Rund 500 Teilnehmer versammelten sich am Brünner Hauptbahnhof zum Gedenken an die Opfer des Holocaust. Begleitet wurde die Veranstaltung von Protesten gegen den Sudetendeutschen Tag.
Mit einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Holocaust haben am Donnerstag in Brünn (Brno) sowohl das Festival Meeting Brno als auch der erstmals in Tschechien stattfindende Sudetendeutsche Tag begonnen. Rund 500 Menschen versammelten sich am fünften Bahnsteig des Hauptbahnhofs, von dem während der deutschen Besatzung jüdische Transporte in die Konzentrationslager abfuhren. Nach Angaben der Polizei nahmen auch etwa 100 Gegendemonstranten an der Veranstaltung teil.
Auch Winton-Kinder unter den Teilnehmern
Zu den Teilnehmern gehörten Vertreter der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Überlebende des Holocaust sowie zwei von den sogenannten Winton-Kindern: Eva Paddocková und Milena Grenfell-Bainesová. Sie waren als Kinder von dem Briten Sir Nicholas Winton vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten gerettet worden. Auch dessen Sohn Nick Winton nahm an der Gedenkveranstaltung teil. Die beiden Zeitzeuginnen betonten die Bedeutung von Dialog und Begegnung und erklärten, sie unterstützten ausdrücklich die Einladung der Sudetendeutschen nach Brünn.
Der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, bezeichnete die Verbrechen des Nationalsozialismus als „das schlimmste Verbrechen der Geschichte“. Er sprach sich für ein geeintes Europa aus, verurteilte Nationalismus und warb dafür, Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen. Als einige Demonstranten seine Rede mit Pfiffen begleiteten, erklärte Posselt, dies sei ihr gutes demokratisches Recht. Freiheit gelte auch für Menschen mit anderen Ansichten.
Proteste gegen den Sudetendeutschen Tag
Die Demonstranten führten tschechische Fahnen und Transparente mit Aufschriften wie „Hände weg von den Beneš-Dekreten“ oder „Gegen die Landsmannschaft“ mit sich. Zeitweise standen Teilnehmer der Gedenkveranstaltung und Protestierende einander gegenüber, größere Zwischenfälle blieben jedoch aus. Die Polizei setzte ein Antikonflikt-Team ein.
Meeting Brno findet in diesem Jahr zum elften Mal statt und umfasst mehr als 40 Veranstaltungen. Das Festival widmet sich der Aufarbeitung historischer Konflikte, der Förderung von Minderheiten sowie den deutsch-tschechischen und österreichisch-tschechischen Beziehungen. Die Organisatoren hatten die Sudetendeutsche Landsmannschaft eingeladen, ihr traditionelles Pfingsttreffen erstmals in Tschechien zu veranstalten.
In den kommenden Tagen stehen unter anderem ein Begegnungsfest auf dem Mährischen Platz, der Versöhnungsmarsch von Pohrlitz (Pohořelice) nach Brünn sowie die Hauptveranstaltungen des Sudetendeutschen Tags auf dem Brünner Messegelände auf dem Programm.
Das Programm des 76. Sudetendeutschen Tags in Brünn finden Sie hier.
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