Am Dienstagabend versammelten sich mehrere tausend Menschen in Prag, um ihre Solidarität mit den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten auszudrücken. Der Protestmarsch führte durch die Prager Innenstadt und endete vor dem Gebäude des Tschechischen Rundfunks. 

Am gestrigen Dienstag, den 5. Mai 2026 versammelten sich mehrere tausend Menschen in Prag, um gegen die von der Regierung geplante Abschaffung der Rundfunkgebühren zu demonstrieren. Aufgerufen zum Protestmarsch hatte die Organisation Milion chvilek pro demokracii  (Eine Million Momente für die Demokratie). 

Gemeinsam für die Freiheit der Medien

Die Kundgebung „Hände weg von den Medien“ startete um 17.30 Uhr vor dem Altstädter Rathaus. Mikuláš Minář, Vorsitzender des Vereins, und Mariana Novotná Nachtigallová, forderten in ihren Reden den Rückzug des Gesetzentwurfs zur „Verstaatlichung der öffentlich-rechtlichen Medien“ und ein Ende der Versuche seitens der Regierung, das Tschechische Fernsehen und den Tschechischen Rundfunk politisch zu kontrollieren.

Laut dem im April vorgestellten Gesetzentwurf plant die Regierung, die Rundfunkgebühren für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk im kommenden Jahr abzuschaffen. Stattdessen sollen das Tschechische Fernsehen (Česká televize, ČT) sowie der Tschechische Rundfunk (Český rozhlas, ČRo) aus dem Staatshaushalt sowie über Werbeeinnahmen finanziert werden. Aufgrund der geplanten Kürzungen in Höhe von über 15 Prozent müssten in Zukunft Sendungen eingestellt und Mitarbeiter entlassen werden.

Die Veranstalter des Protests erinnerten zudem an die historische Bedeutung des Tschechischen Rundfunks. So haben die Medienhäuser etwa bei der sowjetischen Besatzung 1968 und dem Ende des sozialistischen Regimes 1989 „auch die Rolle der Stimme des Widerstands und des Kampfes für die Freiheit“ übernommen.

Protestmarsch quer durch die Stadt

Kurz nach 18 Uhr setzte sich die Versammlung vom Altstädter Ring in Richtung des Tschechischen Rundfunks in Bewegung. Die Route führte über die Straßen Celetná, Hybernská, Seifertova und Italská. Aufgrund der hohen Anzahl an Demonstranten sperrte die Polizei die Straßen zeitweise ab. 

Die Menschenmengen riefen in Sprechchören „Wir geben die Medien nicht auf“ und forderten Passanten auf mitzukommen. Laut Polizeisprecher Jan Rybanský verlief die Veranstaltung ohne Störungen der öffentlichen Ordnung. 

Der Demonstrationszug erreichte das Gebäude des Tschechischen Rundfunks gegen 19.15 Uhr. Von den Fenstern und Balkonen winkten die Mitarbeiter des Tschechischen Rundfunks den Demonstranten zu und bedankten sich mit Plakaten für die Unterstützung. Auch der Vorsitzende des Streikkomitees des Tschechischen Rundfunks, Jan Křemen, dankte den Menschen in einer Rede. Zum Abschluss der Versammlung wurde die Nationalhymne gesungen.

Wie geht es nun weiter?

Vor zwei Wochen hatten die Gewerkschaften des Tschechischen Fernsehens und des Tschechischen Rundfunks einen unbefristeten Streik ausgerufen. Laut einer Erklärung des Kulturministeriums konnte bei einem Gespräch am Dienstag zwischen den Gewerkschaftsvertretern und Kulturminister Oto Klempíř (Motoristen) in mehreren Kernpunkten eine Einigung über die Ausgestaltung des Vorschlags erzielt werden. Der Vorsitzende des Streikkomitees, Jan Křemen, dementierte dies. Die Gewerkschaften bestünden weiterhin auf der Beibehaltung der bestehenden Finanzierung von Radio und Fernsehen, so Křemen. 

Der Verein Eine Millionen Momente für die Demokratie kündigte weitere Protestmärsche in zwölf Städten für Sonntag, den 17. Mai, um 17 Uhr an. Eine Woche darauf, am 24. Mai, plant die Organisation eine weitere Demonstration in Prag vor dem Sitz der Regierung. 


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