Nach dem Fund menschlicher Überreste auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne in Postelberg (Postoloprty) hat die tschechische Polizei strafrechtliche Ermittlungen wegen Mordverdachts eingeleitet. Ob es sich bei dem Fundort um ein bislang unbekanntes Massengrab von 1945 handelt, ist weiterhin unklar.
Das Amt für die Dokumentation und Untersuchung der Verbrechen des Kommunismus (ÚDV), eine auf historische Verbrechen spezialisierte Dienststelle der tschechischen Kriminalpolizei, untersucht den Fall wegen des Verdachts auf Mord nach früherem Strafrecht. Das teilte die stellvertretende Aussiger Kreisstaatsanwältin Kateřina Doušová am Donnerstag, den 29. Oktober, gegenüber der tschechischen Nachrichtenagentur ČTK mit.
Bei den Anfang Oktober entdeckten Überresten handelt es sich um Knochen eines menschlichen Beins. Am Fundort wurde auch ein Schuh entdeckt, der nach Einschätzung der Archäologen darauf hindeutet, dass die Überreste höchstens 100 Jahre alt sind. Diese waren Anfang Oktober bei Bauarbeiten auf dem ehemaligen Kasernengelände entdeckt worden. In einem Teil des Baugeländes wurden die Arbeiten daraufhin eingestellt. Archäologen untersuchen dort den Fundort.
Ob die Überreste tatsächlich von einem der Opfer des Massakers an der deutschen Bevölkerung im Mai und Juni 1945 stammen, steht noch nicht fest. „Bislang liegen uns keine Informationen vor, die die Spekulationen bestätigen würden, dass es sich um ein Massengrab oder dergleichen handelt“, erklärte Doušová.
Bei dem Massaker von Postelberg wurden 1945 zahlreiche deutsche Zivilisten von Angehörigen tschechoslowakischer Einheiten ermordet. Im Jahr 1947 wurden 763 Leichen aus Massengräbern exhumiert. Historiker gehen von einer deutlich höheren Opferzahl aus.
Mehr zum Hintergrund, den archäologischen Untersuchungen und der Diskussion um eine Gedenkstätte lesen Sie in unserer ausführlichen Recherche vom 21. Oktober.
Das könnte Sie auch interessieren
Schüler erinnern auf Gedenkmarsch an Massaker von Postelberg
Etwa 200 Schülerinnen und Schüler erinnerten auf einem Gedenkmarsch von Postelberg (Postoloprty) nach Saaz (Žatec) an das Massaker an der deutschen Bevölkerung vor 81 Jahren. Auch Botschafter Peter Reuss und Erzbischof Stanislav Přibyl nahmen an der Veranstaltung teil. Am Mittwoch, den 3. Juni 2026, fand zum fünften Mal der „Schüler-Gedenkmarsch“ von Postelberg (Postoloprty) nach Saaz…
Mehr…Gedenktafel in Saaz für Postelberg-Massaker enthüllt
Mit der Enthüllung einer Gedenktafel auf dem städtischen Friedhof von Saaz wurde am 3. Juni 2025 ein Zeichen des Gedenkens und der Versöhnung gesetzt. Die Tafel erinnert an die deutschen Opfer des Massakers von Postelberg, das sich im Juni 1945 wenige Wochen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ereignete. Am Gedenkakt nahmen rund 100 geladene…
Mehr…



