Jeden Freitag stellen wir in dieser neuen „True-Crime“-Reihe die spektakulärsten Kriminalfälle Tschechiens vor. Den Auftakt macht heute, am Freitag, den 13., eine Mordserie der „Adlerbande“ aus den 90er Jahren.

Die Morde der „Adlerbande“ (tschechisch: Orličtí vrazi) gehörten zu den bekanntesten Kriminalfällen der 90er Jahre in Tschechien. Zwischen 1991 und 1993 tötete diese Gruppe von Serienmördern aus Habgier fünf Menschen und versenkte mehrere ihrer Leichen auf dem Grund des Adler-Stausees. Der Stausee erstreckt sich über mehrere Bezirke in Südböhmen und Mittelböhmen, wobei Pribram (Příbram) im Norden und Pisek (Písek) im Süden angrenzt. Die Ermittlungen deckten ein Netzwerk aus persönlichen Beziehungen und gemeinsamen Interessen auf. Im Zentrum der Mordserie standen Karel Kopáč und Ludvík Černý. Kopáč war ein ausgebildeter Kampfsportler und ehemaliges Mitglied der URNA, einer polizeilichen Spezialeinheit in Tschechien, die auf Bekämpfung von Terrorismus spezialisiert ist. Während Kopáč die Morde plante und organisierte, war Ludvík Černý derjenige, der die meisten Morde beging. Er tötete seine Opfer meist mit gezielten Kopfschüssen. Eine weitere Schlüsselrolle spielte Vladimír Kuna, ein Jugendfreund Kopáčs, der seinen Keller zur Verfügung stellte, um die Leichen für die Versenkung im Adler-Stausee vorzubereiten. Weitere Mittäter waren Kopáčs Schwester Irena Meierová und ihr Geliebter Petr Chodounský.

Die Mordserie beginnt

Im Jahr 1991 lernte der Geschäftsmann Aleš Katovský Kopáč kennen. Kopáč gewann sein Vertrauen, arbeitete als dessen Leibwächter und plante gemeinsam mit Černý, ihn zu ermorden, um an sein Geld zu kommen. Am 5. April 1991 fuhren Kopáč und Katovský nach Kirchsassen (Rudná), wo Černý als angeblicher Geschäftspartner zustieg. Während der Fahrt erschoss Černý Katovský von der Rückbank aus. Die Leiche wurde in Drahtgeflecht gewickelt und im Adler-Stausee versenkt. Der Mord brachte ihnen rund 33.000 Euro ein. Das Fahrzeug des Opfers wurde später von Černý verkauft.

Am 9. Januar 1992 wurde der kosovarische Einwanderer Leorento Lipoveci Opfer der Bande. Lipoveci hatte geplant, Waffen zu kaufen. Das Treffen fand im Keller von Vladimír Kuna statt. Auch hier erschoss Černý das Opfer und die Leiche wurde in ein Metallfass gelegt, mit Lauge übergossen und – wie zuvor die Leiche von Aleš Katovský – im Adler-Stausee versenkt. Die Beute betrug etwa 1250 Euro.

Die Adlerbande mordet weiter

Im Februar 1992 setzte sich die Mordserie fort: Anna Medková, die Mutter von Kopáčs Jugendfreund Vladimír Kuna, öffnete eine von Kopáč gebaute Paketbombe und starb wenige Tage später im Krankenhaus an ihren Verletzungen. Hintergrund war ein Erbe in Höhe von rund 67.000 Euro. Chodounský, der Geliebte von Kopáčs Schwester, war ebenfalls in diese Pläne involviert und trat als vermeintlicher Geschäftspartner auf, um den Bruder Vladimír Kunas um sein Erbe zu betrügen.

Als Opfer Nummer vier folgte  der Antiquitätenhändler Vlastimil Hodr, der am 24. März 1992 nahe einer Tankstelle in der Plzeňská-Straße in Prag von Černý erschossen wurde. Černý hatte seinem Opfer im Vorfeld in Aussicht gestellt, ihn an den Verkäufer eines wertvollen goldenen Siegels zu vermitteln. Da der Körper Hodrs nicht vollständig in das Metallfass passte, zerteilten Černý und sein Kollege Kuna die Leiche in dessen Keller, bevor sie sie – wieder mal – im Stausee versenkten.

Das fünfte Opfer war Jaroslav Meiera, der Schwager von Kopáč. Kopáč wollte einen Erotikclub kaufen und bat den Mann seiner Schwester Irena Meierová, einen Kredit mit dessen Haus abzusichern, was dieser ablehnte. Daraufhin bot Kopáčs Schwester an, den Kredit zu garantieren, wenn er Meiera töten lasse. Sie wollte den Besitz ihres Mannes erben und mit ihrem Geliebten Chodounský zusammenleben. Kopáč lehnte den Plan innerlich ab, täuschte jedoch gegenüber seiner Schwester Zustimmung vor und versprach, einen Täter zu organisieren. Nachdem er das Versprechen nicht hielt, gingen Meierová und Chodounský direkt zu Černý, der Meiera am 6. Juli 1993 erschoss. Er erhielt dafür rund 4000 Euro. Im Gegensatz zu den anderen Leichen, die im Adler-Stausee versenkt wurden, deuteten polizeiliche Aufnahmen darauf hin, dass Meieras Leiche in seinem Haus, dem Tatort des Mord gefunden wurde.

Ermittlungen, Festnahme und Urteil

Die Ermittlungen begannen langsam und zunächst erfolglos. Erst 1993, zwei Jahre nach Beginn der Mordserie, erhielten die Ermittler erste Hinweise aus der Unterwelt  auf Černý und seine Taten. Konkrete Beweise fehlten jedoch. Der Durchbruch gelang, als Blutspuren in einem von Černý verkauften Fahrzeug gefunden wurden, das dem vermissten Aleš Katovský, dem ersten Opfer der Bande, gehörte.

Zudem lagen Hinweise aus der Szene darauf vor, dass Leichen ermordeter Unternehmer in den Tiefen eines Sees entsorgt wurden. Die Polizei suchte zunächst erfolglos am Slapy-Stausee (Vodní nádrž Slapy). Der Stausee liegt nahe dem Dorf Slap (Slapy) in der Region Mittelböhmen, nicht weit von der Stadt Pribram (Příbram) entfernt. Bei weiteren Ermittlungen wurden Aufzeichnungen aus einer Autovermietung gefunden, die zeigten, dass Černý während mehrerer Morde ein gemietetes Fahrzeug genutzt hatte. Anhand der Kilometerstände wurde der Adler-Stausee, der etwa 48 Kilometer vom Slapy-Stausee entfernt liegt, als möglicher Ort der Leichenentsorgung identifiziert. 1995 entdeckten Taucher dort Metallfässer mit menschlichen Überresten sowie eine Leiche, die in Drahtgeflecht gewickelt war. Als Kopáč von den Bergungsarbeiten aus den Medien erfuhr, versuchte er, sich das Leben zu nehmen. Nach mehrstündigen Verhandlungen wurde er festgenommen und legte später ein umfassendes Geständnis ab, das zur Überführung der gesamten Tätergruppe beitrug.

Am 18. April 1997 fällte das Gericht die Urteile:

·   Ludvík Černý wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

·   Vladimír Kuna erhielt zunächst lebenslang, später wurde die Strafe auf 25 Jahre reduziert.

·   Karel Kopáč wurde zu 21 Jahren Haft verurteilt.

·   Irena Meierová erhielt 12 Jahre, später reduziert auf 10 Jahre.

·   Petr Chodounský wurde zu 14 Jahren Haft verurteilt.

Kopáč nahm sich 2004 im Gefängnis das Leben. Während Kuna, Meierová und Chodounský ihre Strafe bereits verbüßt haben, sitzt Černý, der nun den Namen Zámečník trägt, bis heute in Haft.

Neben diesen Morden versuchte Černý im Sommer 1992, einen Polizisten zu töten und beging im Juni 1993 auf Auftrag jugoslawischer Drogenhändler einen weiteren Mord, der jedoch nicht zur Mordserie gezählt wurde. Die Morde der Adlerbande wurden unter dem Titel Samtkiller (Sametoví vrazi) verfilmt .


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