Präsident Petr Pavel hat sich wiederholt für die Einführung des Euro in Tschechien ausgesprochen. Die Regierung von Andrej Babiš (ANO) lehnt einen Beitritt zur Eurozone dagegen weiterhin ab.

„Wenn die tschechische Krone unsere Entwicklung behindert, sollten wir sie aufgeben“, erklärte Präsident Pavel auf der Prager Konferenz „ReVize Česka“ am Montag, den 1. Juni 2026. Aus seiner Sicht würde die gemeinsame europäische Währung dem Land einen stärkeren Einfluss innerhalb der Europäischen Union verschaffen. Wer wirtschaftlich eng mit der Eurozone verbunden sei, solle auch an den Entscheidungen beteiligt sein, argumentierte das Staatsoberhaupt. Tschechien gehört bislang nicht zu den Ländern, die beim EU-Gipfel der Euro-Staaten mit am Tisch sitzen.

Premierminister Andrej Babiš zufolge sollte Tschechien an der eigenen Währung festhalten. Er erklärte nach der jüngsten Kabinettssitzung, für ihn bedeute der Euro vor allem einen weiteren Souveränitätsverlust innerhalb der Europäischen Union. Die Regierung hatte bereits zuvor angekündigt, die gemeinsame europäische Währung nicht einführen zu wollen. Künftig soll auch kein jährlicher Bericht mehr erstellt werden, der die Bereitschaft Tschechiens für einen Euro-Beitritt bewertet.

Streit über wirtschaftliche Vorteile

Pavel kritisierte, dass in Tschechien häufig vor allem die negativen Seiten des Euro diskutiert würden. Seiner Ansicht nach werde dadurch eine sachliche Debatte über Vor- und Nachteile erschwert. Er sprach sich zudem für eine stärkere europäische Integration und die weitere Vertiefung des Binnenmarktes aus.

Der Ökonom Petr Dufek von der Creditas Bank sieht die Frage dagegen vor allem aus wirtschaftlicher Perspektive. Im tschechischen Fernsehen erklärte er, dass der Euro langfristig Vorteile bringen könne, aktuell aber keinen entscheidenden Impuls für die tschechische Wirtschaft darstelle. Die eigene Währung ermögliche weiterhin eine unabhängige Geldpolitik.

Verpflichtung ohne Termin

Mit dem EU-Beitritt im Jahr 2004 verpflichtete sich Tschechien grundsätzlich zur Einführung des Euro. Anders als viele andere Mitgliedstaaten hat das Land jedoch bis heute keinen Zeitplan für den Wechsel zur Gemeinschaftswährung festgelegt.

Derzeit sind 21 der 27 EU-Staaten Teil der Euro-Zone. Zuletzt führte Bulgarien die gemeinsame Währung ein. Für einen Beitritt müssen fünf Maastricht-Kriterien erfüllt sein, darunter Vorgaben zu Inflation, Staatsverschuldung, Haushaltsdefizit und Wechselkursstabilität. Tschechien erfüllte zuletzt nur drei dieser Kriterien.

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