Ein Treffen mit Tradition: Die diesjährigen Deutsch-Tschechischen Kulturtage fanden in Mährisch Trübau statt und erzählten Geschichten von altägyptischen Schätzen, Musik und Tanz und vor allem vom „nach Hause kommen“.
Auch in diesem Jahr kamen wieder zahlreiche Besucher zu den Deutsch-Tschechischen Kulturtagen vom 18. bis 20. September 2026 nach Mährisch Trübau. Eingeladen und organisiert hatten dieses Treffen der Verband der Deutschen – Regionalgruppe Schönhengstgau, vertreten von Irene Kunc, sowie die Stadt Mährisch Trübau (Moravská Třebová). Unterstützt werden die Kulturtage vom Schönhengster Heimatbund Göppingen. Für viele der Anwesenden ist es eine jährliche Zusammenkunft an ihrem Heimatort – ein Nachhausekommen.
Den herzlichen Empfang bereitete die Gastgeberin Irene Kunc den Anwesenden am Freitagabend bei einer gemütlichen Runde im „Trübauer Stübl“. Zum Auftakt stand eine Neuerung auf dem Programm: Die Teilnehmenden sollten sich kurz vorstellen. Angesichts der langen Historie und der engen Verbindung zu Mährisch Trübau und der Umgebung fiel das „Kurzfassen“ manchem schwer. „Das haben wir sonst nie gemacht“, hieß es zunächst überrascht. Doch auch: „Das wusste ich ja noch gar nicht von dir!“ – und das, obwohl man sich teilweise schon seit Jahrzehnten bei diesen Treffen wiedersieht. Auch der Bürgermeister der Stadt, Pavel Charvát, war anwesend, um die Gäste willkommen zu heißen.
Altes im „Neuen“
Der Samstag begann mit dem Besuch des nach einer Sanierung wiedereröffneten Stadtmuseums. Das imponierende Gebäude ist vielen der Besuchenden vertraut, da dort jahrelang das Begegnungszentrum des Verbands der Deutschen untergebracht war.

Nach zweijähriger Schließungszeit des Museums für eine umfassende Neugestaltung hat sich das Warten gelohnt. Heute präsentiert sich die Dauerausstellung modern mit vielen multimedialen Elementen. Das Highlight der Ausstellung ist für die knapp 10.000 Einwohner zählende Stadt sicherlich ungewöhnlich: ein altägyptischer Sarkophag inklusive Mumie – die einzige ihrer Art in Tschechien außerhalb von Prag. Nach Mährisch Trübau gelangt war sie einst gemeinsam mit zahlreichen weiteren außereuropäischen Kunst- und Kulturobjekten durch Ludwig Vincent Holzmaister, einen echten Mährisch Trübauer. Gleichzeitig schlägt die zeitgeschichtliche Abteilung eine Brücke in die lokale Vergangenheit und macht die tiefe Verwurzelung des Ortes mit seiner deutschen Siedlungsgeschichte spürbar.
Musik und Tanz verbindet
Das offizielle Kulturprogramm führte die Gäste anschließend in die Welt der Musik und Literatur. Die in Prag lebende Autorin Barbara Ortwein gab in einer musikalisch untermalten Lesung Einblick in ihr Buch zur USA-Reise von Antonín Dvořák und seiner Familie – und zeigte auf, was sie aus Böhmen mit in die unbekannte Welt trugen: ihre Musik.
Mit dem Motto „Musik und Tanz verbindet“ ging es am Abend im Schloss von Mährisch Trübau weiter. Der Gesangschor Fermáta, der in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiert, die Schönhengster Volkstanzgruppe und Tänzerinnen der Tanzschule PS Háčko boten ein vielfältiges Programm. Neben den traditionellen Tänzen der Schönhengster sorgten Flamenco-Einlagen der Tanzschule für verschiedene regionale Akzente. Am Ende zählte ohnehin nur das verbindende Element des Tanzes und der Musik. So auch Gerhard Korkisch vom Schönhengster Heimatbund in seiner Ansprache an die Gäste: Er sei tief erfreut darüber, dass die Kultur und die Tänze des Schönhengstgaus so engagiert gepflegt werden. Die Kulturtage seien ein unverzichtbares Band zwischen den neuen und alten Bewohnerinnen und Bewohnern der Stadt: Trachten, Tanz und Musik schlagen Brücken über Generationen und Grenzen hinweg.

Jeder kehrt gerne nach Hause zurück
Der Sonntag stand traditionell im Zeichen der Besinnung. Die Franziskanerkirche in Mährisch Trübau blieb geschlossen, die Messe im nahegelegenen Porstendorf (Boršov) fand statt. Der Pfarrer der St. Anna Kirche, Cyprián Marek Bobák, hieß auch die deutschsprachigen Gäste – dank organisierter Übersetzung – herzlich willkommen: Er dürfe heute all jene als Einheimische begrüßen, die im Schönhengstgau ihre Wurzeln haben. Er selbst sehe sich als Gast, sei er doch aus der Slowakei. Doch seine Botschaft traf den Kern des Wochenendes: „Jeder kehrt gerne nach Hause zurück.“ Es zeige einem, wo die eigene Heimat und Wurzeln liegen.
Den letzten Programmpunkt für das Wochenende setzte Karl Klug mit der Vorstellung seines Bildbands Spuren der Heimat in Bildern in der alten Lateinschule. Erstmals wurde die Präsentation der Fotografien von selbstgeschriebener und komponierter Musik begleitet, eingesungen von einer KI-Stimme. Hier traf modernste Technik auf Heimatverbundenheit. Die Liedtexte Im Schönhengstgau bin ich daheim und Mährisch Trübau, du wirst für immer Heimat sein erklangen für die Gäste aus dem Lautsprecher.
Die 32. Deutsch-Tschechischen Kulturtage endeten am Montag und Dienstag mit einem Kinderwettbewerb zur Frage „Wie kennst du deine Nachbarn?“ sowie dem Trübauer Stammtisch.




