Die tschechische Regierung plant, das Energieunternehmen ČEZ zu verstaatlichen.
Die tschechische Regierung plant, das Energieunternehmen ČEZ zu verstaatlichen. Credit: VitVit, BB Centrum ČEZ 5, CC BY-SA 4.0

Die tschechische Regierung will noch in diesem Jahr erste Schritte zur vollständigen Verstaatlichung des Energieunternehmens ČEZ einleiten. Auf der Hauptversammlung im Juni sollen zentrale Beschlüsse gefasst werden. 

Die Verstaatlichung des Energieunternehmens ČEZ soll laut Premierminister Andrej Babiš (ANO) in diesem Jahr beginnen. Die tschechische Regierung plant, auf der Hauptversammlung des Unternehmens im Juni erste vorbereitende Schritte umzusetzen. In der Programmerklärung der aktuellen Koalition – bestehend aus ANO, SPD und Motoristen – ist die vollständige Kontrolle über ČEZ vorgesehen.

Babiš kündigte bereits im Januar an, dass der Prozess etwa anderthalb bis zwei Jahre dauern könnte und die Verstaatlichung bis zum Ende der Wahlperiode im Jahr 2029 finalisiert werden soll. Nach Angaben des Tschechischen Rundfunks erhofft sich der Premier eine stärkere Kontrolle über die Energiepreise sowie Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung. 

Kosten auf 250 Milliarden Kronen geschätzt

Der Staat hält derzeit rund 70 Prozent der Anteile an ČEZ, während sich die restlichen 30 Prozent im Besitz privater Aktionäre befinden. Diese Anteile will die tschechische Regierung aufkaufen, um alleiniger Eigentümer zu werden. Industrieminister Karel Havlíček (ANO) schätzt  die Kosten auf rund 250 Milliarden Kronen (ca.10 Milliarden Euro), wobei der tatsächliche Preis vom Aktienkurs abhängt. 

Zugleich verspricht Havlíček, dass weder das Unternehmen noch der Staatshaushalt grundlegend belastet werden sollen. Das in Prag notierte Unternehmen ČEZ erzielte im vergangenen Jahr einen Gewinn von 27,4 Milliarden Kronen, rund 1,7 Milliarden Kronen weniger als im Vorjahr. 

ČEZ plant Gründung eines Tochterunternehmens

Parallel dazu arbeitet ČEZ an einer internen Umstrukturierung. Laut einer Pressemitteilung vom 23. April. plant das Unternehmen die Gründung eines Tochterunternehmens, in das ausgewählte Geschäftsbereiche ausgelagert werden sollen. ČEZ will 51 Prozent der Anteile behalten und den Rest Investoren anbieten. Die Einnahmen aus diesem Verkauf sollen einen späteren Rückkauf der privaten Anteile vereinfachen. Über diese Schritte soll auf der Hauptversammlung im Juni abgestimmt werden.

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