Mit einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung im Kaunitz-Studentenwohnheim ist am Montag der erste Sudetendeutsche Tag auf tschechischem Boden zu Ende gegangen. Künftig könnte die Veranstaltung regelmäßig zwischen Deutschland und Tschechien wechseln, wie der Vorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt, zum Abschluss des Sudetendeutschen Tags in Brünn vorschlug. 

Nach vier Tagen mit Diskussionen, Kulturveranstaltungen und politischen Debatten endete der erste Sudetendeutsche Tag in Tschechien am Montagvormittag mit einem stillen Gedenken. Im Kaunitz-Wohnheim in Brünn (Brno), das während der NS-Besatzung als Gefängnis und Hinrichtungsort diente, erinnerten deutsche und tschechische Teilnehmer an die Opfer der nationalsozialistischen Besatzung. Vertreter beider Seiten legten Blumen nieder und sprachen Gebete sowie Segenswünsche auf Deutsch und Tschechisch. 

In diesem Rahmen sprach Posselt auch über die Zukunft des Treffens und brachte zudem die Idee ins Gespräch, den Sudetendeutschen Tag künftig abwechselnd in Bayern und Tschechien auszurichten. Ihm zufolge hätten bereits mehrere tschechische Städte Interesse signalisiert, den Kongress künftig auszurichten. Als Beispiel nannte er Eger (Cheb). Für das kommende Jahr ist bereits Nürnberg als Veranstaltungsort vorgesehen.

Brünn als „historischer Durchbruch“

Posselt bezeichnete den Sudetendeutschen Tag in Brünn als „ein großes Fest der Freundschaft und Versöhnung“. Besonders hob er die offene Diskussion über die gemeinsame Geschichte, über NS-Verbrechen und die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg hervor. Das Treffen habe nach seiner Einschätzung auch einen „therapeutischen Wert“ gehabt. 

In einer Erklärung nach dem Ende des Sudetendeutschen Tags sprach die Landsmannschaft von einem „historischen Durchbruch“. Was lange undenkbar erschien, sei mit dem ersten Treffen auf tschechischem Boden Realität geworden. Brünn sei zu einem Ort geworden, an dem sich Sudetendeutsche und Tschechen gemeinsam für die Völkerverständigung und ein vereintes Europa einsetzten.

Wendepunkt trotz Protesten

Begleitet wurde die Veranstaltung am Kaunitz-Wohnheim erneut von Protesten, doch die Organisatoren des Festivals Meeting Brno, das die Sudetendeutschen nach Brünn eingeladen hatte, bewerteten den Verlauf des Wochenendes dennoch positiv. Mitgründer David Macek sprach davon, dass die Veranstaltung vielen Menschen erstmals die Gelegenheit gegeben habe, den heutigen Sudetendeutschen direkt zu begegnen und sich ein eigenes Bild zu machen. Die Geschäftsführerin des Festivals, Veronika Smyslová, verwies auf die große Diskrepanz zwischen den aufgeheizten Debatten in sozialen Netzwerken und der tatsächlichen Atmosphäre vor Ort. Trotz der emotionalen Diskussionen im Vorfeld habe sich während des Wochenendes gezeigt, dass persönliche Begegnungen oft deutlich konstruktiver verlaufen seien.

Auch Experten der Karls-Universität sehen in den diesjährigen Sudetendeutschen Tagen einen möglichen Wendepunkt. Die Historikerin Zuzana Lizcová bezeichnete die Veranstaltung als Zeichen dafür, dass sich das Treffen zunehmend zu einer Plattform für deutsch-tschechischen Dialog und zivilgesellschaftliche Begegnungen entwickle. Ähnlich äußerte sich der Historiker Miroslav Kunštát. Nach seiner Einschätzung entferne sich der Sudetendeutsche Tag immer stärker von früheren politischen Massenveranstaltungen und entwickle sich zu einem offeneren Forum für Austausch, gemeinsame Erinnerungskultur und neue Kontakte zwischen Deutschen und Tschechen.

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