Um die Pressefreiheit ist es im weltweiten Durchschnitt so schlecht bestellt wie noch nie. Ein Negativtrend, der auch vor Deutschland und Tschechien nicht halt macht.
Die Pressefreiheit befindet sich auf dem niedrigsten Stand seit 25 Jahren. Zum ersten Mal in der Geschichte der Analyse fallen über die Hälfte der untersuchten Länder in die Kategorien „schwierig“ oder „sehr ernst“. Im Jahr 2002 lag dieser Anteil noch bei 13,7 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt der Bericht der internationalen Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen (RSF). Die Umfrage, welche seit 2002 durchgeführt wird, ermittelt anhand wirtschaftlicher, juristischer, sicherheitspolitischer, politischer und sozialer Indikatoren die Situation der Pressefreiheit weltweit.
Freie Medien unter finanziellen Druck
Tschechien ist im Vergleich zum Vorjahr um einen Platz auf Rang elf abgerutscht. „Das tschechische Ergebnis wurde durch verbale Angriffe und Hasskommentare gegen die Journalistinnen Zdislava Pokorná und Apolena Rychlíková beeinträchtigt“, erklärte Pavol Szalai von Reporter ohne Grenzen auf der Pressekonferenz. Die meisten Angriffe erfolgen dabei verbal und anonym auf den sozialen Netzwerken.
Laut RSF sei der freie Zugang zu Informationen in Tschechien gesetzlich garantiert. Die Medienlandschaft sei geprägt durch eine starke Konzentration der Medienhäuser sowie dem Aufstieg unabhängiger Medien. Da es keine staatlichen Förderungen gibt, staatliche Werbung intransparent vergeben wird, sind private Medien jedoch zunehmend darauf angewiesen, ihre Inhalte direkt zu monetarisieren.
Das Ansehen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten stuft RSF als hoch ein. Wichtig hierbei zu erwähnen ist, dass die Daten zwischen Februar 2025 und Februar 2026 erhoben wurden. Daher wurde der Vorschlag zur Abschaffung der Rundfunkgebühren für das Tschechische Fernsehen (ČT) und den Tschechischen Rundfunk (ČRo) durch die aktuelle Regierungskoalition nicht berücksichtigt.
Deutschland rutscht weiter ab
Auch Deutschland ist im diesjährigen Ranking erneut abgerutscht. Die Bundesrepublik liegt nur noch auf Platz 14 und damit drei Ränge hinter dem Vorjahresergebnis. Viele Reporter nehmen die Delegitimierung ihrer Arbeit als große Bedrohung wahr. Besonders durch das Internet ist die Menge an Hass, Desinformation und Polarisierung in den vergangenen Jahren angestiegen. Mit 55 Angriffen auf Journalisten ist die Zahl im vergangenen Jahr zwar gesunken, hinzu kommt jedoch eine hohe Dunkelziffer aufgrund fehlender Zeugen. So berichten etwa zwei Drittel der befragten Lokaljournalisten in Sachsen und Thüringen von körperlichen Angriffen, bis hin zu an die Privatadresse verschickten Gewalt- und Morddrohungen.
Von den fünf Indikatoren, die zur Beurteilung der Pressefreiheit herangezogen werden, hat der rechtliche Rahmen in diesem Jahr den stärksten Rückgang verzeichnet: In über 60 Prozent der Staaten – 110 von 180 – verschlechterte sich dieser Wert zwischen 2025 und 2026. In Deutschland konnte eine Einschränkung der rechtlichen Lage zwar nicht festgestellt werden. Dennoch blieben laut RSF Lücken. So sei die EU-Richtlinie gegen Einschüchterungsklagen in Deutschland noch nicht umgesetzt worden. Weitere Lücken bleiben in der Finanzierung der Medien. Trotz klarer Ankündigungen im Koalitionsvertrag gebe es weiterhin keine steuerliche Anerkennung von Non-Profit-Journalismus.
Die größte Medienfreiheit genießt in diesem Jahr zum zehnten Mal in Folge Norwegen, gefolgt von Dänemark und Irland. Nach dem Sturz Assads ist die Pressefreiheit in Syrien in diesem Jahr am stärksten angestiegen. Die lateinamerikanischen Länder, insbesondere Ecuador und Peru, verzeichneten hingegen eine deutliche Verschlechterung. Die letzten Plätze der Liste belegen Nordkorea, Vietnam, China, und Eritrea.

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