Der tschechische Auslandssender Radio Prague International feiert in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag – gleichzeitig muss der Sender um seine Zukunft bangen. Außenminister Petr Macinka kündigte im Februar gravierende Kürzungen an.
Im Februar kündigte Außenminister Petr Macinka (Motoristé sobě) an, die Finanzierung für Radio Prague International in diesem Jahr um ein Viertel zu kürzen. 2027 würde das Außenministerium dann dem Sender „null Kronen“ zur Verfügung stellen, so der Minister. Macinka erkläre den Schritt damit, dass er nicht wisse, ob irgendjemand den Sender auf Kurz- Lang- oder Mittelwelle höre und die Finanzierung aufgrund der geplanten Reform der Rundfunkgebühren überflüssig sei. Radio Prague International stellt die Beiträge auf der Website als Textversion und zum Anhören zur Verfügung. Die täglich halbstündige Sendung wird in verschiedenen Sprachen, darunter auch Deutsch, aufgenommen und ist auf der ganzen Welt per Satellit, Kurzwelle oder als Podcast verfügbar. Laut eigenen Angaben erreicht der Sender mit seiner Webseite alleine ca. acht Millionen Klicks jährlich.
Existenzbedrohende Kürzungen
Radio Prague International ist der Auslandsdienst des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und wird als Teil dessen über den Rundfunkbeitrag sowie durch das Außenministerium unter der Leitung von Petr Macinka finanziert. Mit den angekündigten Kürzungen – sowie der geplanten Kündigung des Vertrages mit dem Tschechischen Rundfunk über den Auslandssender – erhofft sich Macinka finanzielle Einsparungen. Die Ankündigung, die Mittel für Radio Prague International im laufenden Jahr 2026 um ein Viertel zu kürzen, würde eine Reduzierung des Budgets um 8,75 Millionen Kronen (ca. 358.000 Euro) auf 26,25 Millionen Kronen (ca. 1,07 Millionen Euro) bedeuten – bevor auch dieser Betrag ab 2027 wegfallen würde. „Die Kürzungen würden bedeuten, dass die diesjährige 90. Saison sehr wahrscheinlich die letzte und abschließende wird“, erklärte der Intendant des Tschechischen Rundfunks, René Zavoral. Der Tschechische Rundfunk hat bislang noch keine offizielle Entscheidung über Budgetkürzungen erhalten. Die Debatte im Parlament über den Haushalt 2026 läuft noch.
Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
In einer Regierungserklärung plant das Kabinett die Abschaffung der Gebühren für öffentlich-rechtliche Medien. „Wenn die öffentlich-rechtlichen Medien auf neue Weise finanziert werden, sind keine zusätzlichen Mittel aus dem Haushalt des Außenministeriums erforderlich“, erklärte Petr Macinka in dem Zusammenhang. Die Gebühren, welche monatlich 205 Kronen (ca. acht Euro) pro Haushalt betragen, sollen voraussichtlich ab dem 1. Januar 2027, durch Zahlungen aus dem Staatshaushalt ersetzt werden. Dieser Schritt bedeutet nicht nur eine Umschichtung von einer Gebühr, hin zu einer Finanzierung aus Steuereinnahmen. Er ermöglicht es der Regierung, einen verstärkten Einfluss auf die Finanzierung und damit auf die Berichterstattung der Redaktionen zu nehmen. Die aktuelle Debatte über die geplanten Kürzungen der Geldmittel für das Medienportal Radio Prague International verdeutlicht die Problematik.
Ausstellung erinnert an die 90-jährige Geschichte des Senders
Am 31. August 1936 nahm der Auslandssender des damaligen Tschechoslowakischen Rundfunks seinen Betrieb auf – als Mittel der Kommunikation gegen die Propaganda aus Nazi-Deutschland. In der Jubiläumsausstellung anlässlich des 90. Geburtstags des Senders können Besucher in der Galerie Vinohradska 12 im Hauptgebäude des Tschechischen Rundfunks mehr über die Geschichte und Persönlichkeiten des Senders erfahren. „Die Besucher können auf Fotos die ersten Sender und Radiostudios der 1930er Jahre, der Kriegs- und Nachkriegszeit bis hin zur heutigen digitalen Redaktion betrachten. Zu sehen sind Original-Sendeskripte, Archivfotos der technischen Ausstattung und Beispiele für zeitgenössische Programmpläne in verschiedenen Sprachen“, erklärt die Chefredakteurin von Radio Prague International Klára Stejskalová. Neben den Exponaten sind auch QR-Codes angebracht, mittels derer die Besucher historische Aufnahmen anhören können. Die Ausstellung ist noch bis zum 26. März 2026 jeden Mittwoch und Donnerstag von 12 bis 18 Uhr geöffnet.
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