Blick in die Dauerausstellung des National Czech and Slovak Museum in Cedar Rapids.
Blick in die Dauerausstellung des National Czech and Slovak Museum in Cedar Rapids. Credit: National Czech & Sloval Museum & Library

Millionen Amerikaner haben tschechische oder slowakische Wurzeln. In Cedar Rapids im Bundesstaat Iowa zeigt ein einzigartiges Museum, wie Einwanderer aus Böhmen, Mähren und der Slowakei die Vereinigten Staaten mitgeprägt haben. 

„In diesem Jahr der 250. Gründung der Vereinigten Staaten stellen wir unsere Arbeit im Museum und in unserer Bibliothek unter das Motto: Amerika 250 – Tschechische und Slowakische Spuren überall in Amerika!“, erzählt Cecilia Rokusek. Sie ist Direktorin des Nationalen Tschechisch-Slowakischen Museums und seiner Bibliothek in Cedar Rapids, des größten Museums dieser Art auf amerikanischem Boden.

Im Jahre 1995 wurde das National Czech & Slovak Museum & Library in Cedar Rapids eröffnet.
Im Jahre 1995 wurde das National Czech & Slovak Museum & Library in Cedar Rapids eröffnet. Credit: National Czech & Slovak Museum & Library

Von Böhmen nach Iowa

Den Spuren der Tschechen und Slowaken kann man nicht nur in Cedar Rapids, der zweitgrößten Stadt von Iowa, in der jeder Fünfte einen tschechischen Namen hat, überall folgen, sondern auch in vielen anderen ländlichen Bezirken östlich und westlich des Mississippis. In Iowa leben 3,3 Millionen Einwohner (Stand 2025), davon haben allein 52 000 Einwohner tschechisch-slowakische Wurzeln. In den gesamten USA mit seinen 350 Millionen Einwohnern sind es sogar 2,2 Millionen.

Hier, in Cedar Rapids, hatten sich ab 1853 viele tausend Einwanderer aus dem österreichisch-ungarischen Kaiserreich angesiedelt, die als „Bohemians“ (Böhmen) bezeichnet wurden: Sie kamen aus der heutigen Tschechischen Republik, aus der heutigen Slowakei, aus Niederschlesien, dem heutigen Polen, und Mähren. Die meisten von ihnen sprachen Tschechisch oder Slowakisch, doch ein Teil von ihnen, als „German Bohemians“ bezeichnet, kam auch aus den deutschsprachigen Gebieten und sprach Deutsch. 

Ein Stüch Heimat in Amerika

In Cedar Rapids fanden sie Arbeit – in der fleischverarbeitenden Industrie, in den Mühlen und als Wagenbauer. Hier bildete sich auch schnell ein Viertel, in dem die böhmischen Einwanderer unter sich lebten, ein „Little Bohemia“, ein kleines Böhmen, an das heute das „Czech Village“, das Tschechische Dorf, neben dem Museum erinnert. 

In den ländlichen Bezirken in Iowa westlich des Mississippis konnten die böhmischen Siedler ihren Traum vom eigenen Land erfüllen. Ihre großen Felder prägen noch heute das Bild der Landschaft.

Und schon 1869 entstand in Cedar Rapids eine Lesegesellschaft mit Theaterprojekten, in denen nur Tschechisch gesprochen wurde. Eine Schule, in der man Tschechisch lernen konnte, sollte 1870 folgen. Seitdem ist die tschechische und slowakische Kultur aus Cedar Rapids nicht wegzudenken. 

Das Gedächtnis der Einwanderer

Heute ist das riesige Museum, das im Laufe seiner Geschichte oft erweitert und ergänzt wurde, der kulturelle Mittelpunkt dieser tschechisch-slowakischen Amerikaner und trägt mit seinen permanenten Exponaten und seinen wechselnden Ausstellungen dazu bei, ihre Identität zu bewahren.

Als der amerikanische Präsident Bill Clinton, der tschechische Präsident Václav Havel und der slowakische Präsident Michal Kováč 1995 das National Czech & Slovak Museum & Library eröffneten, ehrten sie damit den Beitrag dieser Volksgruppen an der Entwicklung der Vereinigten Staaten. 

Bis heute sieht sich das Museum dem Auftrag verpflichtet, die Geschichte, das Brauchtum sowie Kunst und Kultur der tschechischen und slowakischen Einwanderer zu bewahren und zu vermitteln. Zugleich erzählt es von deren Integration in die amerikanische Gesellschaft. Eine Dauerausstellung widmet sich zudem der Überwindung des Kommunismus in beiden Ländern und sowie dem Aufbau einer neuen, von Freiheit und Demokratie bestimmten Gesellschaftsordnung nach 1989.

Ein Orloj für Amerika

Die neueste Erweiterung des Museums ist der Buresh-Einwandererturm mit der Astronomischen Uhr (Orloj), den der tschechische Präsident Petr Pavel und sein slowakischer Amtskollege Peter Pellegrini am 27. September 2024 gemeinsam einweihten.

Die Astronomische Uhr am Buresh-Einwandererturm erinnert an die zahlreichen tschechischen und slowakischen Einwanderer.
Die Astronomische Uhr am Buresh-Einwandererturm erinnert an die zahlreichen tschechischen und slowakischen Einwanderer. Credit: National Czech & Slovak Museum & Library

Die Uhr erinnert an die berühmte Prager Rathausuhr. Statt der Apostel ziehen hier jede Stunde zwölf Figuren vorbei, die tschechische und slowakische Einwanderer in den USA repräsentieren. Zur Musik von Antonín Dvořák und Bedrich Smetana erscheinen dann unter anderem eine Sokol-Sportlerin, ein Schlachter aus einem fleischverarbeitenden Betrieb, ein slowakischer Akkordeonspieler, ein Bauer, eine mährische Mutter mit Kind, ein Polka tanzendes Paar, ein Bergmann sowie eine junge Frau aus Mähren in ihrer farbenprächtigen Tracht.

Zum 250. Geburtstag der USA ist dieser „Americký Orloj“ ein besonderes Geschenk: In seinem Inneren ist sozusagen das Erbe der tschechischen und slowakischen Einwanderer eingeschlossen. Jede Stunde wird dieses Erbe wieder zum Leben erweckt und erinnert daran, wie sehr die USA durch ihre Einwanderer auch aus dem heutigen Tschechien und der Slowakei geprägt wurden.

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