Ausgezeichnet als eines der schönsten Gebäude der Welt, feiert das Tanzende Haus in Prag in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag. Von April bis Oktober können Besucher in einer Ausstellung mehr über die Geschichte des Hauses erfahren.

Tanzendes Haus (tsch. Tančící dům) ist der Spitzname des 1996 eröffneten Bürogebäudes am Ufer der Moldau. Anlässlich des 30. Jubiläums in diesem Jahr findet vom 22. April bis zum 18. Oktober eine Ausstellung im Gebäude statt. Zu sehen gibt es neben unveröffentlichtem Archivmaterial und einem 3D-Modell auch Möbelstücke der ursprünglichen Inneneinrichtung. Zudem erhalten die Besucherinnen und Besucher Zugang zu den technischen Anlagen des Hauses. 

Design als Sprache der Kultur

Die Idee für das Gebäude geht auf ein Gespräch zwischen Václav Havel mit dem tschechisch-kroatischen Architekten Vlado Milunić zurück, das die beiden 1986 bei Renovierungsarbeiten führten. Der spätere Präsident Havel wollte gerne ein neues Haus mit kultureller Bedeutung bauen lassen. Das ehemalige Haus auf dem Nachbargrundstück seines Geburtshauses wurde durch die Amerikaner bei der Bombardierung 1945 zerstört und das Gelände lag seit Jahren brach. Die Pläne verliefen jedoch im Sande, da Havel damals noch unter Beobachtung des kommunistischen Regimes stand. 

Ein paar Jahre später – Havel war mittlerweile Präsident der neugegründeten Tschechischen und Slowakischen Föderativen Republik – griff er den Plan gemeinsam mit Milunić wieder auf. Der Idee nach sollte sich das Haus über die Kreuzung neigen und so die tschechoslowakische Gesellschaft symbolisieren, die nach der Zeit totalitärer Starrheit wieder in Bewegung gekommen ist. Nach langer Suche fand sich mit dem Versicherungsunternehmen Nationale-Nederlanden ein passender Investor sowie mit dem Kanadier Frank Gehry ein namhafter Architekt.  

Ginger und Fred

Seinen Namen verdankt das Haus seinen beiden Türmen, die an das Tanzpaar Ginger Rogers und Fred Astaire erinnern. Die Fassade des rechten Turmes („Fred“ ) besteht aus 99 individuell gefertigten, gebogenen Fassadenelementen aus Beton und Stahl. Die beschichteten Röhren aus Edelstahlgewebe auf der Turmspitze stellen den Kopf der Medusa dar. 

Die Fassade des linken Turmes („Ginger“) besteht aus einer Stahlnetzkonstruktion sowie einer doppelten Glasschicht. Aufgrund der Komplexität der Kurven wurden die Teile speziell mittels eines 3D-Computerprogramms modelliert –  eine Neuheit in den 1990er Jahren. Getragen wird die gläserne Konstruktion von acht Betonstützen, welche gleichzeitig die Beine der Tänzerin symbolisieren. 

Das Gebäude ist neun Etagen hoch, die beiden Türme sind auf den einzelnen Ebenen nicht miteinander verbunden. Im Erdgeschoss befinden sich ein Café sowie eine Galerie, in den oberen Stockwerken Büros, Konferenzräume und ein Hotel. In der siebten Etage befindet sich ein Restaurant, das passenderweise den Namen Ginger & Fred trägt. Von der Dachterrasse bietet sich Besucherinnen und Besuchern ein Blick auf die Prager Burg sowie die Kleinseite.

Die Ausstellung befindet sich in der Galerie im Erdgeschoss und ist täglich von 9 bis 20 Uhr geöffnet. Die Eintrittspreise liegen zwischen 150 Kronen (ca. 6 Euro) für Kinder im Alter von 5 bis 15 Jahren und 230 Kronen (ca. 10 Euro) für Erwachsene. Studenten und Personen über 65 Jahre zahlen 185 Kronen (ca. 7,60 Euro). Tickets sind auf der Website der Galerie verfügbar.

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