Die Václav-Havel-Bibliothek in Prag steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Nachdem keine Einigung mit Dagmar Havlová über die weitere Verwendung des Namens ihres verstorbenen Mannes erzielt wurde, soll die Institution umbenannt werden. Zugleich endet die Amtszeit von Direktor Tomáš Sedláček.

Nach wochenlangen Auseinandersetzungen steht fest, dass die Prager Bibliothek künftig nicht mehr den Namen des früheren tschechischen Präsidenten Václav Havel tragen wird. Wie die Institution künftig heißen wird und wann der Wechsel erfolgen soll, ist noch offen.

Auslöser ist der Rückzug von Havels Witwe Dagmar Havlová aus der Zusammenarbeit mit der Bibliothek. Ende Juni hatte sie ihre Zustimmung zur Verwendung des Namens Václav Havel widerrufen. Sie begründete dies zuvor damit, dass sie das Vertrauen in die derzeitige Führung verloren habe und keine Verantwortung mehr dafür übernehmen wolle, wie der Name ihres Mannes verwendet werde. Weitere Gespräche führten nach Angaben der Bibliothek zu keiner Einigung.

Grundlegende personelle Veränderungen

Auch personell zieht die Bibliothek Konsequenzen. Der Wirtschaftswissenschaftler Tomáš Sedláček, der die Leitung erst im März 2025 übernommen hatte, wird sein Amt abgeben. Sobald sich das neu aufgestellte Team und der Betrieb stabilisiert hätten, solle das Auswahlverfahren für seine Nachfolge beginnen.

Dem vorausgegangen waren interne Konflikte. Der Verwaltungsrat hatte Sedláček zeitweise an der Ausübung seiner Tätigkeit gehindert und dies mit Problemen in der Zusammenarbeit mit dem Team begründet. In der Folge verließ ein Großteil der Beschäftigten die Institution. Auch Verwaltungs- und Aufsichtsrat wurden personell verändert. Zuvor hatten sich zudem die bisherigen Förderer aus dem Projekt zurückgezogen.

Keine Havel-Konferenz mehr

Eine wichtige Veranstaltung fällt für die Bibliothek künftig jedoch weg. Sie wird nicht länger an der Organisation der jährlichen Konferenz zur Verleihung des Václav-Havel-Menschenrechtspreises beteiligt sein. Bislang richtete sie diese gemeinsam mit Dagmar Havlová, der Stiftung Charta 77 und dem Europarat aus. Da keine Vereinbarung über die weitere Nutzung des Namens zustande kam, könne die Bibliothek diese Aufgabe nicht fortführen.

An ihrer grundsätzlichen Ausrichtung will die Institution dennoch festhalten. Sie soll weiterhin Forschung und Bildung betreiben und Raum für öffentliche Debatten bieten. „Der Name mag sich ändern, aber der Grund für unsere Existenz bleibt derselbe“, erklärte der Vorsitzende des Verwaltungsrats David Dušek.

Die Václav-Havel-Bibliothek wurde 2004 von Dagmar Havlová, Karel Schwarzenberg und Miloslav Petrushek gegründet. Sie entstand nach Havels Ausscheiden aus dem Präsidentenamt und widmete sich seither seinem politischen, literarischen und gesellschaftlichen Vermächtnis.

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