Bei Arbeiten an der neuen Prager Metrolinie D ist eine überraschende Entdeckung gemacht worden: In freigelegtem Gestein fanden Forscher das Fossil eines bislang unbekannten Gliederfüßers, der vor rund 448 Millionen Jahren lebte. Der Fund stammt aus einer Zeit kurz vor einer globalen Eiszeit, die eines der ersten großen Massenaussterben der Erdgeschichte auslöste.
Was zunächst wie ein unscheinbarer Fund in einem Schutthaufen aussah, entpuppte sich als wissenschaftliche Sensation. Der Fossiliensammler Radek Labuťa stieß bei Erdarbeiten für den Bau der Metro-Linie D auf ein nur etwa zwei Zentimeter großes Fossil. Experten identifizierten es später als bislang unbekannte Arthropodenart aus dem Paläozoikum. Die neue Spezies erhielt den Namen Soomaspis labutai – benannt nach ihrem Entdecker.
Fund verändert Blick auf Urzeitfauna
Nach Angaben von Forschern des Geologischen Instituts der Akademie der Wissenschaften ist der Fund vor allem deshalb bemerkenswert, weil Vertreter dieser Tiergruppe bislang nur aus anderen Weltregionen bekannt waren. Vergleichbare Arten wurden zuvor ausschließlich im heutigen Südafrika nachgewiesen. Dass nun ein ähnlicher Organismus im Gebiet des heutigen Prag entdeckt wurde, deutet darauf hin, dass diese Tiergruppe deutlich weiter verbreitet war als bisher angenommen.
Die Entdeckung liefert neue Hinweise auf die geografische Verbreitung von Lebewesen auf dem damaligen Urkontinent Gondwana. Vor Hunderten Millionen Jahren waren die heutigen Kontinente noch völlig anders angeordnet. Dennoch galt diese Tiergruppe bislang als regionale Besonderheit.
Fossil mit seltenen Eigenschaften
Der kleine Gliederfüßer Soomaspis labutai erinnert an eine Mischung aus Trilobit und Spinne. Er besaß einen Panzer und einen ausgeprägten Schwanz. Besonders ungewöhnlich ist nach Angaben der Forscher, dass sein Panzer offenbar nicht hart war – anders als bei verwandten Trilobiten. Organismen mit weichem Körpergewebe fossilieren deutlich seltener, da ihre Überreste meist nicht erhalten bleiben.
Die Wissenschaftler vermuten, dass die Art in tieferen Meereszonen lebte. Das könnte erklären, warum sie die drastischen Klimaveränderungen am Ende des Ordoviziums vor rund 450 Millionen Jahren überstand, während zahlreiche andere Arten ausstarben.
Das Fossil soll künftig Teil der Dauerausstellung des Prager Nationalmuseums werden.
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