In Supermärkten und im öffentlichen Personennahverkehr gilt ab Montag eine Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske. Geschäfte bleiben aufgrund der verschlechterten epidemiologischen Lage weiter geschlossen.

Die Corona-Infektionszahlen in Tschechien steigen weiter an. Verantwortlich dafür ist u.a. die rasante Ausbreitung der „britischen“ Coronavirus-Mutation. In einigen Regionen ist die um ein Vielfaches ansteckendere Virusvariante laut Gesundheitsminister Jan Blatný (parteilos, für ANO) bereits in 80 Prozent der Fälle nachweisbar, im Rest des Landes in etwa bei 40 Prozent. Darauf reagiert die tschechische Regierung nun mit einer FFP2-Maskenpflicht an Orten, an denen sich besonders viele Menschen konzentrieren, also in Supermärkten und im ÖPNV. „Verschiedene, selbst hergestellte Stoffmasken bieten keinen ausreichenden Schutz“, begründete Blatný. An den entsprechenden Orten sollen ab Montag nur noch FFP2-Masken, Atemschutzmasken der Klasse KN95 oder Nano-Masken getragen werden. Alternativ sei auch die Verwendung von zwei einfachen medizinischen Masken übereinander zulässig. Laut Blatný seien genug dieser Masken im Handel verfügbar. „Sollte es zu einer Knappheit kommen, dann werden wir das mit den zuständigen Ressorts lösen“, so Blatný.

Geschäfte bleiben geschlossen

Wirtschaftsminister Karel Havlíček (parteilos, für ANO) wollte auf der Kabinettssitzung am Freitagmorgen die Öffnung der Geschäfte vorschlagen. Diese hätten ab dem kommenden Montag unter verschärften Hygiene-Auflagen ihren Betrieb wiederaufnehmen sollen. Dazu wird es nun aber doch nicht kommen. „Die Pandemie-Situation ist nicht gut, die britische Virusmutation breitet sich weiter aus. In der Regierung haben wir deshalb entschieden, dass die geschlossenen Geschäfte zunächst nicht geöffnet werden sollen“, teilte Havlíček über Twitter mit. „In der kommenden Woche werde ich das Thema allerdings wieder öffnen und je nach dem epidemiologischen Stand weitere Schritte vorschlagen“, fügte er hinzu. Auch Premierminister Andrej Babiš hielt die Öffnung der Geschäfte für „keine gute Idee“.

Der Einzelhandel hatte sich in den vergangenen Tagen bereits auf die Öffnung vorbereitet. Für Tomáš Prouza, den Vorsitzenden des Handels- und Tourismusverbands kommt die Entscheidung der Regierung, die Geschäfte doch nicht zu öffnen, allerdings nicht überraschend. „Ich war vielmehr überrascht, dass Minister Havlíček in der sich verschlechternden Situation überhaupt mit dieser Initiative gekommen ist“, sagte Prouza im Tschechischen Fernsehen und fügte hinzu, dass die Vorbereitung der Geschäfte viele unnötige Ausgaben bedeutet hätten.

Babiš beendet Zusammenarbeit mit Ex-Gesundheitsminister Prymula

Für Schlagzeilen sorgte am Donnerstagabend der ehemalige Gesundheitsminister und epidemiologische Berater der Regierung, Roman Prymula. Dieser hatte sich am Donnerstag das UEFA-Championsleague-Spiel Slavia Prag vs. Leicester von der VIP-Tribüne aus angeschaut. Kurz zuvor hatte er noch eine Verschärfung des Lockdowns gefordert, etwa eine stärkere Einschränkung von persönlichen Kontakten oder der Bewegungsfreiheit. Premierminister Babiš beendete daraufhin die Zusammenarbeit mit Prymula. „Das geht nicht, dass er erst über den Lockdown spricht und dann zu einem Fußballspiel geht“, sagte Babiš gegenüber iDnes.cz. "Prymula ist ein ausgezeichneter Epidemiologe, aber seine soziale Intelligenz lässt zu wünschen übrig", so Babiš weiterhin. Prymula erwiderte, dass es nicht verboten gewesen sei. Außerdem sei er negativ getestet gewesen und habe auf der Tribüne eine FFP2-Maske getragen."Es scheint, als dürfe ich nur zuhause sein", beschwerte sich Prymula gegenüber der Tageszeitung Deník N.

Aktuell sind eigentlich keine Zuschauer bei Profispielen erlaubt. Nach Angaben des Vereinschefs von Slavia Prag, Jaroslav Tvrdík, sei im Rahmen eines "Pilotprojekts" die Anwesenheit einiger Zuschauer, die zuvor einen PCR-Test absolvieren mussten, erlaubt gewesen. Tvrdík entschuldigte sich aber auf Twitter und bezeichnete die Einladung von VIP-Gästen als „moralisches Versagen“. Neben Prymula waren bei dem Spiel u.a. auch der Chef des Tschechischen Fernsehens, Petr Dvořák, der Kanzler des Staatspräsidenten, Vratislav Mynář, und der Europaabgeordnete Alexandr Vondra (ANO) anwesend.

Für Roman Prymula war es nicht der erste mediale Fauxpas dieser Art. Etwa einen Monat nach seinem Amtsantritt als Gesundheitsminister wurde er während des von ihm selbst verantworteten Lockdowns in einem eigentlich geschlossenen Restaurant gesichtet und musste daraufhin von seinem Amt zurücktreten. Seitdem war er als epidemiologischer Berater der Regierung tätig.

Corona-Zahlen steigen weiter

Aktuell verzeichnet Tschechien einen deutlichen Anstieg der Corona-Neuinfektionen. Am Donnerstag meldeten die Behörden 11.553 Neuinfizierte, etwa 2.500 mehr als in der Vorwoche. Auch die Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter an und liegt aktuell bei 544. Die Zahl der wegen einer COVID-19-Erkrankung im Krankenhaus behandelten Personen ist ebenso in den letzten Tagen angestiegen und liegt derzeit bei 6.343, davon befinden sich 1.258 Patienten auf der Intensivstation, laut Angaben des Gesundheitsministeriums stehen aktuell noch 150 Intensivbetten für Corona-Patienten zur Verfügung. Gesundheitsminister Blatný sagte, dass man aktuell auch über die Errichtung provisorischer Krankenhäuser nachdenke. "Wenn das Gesundheitssystem in der Tschechischen Republik tatsächlich an seine Grenzen stößt, wäre es möglich, Partienten mit leichterem Krankheitscharakter in Einrichtungen unterzubringen, die nicht in erster Linie für die medizinische Versorgung vorgesehen sind", so Blatný. Das könnten beispielsweise auch Turnhallen sein, fügte er hinzu.

Seit Beginn der Pandemie sind in Tschechien 18.913 Menschen im Zusammenhang mit COVID-19 gestorben.