Mit dem Großen Sudetendeutschen Kulturpreis ist am Freitag, den 22. Mai 2026, im Brünner Besední dům die Publizistin und Kulturvermittlerin Petra Laurin ausgezeichnet worden.
Die Preisverleihung fand im Rahmen des 76. Sudetendeutschen Tags statt und würdigte insbesondere Laurins jahrzehntelanges Engagement für die deutsch-tschechische Verständigung sowie ihren Einsatz für die Bewahrung der Geschichte des Isergebirges. Die Laudatio hielt der Bundeskulturreferent der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Prof. Dr. Ulf Bernd Broßmann.
Broßmann zeichnete in seiner Rede das Bild einer Frau, die „eine lebendige und erfolgreiche Brücke der deutsch-tschechischen Verständigung“ geschaffen habe. Petra Laurin wurde 1962 in Prag geboren und wuchs in Reichenberg (Liberec) in einer zweisprachigen Umgebung auf. Seit 1998 lebt sie in Gablonz an der Neiße (Jablonec nad Nisou), wo ihre Familie über mehrere Generationen hinweg verwurzelt war. Geprägt worden sei ihr Lebensweg, so Broßmann, nicht nur von der deutsch-tschechischen Geschichte der Region, sondern auch vom Engagement ihrer Mutter für die deutsche Minderheit.

Nach ihrem Studium arbeitete Laurin zunächst als Korrespondentin der tschechischen Nachrichtenagentur ČTK und später als freie Journalistin mit Schwerpunkt auf den deutsch-tschechischen Beziehungen. Dabei habe sie erkannt, wie wenig Wissen über die deutsche Geschichte Nordböhmens in der tschechischen Öffentlichkeit vorhanden sei. Aus diesem Bewusstsein heraus entwickelte sich ihr langjähriges kulturhistorisches Engagement.
Bewahrerin des Riegerhauses in Gablonz
Besondere Bedeutung kommt dabei dem sogenannten Riegerhaus in Gablonz zu – einem historischen Umgebindehaus aus dem 17. Jahrhundert, das vor dem Abriss bewahrt und restauriert wurde. Seit seiner Einweihung im Jahr 1998 dient das Gebäude als Studien-, Bildungs- und Begegnungszentrum und entwickelte sich zu einem wichtigen Ort der deutsch-tschechischen Verständigung. Laurin habe dieses Zentrum maßgeblich mitbegründet und über Jahrzehnte geprägt, betonte Broßmann.
Als Vorsitzende des Vereins der Deutschen in Nordböhmen in Reichenberg organisiert Petra Laurin bis heute Ausstellungen, Vorträge, Sprachkurse und Symposien. Rund 4000 Besucherinnen und Besucher zählt das Riegerhaus in Gablonz inzwischen jährlich. Darüber hinaus engagierte sie sich publizistisch intensiv für die Aufarbeitung der deutschen Geschichte des Isergebirges. Gemeinsam mit weiteren Autoren veröffentlichte sie mehrere zweisprachige Bücher, darunter Erinnerungen an das stille Isergebirge sowie Schicksale der Deutschen aus dem Isergebirge.
Laurin: „Auszeichnung eine große Ehre für mich“
Auch ihre jüngste Mitveröffentlichung Rübezahl – der Herr der Berge wurde ausgezeichnet: Das zweisprachige Werk erhielt 2025 einen Literaturpreis in der Kategorie Kinder- und Jugendliteratur. Zudem pflegt Laurin intensiv die Städtepartnerschaft zwischen Gablonz und Kaufbeuren-Neugablonz. Für dieses Engagement erhielt sie bereits 2016 die Medaille „Gratias Tibi Ago“ der Stadt Gablonz. Zudem ist Petra Laurin Vizepräsidentin der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik.
„Die Auszeichnung ist eine große Ehre für mich“, so Petra Laurin in ihrem Dankeswort. „Um die Wahrheit zu sagen, glaube ich nicht, dass ich etwas Außergewöhnliches geleistet habe. Ich habe mich nur um die Traditionen und das Leben der Deutschen bei uns in Tschechien gekümmert. Ich habe ihre Geschichten gesammelt und als Journalistin weitergegeben“, zeigte sich Laurin bescheiden.
Neben Petra Laurin wurden in Brünn weitere Sudetendeutsche Kulturpreise verliehen. Den Sudetendeutschen Kulturpreis für Wissenschaft erhielt die Musikwissenschaftlerin Dr. Vlasta Reittererová. Der Kulturpreis für Literatur und Publizistik ging an den französischen Schriftsteller und Journalisten Timothée Demeillers. Mit dem Kulturpreis für Volkstums- und Heimatpflege wurde Dr. Ralf Heimrath ausgezeichnet.
das könnte sie auch interessieren
Posselt schlägt Sudetendeutsche Tage im Wechsel zwischen Deutschland und Tschechien vor
Mit einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung im Kaunitz-Studentenwohnheim ist am Montag der erste Sudetendeutsche Tag auf tschechischem Boden zu Ende gegangen. Künftig könnte die Veranstaltung regelmäßig zwischen Deutschland und Tschechien wechseln, wie der Vorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt, zum Abschluss des Sudetendeutschen Tags in Brünn vorschlug.
Mehr…



