Der Aufkleber an der Frontscheibe ist ab 2021 passé. Kaufen kann man die neue Plakette jetzt schon.

Wer im Sommer mit dem Auto ins südosteuropäische Ausland reiste, kam bisher immer mit einer ansehnlichen Sammlung von Aufklebern an der Frontscheibe zurück. Für die Fahrt auf der Autobahn musste in fast jedem Land eine Vignette gekauft werden. Ab dem neuen Jahr ist es nun eine Plakette weniger. Tschechien steigt auf die elektronische Vignette um.

„Die Zeit der Papierplakette ist nach 25 Jahren zu Ende“, stellte Verkehrsminister Karel Havlíček zum Verkaufsstart fest und hob die Vorteile des neuen Verfahrens für Autofahrer hervor. Vor allem entfällt das lästige Aufkleben und wieder Abkratzen. Der Kauf erfolgt ortsunabhängig bequem und einfach online oder per Smartphone und bei Bedarf bereits 90 Tage im voraus.

Onlineverkauf mit Tücken

Doch auch der Onlineverkauf hat seine Tücken, wie der erste Tag zeigte. Kurz nach Verkaufsbeginn brachen die Server zusammen. Die Webseite war danach erst wieder in den Abendstunden zu erreichen. „Darum haben wir ja so früh begonnen. Bis zum 1. Januar sind diese Kinderkrankheiten abgestellt“, versicherte Minister Havlíček. Noch am ersten Tag wurden 1500 Kupons verkauft. Ob es bis zum 1. Januar auch die geplante deutsche Sprachversion gibt, bleibt abzuwarten. Bisher ist sie nur in Tschechisch und Englisch verfügbar.

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Digital zum gleichen Preis. Der Verkauf der Plaketten läuft seit 1. Dezember über die Webseite dalnice.cz. Foto: Screenshot der Webseite dalnice.cz

Eine deutsche Version würde nicht nur den Komfort erhöhen, sondern auch mögliche Fehler minimieren. Gibt man nämlich sein Kennzeichen falsch ein und hat einen sofortigen Geltungsbeginn gewählt, hat man Pech und muss eine neue Vignette kaufen. Eine Änderung ist im Nachhinein nämlich nicht möglich. Liegt der Geltungsbeginn dagegen in der Zukunft, kann einmalig das Kennzeichen oder der Geltungsbeginn geändert werden.

Wer die Plakette nicht online kaufen möchte, kann sie in allen Filialen der Česká pošta sowie an 199 Tankstellen der staatlichen Kette EuroOil erwerben. Ab Neujahr kommen Automaten an den Grenzen hinzu. „In Zukunft sollen die Vignetten auch an nichtstaatlichen Tankstellen verkauft werden“, kündigte Lucie Bartáková, Direktorin des staatlichen Verkehrsinfrastrukturfonds, an.

Befreiung für ökologische Antriebe

Für den Kauf muss das Kraftfahrzeugkennzeichen angegeben werden. Wie die Papiervignette ist auch die digitale Version nicht übertragbar. Wie bisher wird es drei verschiedene Kupons geben: für zehn Tage, einen Monat und ein ganzes Jahr. Die Preise bleiben übrigens unverändert. Sie Plaketten kosten je nach Geltungsdauer 310 Kronen, 440 Kronen oder 1.500 Kronen, also umgerechnet rund 12,40 Euro, 17,60 Euro oder 60 Euro. Für Fahrzeuge mit einem Erdgasantrieb kostet die Plakette sogar neu nur die Hälfte. Autos mit Elektro- oder Wasserstoffantrieb sind ganz befreit. Die Befreiung muss allerdings schriftlich beantragt werden. Das Formular in deutscher Version kann auf der Webseite edalnice.cz heruntergeladen werden. Eine Bearbeitung erfolgt erst nach dem 1. Januar 2021. Neu ist, dass auch Inhaber einer Jahresvignette den Geltungsbeginn frei wählen können. Bestehende Jahresvignetten gelten aber noch bis Ende Januar 2021.

Ob sich der Übergang zur digitalen Plakette auch für den Staat auszahlt, bleibt noch abzuwarten. Kritiker verweisen darauf, dass eine automatische Ahndung der Fahrt ohne Kupon gesetzlich nicht möglich ist. Die Polizei will für die Kontrollen aber mehr Personal einstellen. Die Kontrollen erfolgen über die Kameras an den alten Mautbrücken sowie durch Streifen. Eine Fahrt ohne Vignette kann als Bußgeld umgerechnet bis zu 200 Euro kosten, im Verwaltungsverfahren sogar bis zu 4.000 Euro.