Papst Leo XIV. hat Stanislav Přibyl zum neuen Erzbischof von Prag ernannt. Přibyl tritt damit die Nachfolge von Jan Graubner an, der Anfang Februar aus Altersgründen seinen Rücktritt eingereicht hatte.
Der gebürtige Prager Stanislav Přibyl wird das Amt des Erzbischofs von Prag übernehmen. Er folgt auf Noch-Bischof Jan Graubner, welcher am 2. Februar gegenüber Papst Leo XIV. erklärte, altersbedingt – Graubner ist 77 Jahre alt – auf die zukünftige Ausübung des Prager Erzbischofsamts verzichten zu wollen. Přibyl, der seit 2023 als 21. Bischof von Leitmeritz (Litoměřice) wirkte und seit April 2025 stellvertretender Vorsitzender der Tschechischen Bischofskonferenz ist, wird am 25. April um 11 Uhr feierlich im Veitsdom in sein neues Amt als Erzbischof von Prag eingeführt. Als Erzbischof von Prag ist Přibyl künftig auch Metropolit der Tschechischen Kirchenprovinz. Bis zur offiziellen Amtsübernahme leitet er sein bisheriges Bistum Leitmeritz weiterhin administrativ.
Kirche als Zuhause aller Menschen
Stanislav Přibyl betont, dass die Kirche ein Zuhause für alle Gläubigen sein soll, insbesondere jenen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Seinen bischöflichen Wahlspruch „Pax vobis – Friede sei mit euch“ behält er bei. „Ich möchte im Erzbistum Prag ein Hirte sein, der zuhört, ermutigt und im Zeichen dieses Friedens verbindet“, erklärt der künftige Erzbischof.
„Ich möchte zu einem gewissen Wandel der Atmosphäre beitragen – sowohl in der Kirche als auch in der Gesellschaft. Ich habe den Eindruck, dass zu viel Spannung herrscht“, sagte Přibyl über seine Pläne. Er betont zudem, dass dieser Wandel kein Sprint, sondern ein Marathon sein werde. Seiner Meinung nach leben die Menschen zunehmend in Filterblasen, geprägt insbesondere durch die Sozialen Medien. Dabei weiß der künftige Prager Erzbischof, wovon er spricht: Als computerinteressierte Person nutzt er selbst Soziale Medien als Werkzeug der Kommunikation. Auf Facebook folgen Přibyl rund 5400 Menschen, auf Youtube immerhin 2300.
Unfreiwilliger Abschied aus Leitmeritz
Trotz teilweise unterschiedlicher Meinungen habe er zu fast allen ein herzliches Verhältnis, resümiert Stanislav Přibyl seine Zeit als Bischof der Diözese Leitmeritz. „Ich habe mich hier wohlgefühlt. Es ist wie im Frühlingsgarten: Wir haben gesät, und es wächst. Seien es die Versöhnungsbemühungen im ehemaligen deutsch-tschechischen Raum, der Dialog mit akademischen Einrichtungen, mit Vertretern der Öffentlichkeit, mit verschiedenen Organisationen. Die örtliche Gemeinde hatte gut angefangen, und wir werden sie wiederbeleben. Aber so ist der Wille Gottes und der Kirche, und ich respektiere ihn nicht nur, sondern nehme ihn auch freudig und frei an.“
Das Bistum Pilsen gratuliert Stanislav Přibyl zur Ernennung: „Er ist bekannt für seine Dialogbereitschaft, sein Engagement für Bildung und Kultur sowie für die verantwortungsvolle Rolle der Kirche in der Öffentlichkeit. Die Ernennung zum Erzbischof ist eine Bestätigung seiner bisherigen Verdienste und des Vertrauens, das er sich in der gesamten Kirche erworben hat.“
Seinen priesterlichen Dienst als Pfarrvikar, später als Pfarrer absolvierte Stanislav Přibyl im Kloster Heiliger Berg (Svatá Hora) bei Pribram (Příbram), einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte Böhmens. Er ist Mitglied des Redemptoristen-Ordens, den er als Provinzial von 2002 bis 2011 leitete. Von 2009 bis 2016 war Stanislav Přibyl Generalvikar des Bistums Leitmeritz. Von 2014 bis 2024 war er geistlicher Leiter der Pfarrei Oberpolitz (Horní Police). Am 23. Dezember 2023 ernannte Papst Franziskus ihn zum 21. Bischof von Leitmeritz. Zuletzt rief Přibyl das Jahr 2026 in der Diözese Leitmeritz zum Jahr der Versöhnung für die gegenseitigen Vergehen von Tschechen und Deutschen aus. Seit 2025 ist Stanislav Přibyl zudem Vizepräsident der Tschechischen Bischofskonferenz, welcher er seit 2016 als Generalsekretär angehört. Neben Doktortiteln in Theologie und Kunstgeschichte hat der Geistliche auch einen Master-Abschluss in Ökonomie und Management.
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