Mehr als ein Jahrhundert nach seiner Entfernung soll das Denkmal für Feldmarschall Josef Wenzel Radetzky von Radetz wieder auf die Prager Kleinseite zurückkehren. Der Stadtrat hat beschlossen, die Rückkehr der Statue auf den Kleinseitner Ring vorzubereiten und dafür Verhandlungen mit dem Kulturministerium aufzunehmen.
Die tschechische Hauptstadt plant die Wiederaufstellung eines der bekanntesten Denkmäler aus der Zeit der Habsburgermonarchie. Das Monument für den aus Böhmen stammenden Feldmarschall Radetzky stand ursprünglich auf dem Kleinseitner Ring (Malostranské náměstí), wurde jedoch nach der Gründung der unabhängigen Tschechoslowakei 1918 entfernt.
Nach Angaben der Stadtverwaltung soll die Rückkehr des Denkmals nicht nur einen historischen Bestandteil des Prager Stadtbildes wiederherstellen, sondern auch an eine Persönlichkeit erinnern, die in der tschechischen Geschichte des 19. Jahrhunderts eine wichtige Rolle spielte. Stadtrat Tomáš Slabihoudek (TOP 09) bezeichnete das Denkmal als bedeutendes Kunstwerk und Teil der Prager Geschichte.
Prag prüft Rückgabe des Originals
Die Stadt möchte zunächst prüfen, ob das Original aus den Sammlungen des Nationalmuseums zurückkehren kann. Die Statue befindet sich derzeit im Lapidarium des Nationalmuseums. Prag will deshalb das Kulturministerium um die Herausgabe oder eine langfristige Leihgabe bitten.
Alternativ könnte eine originalgetreue Kopie angefertigt werden, während das Original weiterhin im Museum verbleibt. Welche Variante umgesetzt wird, soll nach einer Bewertung restauratorischer, technischer, denkmalpflegerischer und wirtschaftlicher Aspekte entschieden werden. Die Kosten für das Projekt werden derzeit auf 15 bis 30 Millionen Kronen (bis zu 1,2 Millionen Euro) geschätzt. Die endgültige Summe hängt unter anderem vom Umfang der Restaurierung, der Gestaltung der Umgebung und der Rekonstruktion des Sockels ab.
Rückkehr mit neuer Einordnung
Eine Rückkehr an den exakten ursprünglichen Standort ist nach Angaben der Stadt nicht möglich. Die heutige Verkehrsführung und die Straßenbahntrasse auf dem Platz ließen dies nicht zu. Gemeinsam mit Fachleuten aus den Bereichen Stadtplanung, Architektur und Denkmalpflege wurde deshalb bereits ein alternativer Standort im oberen Bereich des Platzes vorgeschlagen.

Radetzky zählt zu den bekanntesten Militärführern der Habsburgermonarchie. Er kämpfte unter anderem gegen Napoleon und war an der Völkerschlacht bei Leipzig beteiligt. Internationale Bekanntheit erlangte er später als Oberbefehlshaber in Norditalien während der Revolutionsjahre 1848 und 1849.
Sollte das Denkmal zurückkehren, plant die Stadt begleitende Informationstafeln. Diese sollen die historische Rolle Radetzkys sowie die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des Denkmals einordnen. Auch die italienische Botschaft wurde nach Angaben der Stadt bereits informiert und hat gegen die Rückkehr des Monuments keine Einwände erhoben.




