Foto: Kardinal Dominik Duka - Bild: Commons/Draceane

Der Prager Kardinal im Ruhestand, Miloslav Vlk, musste sich sichtbar auf die Zunge beißen, als er am Montag Abend im tschechischen Fernsehkanal ČT24 nach der Messe gefragt wurde, die sein Nachfolger im Amt, Dominik Duka, Ende vergangener Woche für Präsident Miloš Zeman und das „tschechische Vaterland" zelebriert hatte. Diese Messe hat in Tschechien gehörig Staub aufgewirbelt.

 

Foto: Konfetti in Landesfarben auf dem Boden nach dem Nationalfeiertag - Bild: LE/tra

Prags Polizeipräsident warnte 1846 in einer Depesche an die bei den Tschechen verhasste Wiener Regierung vor zunehmenden „unerwünschten politischen Umtrieben“ in der Moldaustadt: „Tschechische Nationalisten gründen in jedem Kaffeehaus Vereine und Vereinchen mit patriotischen Tendenzen. Es liegt im Interesse des Staates, scharf dagegen vorzugehen.“

Foto: Czernin Palais - Bild: Wikipedia/VitVit

Während der deutsche Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) am Donnerstagabend im öffentlich-rechtlichen Sender ZDF verbal handgreiflich gegen den slowakischen Europaabgeordneten Richard Sulík wurde, versuchte es sein Kabinettskollege, Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier, am Freitag in Prag mit diplomatischen Flötentönen.

 

Foto: St. Wenzel-Kirche in Letohrad - Bild: Wikipedia/Petr1888

Bischofskonferenz orientiert sich am Staat - der will keine Flüchtlinge.

Václav Vacek aus der katholischen Pfarrei im ostböhmischen Letohrad ist sauer auf seine Vorgesetzten. „Vom Flüchtlingsproblem wissen wir schon länger als ein Jahr. Auch über die Hilfe im Rahmen der Kirche reden wir schon lange, wollen unter anderem die Erfahrungen der Caritas nutzen. Wir warten, fragen, suchen, lösen die Probleme an der Basis. Aber unsere Bischöfe schweigen." 

 

Schild: "Unbefugten ist der Zutritt verboten!" - Bild: reklameobjekte.de

Die Tschechen wähnen sich national rein und fürchten alles Fremde.

Nein, dies soll ausdrücklich kein Artikel werden, der von den Problemen ablenken will, die die Deutschen zunehmend mit der wachsenden Zahl der Flüchtlinge haben, die nach Europa kommen. Das vornweg. Dies ist ein Artikel über die Tschechische Republik und die Ursachen der Probleme, die es dort gibt. Ähnlichkeiten vor allem mit dem Osten Deutschlands sind jedoch nicht ausgeschlossen. Ganz im Gegenteil. Wenngleich in Tschechien bislang keine Asylunterkunft gebrannt hat oder von Gegnern lautstark belagert wurde.

 

 

Foto: Prager Burg

Nein, so richtig glücklich können Tschechiens Katholiken nicht sein. Zwar sind seit Donnerstag letzter Woche die teilweise Jahrzehnte langen Streitigkeiten mit dem Staat über die Rückgabe des unter den Kommunisten „verstaatlichten" Eigentums auf dem Areal der Prager Burg zu den Akten gelegt. Doch die Kirche hatte sich nach der gesellschaftspolitischen „Wende" 1989 etwas anderes vorgestellt.

 

 

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Logo: ČSSD-Partei

Man kann über den Tagungsort, den einstigen Prager Kulturpalast, lästern, weil dort bislang nur die Kommunisten tagten. Und man muss nach zwei Tagen in einem Partei getreuen, grell orangefarben ausgekleideten Sitzungssaal womöglich auch einen Augenarzt aufsuchen. Doch dessen ungeachtet haben die regierenden tschechischen Sozialdemokraten dort am Wochenende einen guten Parteitag über die Runden gebracht.

 

Foto: Kreidetafel mit Aufschrift "Das böhmisch-mährische Hochland ruft: Komm zurück!" beim letzten Nationalfeiertag in Prag - Bild: LandesEcho/tra

Zwei Jahre thront Miloš Zeman jetzt auf der Prager Burg. Der selbst ernannte „Präsident der 10 Millionen kleinen Leute" hat sich in dieser Zeit vor allem einer Berufsgruppe gewidmet: regelmäßig watscht er die Journalisten ab. Damit begann er schon bei seiner Rede zur Einführung in sein Amt. Da nagte in ihm tief, dass die meisten der großen Prager Zeitungen im Wahlkampf ziemlich unverblümt seinem Widersacher Karel Schwarzenberg publizistisch die Daumen gedrückt hatten.

 

Foto: Kebab Imbiss in Brünn - Foto: tra

Nur Mut, möchte ich der Muslimischen Gemeinschaft in der Tschechischen Republik zurufen. Sie erwägt, Strafanzeige gegen den politischen Rechtsaußen des Landes, Tomio Okamura, zu stellen. Volksverhetzung und Aufstachelung zum Rassenhass könnte man ihm zur Last legen. Das ist ein Straftatbestand, bei dem es auch Okamuras Kollegen im Prager Abgeordnetenhaus schwerfallen dürfte, ihn mit seiner Immunität zu schützen und nicht an die Justiz auszuliefern - wenn man die Parlamentarier noch ernst nehmen soll.

 

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