Ab Januar 2026 wird der tschechische Mindestlohn um 1600 Kronen auf 22.400 Kronen brutto pro Monat erhöht. Damit bleibt der Anstieg unter den bisherigen Erwartungen, erreicht aber mit 43 Prozent des Durchschnittslohns den höchsten Anteil in der Geschichte des Landes.
Die Regierungskoalition will den Mindestlohn zum Jahreswechsel auf 43,4 Prozent des Durchschnittslohns anheben und anschließend schrittweise erhöhen. Nach aktueller Prognose des Finanzministeriums liegt der Durchschnittslohn 2026 bei etwa 51.500 Kronen (etwa 2098 Euro) – auf Basis dieser Zahl ergibt sich der neue Mindestlohn in Höhe von 22.400 Kronen (etwa 912 Euro). Ursprünglich hatte das Finanzministerium noch eine stärkere Erhöhung geplant: Ende Juli war von 22.600 Kronen (etwa 920 Euro) die Rede, letztlich fiel die Anhebung jedoch geringer aus.
Zuletzt wurde der Mindestlohn im Vorjahr auf 20.800 Kronen (etwa 847 Euro) erhöht. Etwa 118.000 Beschäftigte, rund drei Prozent der Erwerbstätigen in Tschechien, werden nach Angaben des Finanzministeriums von der Anpassung betroffen sein. Für sie steigt der Mindestlohn ab Januar um fast acht Prozent.
Automatische Berechnung führt zu politischer Diskussion
Seit diesem Jahr erfolgt die Mindestlohnberechnung automatisch, entsprechend eines im Herbst 2024 verabschiedeten Gesetzes. Dieses sieht vor, dass der Mindestlohn bis 2029 schrittweise auf 47 Prozent des Durchschnittslohns steigen soll. Arbeitsminister Marian Jurečka (KDU-ČSL) betonte, dass mit dem Lohnwachstum auch die Kaufkraft der Mindestlohnempfänger seit zwei Jahren deutlich wachse.
Während Regierungsvertreter die Erhöhung als Schritt in die richtige Richtung sehen, kritisiert die Opposition die Maßnahme als zu zögerlich. Vertreter von ANO, SPD und Gewerkschaften fordern eine deutlich stärkere Anhebung – teils auf bis zu 50 Prozent des Durchschnittslohns. „Nach unserem Vorschlag, den wir vorgelegt und durchgesetzt haben, würde der Mindestlohn nun um 3100 Kronen angehoben werden“, erklärte die stellvertretende Vorsitzende des Parlamentsausschusses für Sozialpolitik, Lucie Šafránková, von der SPD. Arbeitgeber begrüßen hingegen die festgelegte Berechnungsformel als vertretbaren Kompromiss.