Premierminister Andrej Babiš unterstützt ein Verbot sozialer Netzwerke für Kinder unter 15 Jahren in Tschechien. Er verweist auf Experten, die vor erheblichen Risiken für die psychische Gesundheit von Kindern warnen. Bildungsminister Robert Plaga fordert eine EU-Lösung.

Soziale Netzwerke stehen zunehmend im Verdacht, psychische Belastungen bei Kindern und Jugendlichen zu verstärken und riskantes Verhalten zu begünstigen. In Tschechien hat die Debatte nun auch die Regierung erreicht: Innerhalb der Koalition wird ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 15 Jahren diskutiert, konkrete Schritte sind aber noch offen. Premierminister Andrej Babiš (ANO) kündigte an, ein Nutzungsverbot nach französischem Vorbild prüfen zu lassen. Auch internationale Organisationen sehen Handlungsbedarf, warnen jedoch vor einfachen Verboten.

Babiš sieht „dringenden Schutzbedarf“ für Kinder

In seiner sonntäglichen Ansprache auf X erklärte Babiš, er unterstütze ein Verbot für unter 15-Jährige, weil Plattformen wie Instagram oder TikTok nach Einschätzung von Experten „extrem schädlich“ für Minderjährige seien. Vizepremier Karel Havlíček (ANO) bestätigte, dass sich die Koalition ernsthaft mit einem entsprechenden Gesetzesvorschlag befasse und Gespräche mit Experten sowie Plattformbetreibern führe. International haben bereits mehrere Staaten Maßnahmen ergriffen, um Kinder vor sozialen Netzwerken zu schützen: Australien untersagt seit Dezember 2025 die Nutzung sozialer Medien für unter 16-Jährige, Frankreich beschloss im Januar ein Verbot für Kinder unter 15 Jahren. Ähnliche Einschränkungen werden auch in Dänemark, Spanien, Slowenien, der Türkei, Griechenland und Großbritannien diskutiert. 

Plaga fordert europäische Lösung

Der Europaabgeordnete Alexandr Vondra aus der oppositionellen ODS kritisiert ein nationales Verbot, wie es Premierminister Babiš in Betracht zieht. Er verstehe zwar die Motivation, sehe jedoch die Gefahr, dass ein solcher Eingriff das Grundrecht auf Privatsphäre verletzen könnte. Auch der tschechische Bildungsminister Robert Plaga (ANO) äußerte Bedenken über eine rein nationale Regelung. Ein wirksames Verbot müsse auf EU-Ebene verhandelt werden, da die Plattformen von internationalen Konzernen betrieben würden und technische Umgehungen ohne einheitliche Lösung leicht möglich seien. Die Mitgliedstaaten sollten gemeinsam mit den Betreibern verbindliche Schutzmechanismen entwickeln. Das Europäische Parlament hat die Mitgliedstaaten bereits zu Zugangsbeschränkungen für Kinder aufgefordert. Außerdem kündigte Plaga an, binnen eines Monats methodische Empfehlungen zur Einschränkung der Handynutzung in den Pausen vorzulegen. Schulen sollten Alternativen anbieten, statt lediglich zu verbieten.

Ein Social-Media-Verbot allein reicht nicht

Auch UNICEF warnte bereits, dass ein Verbot allein Kinder nicht automatisch schütze und sogar Nebenwirkungen haben könnte – etwa weil soziale Medien für junge Menschen auch Lern- und Austauschorte seien und ein Verbot isolierte Kinder zusätzlich benachteiligen könnte. Vertreterinnen und Vertreter von Kinderhilfsorganisationen merkten ebenfalls an, dass es – neben einer Altersgrenze – Medienbildung, stärkere Aufsicht der Eltern und klare Regeln zum Umgang mit Social Media in Schulen brauche. Bereits 2024 zeigten dem jüngsten Jahresbericht zur Suchtproblematik zufolge rund 30 Prozent der Kinder in Tschechien ein exzessives Nutzungsverhalten. Studien zufolge kann sich die Nutzung von sozialen Netzwerken besonders bei Jugendlichen zwischen elf und 15 Jahren negativ auf schulische Leistungen, Freizeitaktivitäten und sozialen Beziehungen auswirken. Kinderhilfsorganisationen verweisen auf steigende Fälle von Angststörungen, Schlafproblemen und Online-Mobbing.

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