Bei Bauarbeiten auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne in Postelberg (Postoloprty) sind menschliche Skelettreste entdeckt worden. Ob sie von Opfern des Massakers an der deutschen Bevölkerung im Jahr 1945 stammen, ist derzeit noch unklar. Die Oberstaatsanwaltschaft in Prag befasst sich nun mit dem Fund.
„Es wurden Skelettreste gefunden“, bestätigte Vojtěch Peksa, stellvertretender Direktor des Instituts für Archäologische Denkmalpflege Nordwestböhmens, am Donnerstag, den 1. Oktober, gegenüber der Presse. Die Überreste kamen bei Bauarbeiten auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne in Postelberg, etwa 70 Kilometer nordwestlich von Prag, zum Vorschein. Dort sollen mehrere Doppelhaushälften entstehen. Nachdem der Radlader die ersten Dutzend Zentimeter Erde freigelegt hatte, wurden die Arbeiten vorerst gestoppt. Ob die Knochen aus dem Frühjahr oder Sommer 1945 stammen und damit möglicherweise zu Opfern des Massakers gehören könnten, ließ Peksa offen.
Massengräber in der Nähe
Im Mai und Juni 1945, kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, wurden bei sogenannten „Säuberungsaktionen“ in der Region Laun (Louny) zahlreiche Angehörige der deutschen Bevölkerung – Männer, Frauen und Jugendliche – festgenommen und ermordet. Einheiten der tschechoslowakischen Armee und Mitglieder der Revolutionsgarden trieben damals Tausende Deutsche aus Postelberg (Postoloprty), Saaz (Žatec) und den umliegenden Dörfern zusammen. Auf dem Kasernengelände wurden hauptsächlich Männer und männliche Jugendliche im Alter zwischen 13 und 65 Jahren festgehalten und anschließend erschossen.
Im September 1947 veranlasste eine parlamentarische Untersuchungskommission der Tschechoslowakei unter Geheimhaltung die Öffnung mehrerer Massengräber rund um Postelberg. Bei den Grabungen wurden insgesamt 763 Leichen geborgen, darunter Männer, Frauen und Jugendliche. Historiker gehen allerdings von mindestens 1600 Todesopfern aus. Es wird vermutet, dass bis heute nicht alle Massengräber entdeckt wurden.

Allein in der Nähe der Schule (links im Bild) wurden 1947 insgesamt 225 Leichen exhumiert. Der aktuelle Fundort befindet sich nur wenige Meter von dieser Stelle entfernt (rechts im Bild). Dort befand sich 1945 ein Schützengraben, der offenbar nicht untersucht wurde und in dem möglicherweise weitere Opfer verscharrt worden sein könnten.
Bis 1990 verblieb das Gelände der Kaserne im staatlichen Besitz und wurde von der Tschechoslowakischen Volksarmee genutzt und verwaltet. Mit der Auflösung der Tschechoslowakei übernahm das Verteidigungsministerium das Areal. Nach dem Abzug des Militärs verkaufte der Staat das Objekt an private Eigentümer – unter anderem an die Kommunalpolitikerin Hana Elsnicová. Da das Gebäude verfiel und nicht unter Denkmalschutz stand, ließ diese das historische Kasernengebäude im Sommer 2016 vollständig abreißen. Ihr Unternehmen Písky – J. Elsnic ist auch der Bauherr des aktuellen Wohnungsbauprojekts.
Forderung nach weiteren Untersuchungen
Nach Angaben von Hana Elsnicová wurde das Gelände bereits beim Abriss der Kaserne archäologisch untersucht, ohne dass dabei menschliche Überreste entdeckt worden seien.
Die Bauarbeiten am Fundort wurden vorübergehend eingestellt. Mit dem Fall befasst sich inzwischen die Oberstaatsanwaltschaft in Prag, die über das weitere Vorgehen entscheiden soll.
„Wir hoffen, dass umfassende archäologische Untersuchungen durchgeführt werden“, erklärte Vojtěch Michalák, Vorsitzender des Verwaltungsrats des Stiftungsfonds Postoloprty 1945 (Nadační fond Postoloprty 1945). Diese setzt sich für die Errichtung einer Gedenkstätte ein und möchte den Ort zum Kulturdenkmal erklären lassen. Zu diesem Zweck hat die Stiftung dem tschechischen Kulturministerium einen entsprechenden Antrag vorgelegt.
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