Jahrzehntelang lagerte eine kleine Elfenbeinstatuette des Jesuskindes unbeachtet im Depot des Stadtmuseums von Böhmisch Trübau (Česká Třebová) und sollte sogar ausgesondert werden. Erst eine Restaurierung offenbarte ihren Wert: Die rund 400 Jahre alte Figur könnte aus derselben Werkstatt wie das berühmte Salzburger Jesuskind stammen.

Die Statuette gelangte bereits 1897 in die Sammlung des Museums. Damals hatte eine ortsansässige Kaufmannsfamilie sie dem Museumsgründer und damaligen Verwalter Jan Tykač überlassen. Die Familie hielt die Figur offenbar für wertlos und wollte sie ursprünglich sogar wegwerfen. Auch im Museum blieb ihr tatsächlicher Wert lange unbekannt.

Erst nach dem Jahr 2000 stieß Museumsdirektorin Jana Voleská bei der Inventarisierung auf die Figur. Sie lag zusammen mit anderen Gegenständen in einer Kiste und war als „ausgesondert, wegwerfen“ gekennzeichnet. Wegen des wertvollen Materials entschied sich Voleská jedoch gegen eine Aussonderung. Bei der Räumung des Depots wurde die Statuette schließlich 2024 restauriert.

Verbindung zum Salzburger Jesuskind

Dabei ergaben sich neue Hinweise auf ihre Entstehungszeit. Anhand der für die Figur charakteristischen Schnitztechnik kamen die Fachleute zu dem Schluss, dass sie wahrscheinlich aus derselben Werkstatt oder sogar vom selben Künstler wie das berühmte Salzburger Jesuskind stammt. Damit lässt sich ihre Entstehung nicht mehr, wie ursprünglich angenommen, auf das 18. oder 19. Jahrhundert datieren. Stattdessen dürfte sie in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gefertigt worden sein.

Die Herkunft der Statuette vor ihrer Aufnahme in die Museumssammlung ist allerdings nicht bekannt. Sicher ist dagegen, dass sie aus Elfenbein besteht und mit einer aufwendigen Ausstattung versehen ist. Das Jesuskind trägt ein mit farbigen Glasperlen verziertes Spitzenkleid, dessen Ursprung vermutlich ebenfalls im 17. Jahrhundert liegt. Krone und Kreuz bestehen aus vergoldetem Draht. Der originale Holz-Glaskasten, in dem die Figur ins Museum kam, ist vermutlich jünger, aber ebenfalls mehrere Jahrhunderte alt.

Vom Depot in die Kirche

Nach Angaben Voleskás besitzt die Statuette vor allem einen hohen künstlerischen Wert. Ihr historischer Wert sei dagegen geringer als jener des Salzburger Jesuskindes, das Gläubige bereits seit Jahrhunderten anbeten. Elfenbeinstatuetten dieser Art wurden für den Luxusmarkt hergestellt und entstanden nicht nur in europäischen Städten, sondern auch in Regionen wie Indien und China, wo christliche Missionare tätig waren. Die Figur aus Böhmisch Trübau weist nach Einschätzung des Museums allerdings keine Merkmale auf, die auf eine außereuropäische Herstellung schließen lassen.

Heute wird das Jesuskind nicht mehr im Depot aufbewahrt. Die Statuette ist in einer speziellen Vitrine in der St.-Jakobs-Kirche in Böhmisch Trübau zu sehen. Während der Sommerferien kann die Statuette sonntags ab 15 Uhr im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

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