei sind sie teilweise schon drei Jahre her. Wenn ich zum Beispiel an den Fotowettbewerb zu den deutschen Gräbern denke, was mein erstes größeres Projekt war: Den Wettbewerb und die dazugehörige Vernissage hatten wir im Herbst 2023, und jetzt haben wir schon 2026. 

Ich hatte das Glück, mich in relativ vielen Bereichen ausprobieren zu können, die damals auch für mich neu waren. Was das Projektmanagement angeht, habe ich sehr viel dazugelernt, aber natürlich auch über die deutsche Minderheit, weil ich vorher noch nicht mit ihr gearbeitet hatte.

Ich komme aus dem deutsch-tschechischen Kontext und bin im weitesten Sinne Bohemist, wenn man so will. Ich habe deutsch-tschechische Kulturstudien und Übersetzen studiert, später Übersetzen mit Dolmetschen. Das war damals auch mein Weg nach Tschechien. 

LE: Zum 1. August haben Sie die Geschäftsführung der Landesversammlung übernommen. Was hat Sie motiviert, diese neue Verantwortung zu übernehmen?

Es schien mir wie der nächste logische Schritt. Als sich abzeichnete, dass der damalige Geschäftsführer Martin Herbert Dzingel ins Schulleben wechseln wollte, ergab sich diese Möglichkeit. Da ich zu diesem Zeitpunkt schon dreieinhalb Jahre im Büro der Landesversammlung gearbeitet hatte, erschien mir das als eine gute Gelegenheit, zum einen mehr Verantwortung zu übernehmen und zum anderen meine eigenen Ideen für die Minderheit stärker einbringen zu können.

LE: Welche Ideen sind das? Welche Themen und Herausforderungen möchten Sie als Geschäftsführer angehen?

Vor allem möchte ich die Jugendarbeit ausbauen, weitere Jugendprojekte umsetzen und uns stärker mit anderen Organisationen vernetzen, die im deutsch-tschechischen Bereich oder mit anderen deutschen Minderheiten Jugendprojekte organisieren.

Als Geschäftsführer ist man natürlich deutlich weniger am praktischen Teil dieser Arbeit beteiligt und beschäftigt sich stärker mit administrativen Aufgaben. In dieser Hinsicht möchte ich die Minderheit so aufstellen, dass solche Projekte besser umgesetzt werden können. Dazu gehört auch, weitere finanzielle Mittel zu erschließen.

Gleichzeitig haben wir ein gutes Team in unserem Büro, das im vergangenen Jahr an einigen Stellen verstärkt wurde. Mit der neuen ifa-Kulturmanagerin, die im September zu uns kommen wird, haben wir gute Voraussetzungen, um neuen Schwung in die Jugendarbeit zu bringen. Wir haben bereits viele Angebote für Minderjährige, etwa unsere Sommercamps. Künftig möchten wir stärker die Zielgruppe der 18- bis 30-Jährigen ansprechen. Daran arbeiten wir bereits. Im Herbst möchten wir beispielsweise unser sogenanntes Gipfelprojekt umsetzen und es im Idealfall im kommenden Jahr wiederholen. Sportprojekte sind für mich ohnehin eine Herzensangelegenheit. 

LE: Ein wichtiges Thema für Sie wird sicherlich auch die Umsetzung der Maßnahmen aus der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen. Wie wird es dort weitergehen?

Wir bleiben auf jeden Fall dran. Die Sprachencharta ist ein Thema, dessen Umsetzung beim Geschäftsführer liegt, das inhaltlich aber auch von den Präsidiumsmitgliedern begleitet wird – weiterhin auch Martin Herbert Dzingel als Mitglied im Minderheitenrat der tschechischen Regierung.

LE: Wo sehen Sie die größten Chancen für die Landesversammlung in den nächsten Jahren?

Vor allem in der Jugendarbeit und insbesondere in der grenzüberschreitenden Jugendarbeit. Ich denke, dass wir die Zusammenarbeit mit anderen deutschen Minderheiten noch intensivieren sollten, gerade in unseren Nachbarländern. Mit Partnern in Polen und der Slowakei haben wir bereits erste Projekte in dieser Richtung geplant. Auch mit Jugendgruppen aus Deutschland wollen wir die Vernetzung weiter vorantreiben. Ebenso möchten wir künftig stärker auf europäische Projekte setzen.

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LE: Wie soll die Zusammenarbeit zwischen dem Büro der Landesversammlung und den Vereinen der deutschen Minderheit in den einzelnen Regionen künftig aussehen?

Die Grundstruktur bleibt selbstverständlich bestehen: Einerseits sind wir Anlaufstelle und Ansprechpartner, was die Kommunikation mit Förderern aus Deutschland betrifft, etwa mit dem Bundesinnenministerium. Andererseits unterstützen wir die Vereine aktiv bei ihrer Projektarbeit.

Seit diesem Jahr haben wir mit Pavla Knyblová eine Projektkoordinatorin dazugewonnen, die von Krawarn aus die Vereine in Mähren und Schlesien unterstützen soll. Dadurch können wir in den Regionen stärker präsent sein und die Projektarbeit besser unterstützen. Aus Prag heraus war das aufgrund der Distanz teilweise schwierig.

Aber leider wird die Bürokratie auch für unsere Vereine immer anspruchsvoller. Wir müssen sie deshalb so unterstützen, dass die bürokratischen Abläufe für uns alle möglichst reibungslos funktionieren und wenig Arbeitszeit in Anspruch nehmen. Schließlich wollen wir uns möglichst stark auf die praktische Arbeit konzentrieren können.

LE: Worauf freuen Sie sich in Ihrer neuen Rolle am meisten?

Ich freue mich tatsächlich am meisten darauf, meine eigenen Ideen einbringen zu können. Ich bin davon überzeugt, dass ich mit meinen Erfahrungen aus den vergangenen Jahren bei der Minderheit dazu beitragen kann, die Herausforderungen, die vor uns liegen, gut zu meistern.

Das Gespräch führte Manuel Rommel.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Landesecho-Ausgabe 9/2026

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