Am Sonntag fand in der 02-Arena in Prag das letzte Spiel der Playoff-Qualifikation zwischen dem HC Sparta Praha und dem HC Rytíři Kladno statt. Die Ritter aus Kladno konnten den Sieg schon spüren, doch dann schlugen die Spartaner eiskalt zurück.

Es ist Sonntag, der 15. März, um 14.45 Uhr. Die 02-Arena in Prag ist mit über 17.000 Besuchern fast komplett ausverkauft. Binnen sieben Tagen treffen der HC Sparta Praha und HC Rytíři Kladno bereits zum fünften Mal aufeinander. Die bisherige Bilanz der Serie ist ausgeglichen: Nachdem Kladno den Auftakt mit 2:1 gewann, schlug Sparta vor heimischer Kulisse mit 3:2 zurück. Das erste Gastspiel in Kladno entschieden die „Ritter“, wie Kladnos Spieler genannt werden, mit 2:1 für sich, bevor Sparta die vierte Begegnung deutlich mit 5:2 dominierte. Damit ist vor dem alles entscheidenden fünften Duell wieder alles offen. Heute entscheidet sich, welches Team ins Viertelfinale einzieht, um weiter um die Meisterschaft zu kämpfen, und für wen die Saison beendet ist. Die Atmosphäre ist angespannt. 

David gegen Goliath

Die Heimmannschaft, der HC Sparta Praha, geht als Favorit in das Spiel, obwohl die Mannschaft in der regulären Spielzeit, nach 52 Spieltagen, nur Platz sieben von 14 der Liga belegte. Während sich die ersten vier Mannschaften der Ligaphase direkt für das Viertelfinale qualifizierten, müssen die acht Mannschaften zwischen dem fünften und zwölften Rang, in einer Zwischenrunde die verbleibenden vier Plätze untereinander ausspielen. In der Qualifikationsrunde werden die vier Paarungen im Best-of-Five-Modus ausgetragen. Jene Mannschaft, die als erste drei Siege einfährt, zieht in die nächste Runde ein.

In den vergangenen fünf Jahren war der Verein aus Prag Stammgast in den Playoffs. Dabei gewann das Team dreimal die Bronzemedaille und einmal die Silbermedaille. Der letzte Meisterschaftstitel der Extraliga, der ersten tschechischen Eishockeyliga, konnte das Team im Jahr 2007 gewinnen. Der HC Rytíři Kladno, welcher in den 70er Jahren mehrere Meisterschaften gewinnen konnte, war in den vergangenen Jahren eher als „Fahrstuhlmannschaft“ bekannt. Anfang 2025 verkaufte die tschechische Eishockeylegende Jaromír Jágr den Hauptteil seiner Anteile seines Heimatvereins an den Unternehmer Tomáš Drastil. Durch Umstrukturierungen in der Führungsebene sowie in der Mannschaft schafften die Ritter aus Kladno, sich in diesem Jahr über den zehnten Platz der regulären Saison die erste Teilnahme an der K.o.-Runde seit 13 Jahren zu ermöglichen.

Sparta geht voran, Kladno legt nach

Nach einer Tanzeinlage der Praguestars, der Cheerleadergruppe der HC Sparta samt Lichtshow und Pyrotechnik werden die Spieler der Heimmannschaft begrüßt. Die Fankurve der Spartaner schwenken Fahnen in den Vereinsfarben rot, gelb und blau. Immer wieder ertönen Fangesänge, meist das typische „Sparta Praha“, welche nur durch Techno-Musikeinspieler oder DJ Ötzis Version von Sweet-Caroline übertönt werden.

Beide Mannschaften spielen von Anfang an eher verhalten. Das Powerplay, das Spielen in Überzahl aufgrund einer Zeitstrafe für das gegnerische Team, können beide Teams im ersten 20-minütigen Drittel nicht nutzen. Nach der etwa 20-minütigen Pause, in welcher die Besucher in den zahlreichen Verkaufsständen im Stadion Hot Dogs, Klobása Wurst mit Brot, Pommes oder Bier und Merchandise des Vereins kaufen konnten, dauert es dann nur 33 Sekunden, bis Roman Horák den Schuss seines Spartaner Teamkollegen zur 1:0-Führung ins Kladnoer Tor abfälscht. Nur 7 Minuten später sind es dann die Ritter aus Kladno, welche ihr Überzahlspiel zum zwischenzeitlichen 1:1 durch Daniel Audette nutzen können. 

Der Kampf geht weiter

Im dritten Drittel, in der 52. Minute, dann der Aufreger des Spiels: Nachdem der Sparta-Torwart zunächst den Schuss des Kladnoer Spielers pariert, springt der Puck gegen den Schlittschuh des vor ihm stehenden Kladnoer Procházka und von da aus ins Tor – Kladno jubelt, die Fans sowie Spieler der HC Sparta protestieren. Nach langer Überprüfung geben die Schiedsrichter das Tor. Der Kontakt des Schlittschuh mit dem Puck war ihrer Ansicht nach keine Absicht – es steht 2:1, sieben Minuten vor Schluss. 

Die Fankurve der Ritter aus Kladno eskaliert – nach einem kurzen Moment der Ernüchterung ist dann auch die Fankurve der Spartaner wieder am Start und feuert die Mannschaft an  – mit Erfolg. Drei Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit geht Sparta ohne einen Torwart auf dem Feld das Risiko ein und wird kurz darauf mit dem Ausgleich durch Devin Shore belohnt. 

Und somit geht es in die vierte Verlängerung dieser Serie. In dieser können die Spartaner endgültig die Kontrolle über das Spiel übernehmen. In der 77. Minute ist es dann ein Schuss von Filip Chlapík, der dem Kladnoer Keeper Brízgala durch die Hände flutscht zum 3:2-Endstand. Nach über drei Stunden ist der Kampf schließlich entschieden. 

Ein Ende für einen Neuanfang

Für die Ritter aus Kladno ist die Saison nun beendet. Für die in Kladno geborene tschechische Eishockey-Legende Jaromír Jágr war dies auch die letzte Saison. Der 54-Jährige kehrte 2018 aus der NHL, der amerikanischen Eishockeyliga, zurück zu seinem Heimatverein. Sein letztes Spiel bestritt er im Dezember, wobei er sich verletzte. Bereits im Februar kündigte er sein Karriereende in einem Video auf Instagram an.

Für die Spartaner heißt es aufatmen – der Titel ist immer noch möglich. Im Viertelfinale geht es ab dem 18. März in maximal sieben Spielen, d.h. bis eine Mannschaft vier Siege hat, gegen den zweitplatzierten der Ligaphase, den HC Škoda Plzeň. Das erste Spiel konnte die Spartaner bereits gestern mit 2:0 für sich entscheiden. Die weiteren Paarungen sind: Dynamo Pardubice vs. HC Kometa Brno; Bílí Tygři Liberec vs. Energie Karlovy Vary; Mountfield HK vs. Oceláři Třinec. 

Die Tickets für die Spiele des HC Sparta sind über die Seite ticketportal.cz verfügbar. Die Preise starten bei 190 Kronen (ca. 7,70 Euro). Aktuell sind noch wenige Tickets für die kommenden Spiele am 22. sowie am 23. März in Prag verfügbar. Ein Teil der Spiele kann über den öffentlich-rechtlichen Sportsender ČT Sport live oder im Nachhinein angeschaut werden. Hierbei ist es jedoch in Deutschland nötig, eine VPN-Verbindung zu verwenden, um das Geoblocking zu umgehen. Alle Spiele können beim treaminganbieter Oneplay, welcher Tagespässe und Abo-Modelle anbietet.

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