Seit 13 Jahren arbeitet Jitka Tůmová an einem Buch über die zwei Dörfer Limpach und Kaltenbach. Es ist fast fertig und erinnert an die einst deutschen Bewohner. Noch fehlt aber Geld für den Druck.

Was hat Jitka Tůmová nicht schon alles getan für die Dörfer Limpach (Lipnice) und Kaltenbach (Studený) bei Böhmisch Kamnitz (Česká Kamenice). Durch ihre Mithilfe gründete sich vor 13 Jahren der „Verein  unter dem Kaltenberg“. Er half, Wegkreuze zu restaurieren und wieder aufzustellen, sammelte Geld für die Erneuerung des Aussichtsturms auf dem Kaltenberg (Studenec), brachte ein Buch über die Region unter dem Studenec heraus und kümmert sich um die Wiederherstellung der alten Friedhöfe. Zuletzt wurde eine neue Holzbrücke über den Bach Kaltenbach (Studený potok) gebaut.

Glücksfall für die Vertriebenen

Vor allem aber knüpfte Tůmová Verbindungen zu den ehemaligen Bewohnern dieser Region. Das waren Deutsche, die nach 1945 aus ihrer Heimat vertrieben wurden. „Ich weiß, dass wir über dieses Thema nicht gerne sprechen und die Vertreibung lieber Abschiebung nennen. Für mich ändert sich damit nichts. Es sind beides negative Begriffe“, erzählt Tůmová und ergänzt: „Die Menschen von hier siedelten sich vor allem in Sachsen an.“ Dieser Kontakt zu den Alteingesessenen, von denen heute leider nur noch wenige leben, ist vielleicht die wertvollste Tat von Frau Tůmová. Und für die Vertriebenen ist sie wiederum ein Glücksfall. Denn, „ich habe ein Gedächtnis wie ein Elefant“, gesteht sie. Seit 1950 ist sie regelmäßig in Studený. „Anfangs fuhren wir hierher in ein Betriebsferienheim. Nachdem mein Vater die Arbeit gewechselt hatte, war er traurig darüber, nicht mehr hierher fahren zu können. Also kauften meine Eltern hier ein Wochenendhaus“, erinnert sich Tůmová an ihre Anfänge in dem kleinen Dorf.

Wegkreuz Studeny Foto Verein unter dem Kaltenberg web

Ein Wegkreuz in Kaltenbach, restauriert mit Hilfe des Vereins Spolek pod Studencem (Verein unter dem Kaltenberg). Foto: privat

Vor 13 Jahren fasste sie den Entschluss, all das, was sich in den Jahrzehnten in ihrem Gedächtnis angesammelt hat, aufzuschreiben. „Inzwischen sind über 500 Seiten daraus geworden“, sagt sie. Auch wenn das Buch zweisprachig, also deutsch und tschechisch, geschrieben ist, bleibt es ein beachtliches Werk. Denn es handelt „nur“ von den eingangs erwähnten zwei Dörfern Lipnice und Studený. Doch Jitka Tůmová befasst sich mit jedem einzelnen Haus und vor allem, dem Leben und Schicksal der Bewohner. „Ich habe 3.000 Fotografien gesammelt. Darauf sind auch viele dieser Bewohner abgebildet und ich kenne ihre Geschichten. Hier lebten keine Bonzen, sondern einfache Menschen und daran möchte ich erinnern“, erzählt sie.

Darunter sind auch die Fotografien ihres Vaters, eines leidenschaftlichen Fotografen. Nach dem Krieg waren die Häuser noch in einem relativ guten Zustand, standen noch alle Wegkreuze. Diese Fotos sind heute eine wertvolle Quelle zur Wiederherstellung dieser sakralen Denkmäler. „Ich erinnere mich, wie wir mit dem Porzellan- und Glasgeschirr, welches die Vertriebenen zurücklassen mussten, spielten“, sagt Tůmová. Und sie erinnert sich an die alte Mühle, die 1620, vor genau 400 Jahren, erstmals erwähnt und nach 1945 abgerissen wurde. „Heute steht hier leider ein ganz hässlicher Neubau.“

Das Buch, das im besten Fall noch vor Weihnachten erscheinen soll, hat sie vor allem für die früheren Bewohner, aber auch die jetzigen geschrieben. „Die meisten sind Wochenendhäusler und wissen nichts über die Geschichte. Leider wollen auch nicht alle etwas darüber wissen“, bedauert sie. Unterstützung für ihr Buch erhält sie dennoch, auch wenn auf den letzten Metern noch umgerechnet rund 2.000 Euro fehlen. Die versucht sie nun über einen Fonds der Bank ČSOB zu bekommen. Wer will, kann ihr dabei helfen. Es reicht auf diesem Link für das Projekt zu stimmen (hlasovat) und mit einer Mailadresse zu bestätigen. „Dieses Buch sind wir den früheren Bewohnern schuldig“, sagt Tůmová.