Unter dem Motto „ECHT?“ bietet das beliebte Festival eine aktuelle Bestandsaufnahme der tschechischen Kultur.
Ist das „ECHT?“ Für die Tschechisch-Deutschen Kulturtage ist das schon mal geklärt. Die sind echt, und das schon zum 28. Mal!
Dabei steht vom 29. Oktober bis 15. November die Literatur im Mittelpunkt, weil Tschechien in diesem Jahr Ehrengast bei der Frankfurter Buchmesse ist. Wer es also nicht nach Frankfurt geschafft hat, kann in Dresden und Umgebung einige Autoren erleben, die auch in Frankfurt waren. Dazu gehören Jáchym Topol (30. Oktober) mit seinem neuen Roman Die Hölle gibt es nicht im Deutschen Hygiene-Museum und Radka Denemarková (5. November) mit Schokoladenblut im Kulturpalast. Jiří Hájíček stellt am 13. November in der Zentralbibliothek gleich zwei Bücher vor (370 m über NN und Der Drache auf dem Feldweg). Zuzana Říhová (Das Geheimnis der Verwandlung) ist am 4. November in der Stadtbibliothek Pirna und Petr Šesták mit Ausgebrannt am 11. November in der Bibliothek Südvorstadt-
Alice Horáčková tritt mit ihrem Buch Geteiltes Haus gleich zwei Mal auf: am 1. November in der Galerie Geißlerhaus in Bärenstein bei Altenberg sowie am 2. November im Erich Kästner Haus für Literatur in Dresden. Ihr bei Diogenes erschienener Roman beschreibt auf 800 Seiten die mitreißende Familiensage in dem bis 1945 von Tschechen wie Deutschen bewohnten Riesengebirgsort Benetzko (Benecko).
Verschwundene Orte und Seifenmagnat
Die Geschichte und Gegenwart des einst deutsch besiedelten Grenzlands, auch Sudeten genannt, hat auch in diesem Jahr seinen festen Platz im Programm. Eine Exkursion am 8. November nach Groß Tschochau (Řehlovice), Karbitz (Chabařovice) und Raudnig (Roudníky) befasst sich mit verschwundenen, früher deutsch besiedelten Orten in alten Dokumentarfilmen. Bereits am 3. und 4. November stellt der Journalist Oliver Hach in der Galerie Geißlerhaus und danach in der Brücke|Most-Stiftung seinen Atlas der verschwundenen Dörfer im böhmischen Erzgebirge vor.
Auch in den Filmen spielt das Thema eine Rolle mit dem Streifen Königreich der Seifenblasen am 5. November im Zentralkino über die erfolgreiche Unternehmerfamilie Schicht aus Aussig (Ústí nad Labem), die ein Drogerie- und Lebensmittelimperium aufbaute und später den Weltkonzern Unilever begründete. Er ist einer von gleich vier Dokumentarfilmen. Ein besonderes Erlebnis dürfte auch der Stummfilm mit Live-Musik Rübezahls Hochzeit bieten, der in Tetschen, Dresden und Lauenstein gleich dreimal aufgeführt wird.
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Noch einmal zurück zum Literatur-Schwerpunkt. Einen ganz besonderen Abend verspricht die musikalisch-lyrische Hommage an den poetistischen Dichter Ivan Blatný, der den größten Teil seines Werkes in einer englischen Psychiatrie dichtete. Ein deutsch-tschechisches Ensemble führt sie mit den Sprechern Wolfgang Beuschel, Michael Ritz und in Anwesenheit des Komponisten Holmer Becker zum ersten Mal am 12. November im Deutschen Hygiene-Museum auf.
Land an der Küste
Am 6. November geht das Symposium „Bohemicum Dresdense“ in der Zentralbibliothek dem tschechischen Motto der Frankfurter Buchmesse „Tschechien – Land an der Küste“ in mehreren Beiträgen auf den Grund. Der von William Shakespeares Drama Ein Wintermärchen herrührende Topos ist in der tschechischen Kulturgeschichte fest verankert. In den Vorträgen geht es um das Böhmische Meer, Böhmen am Urmeer oder Kapitän Nemo in Böhmen. Andere Beiträge befassen sich mit maritimer Architektur in der Prager Moderne, mit der Bedeutung des Meeres in tschechischen Dramen oder dem Dialekt als sprachliche Küste.
Und schlussendlich wird dieses Jahr auch wieder der Dresdner Lyrikpreis vergeben. Am 8. November ist es im Societätstheater wieder soweit. Am Abend zuvor steigt die Finallesung. In der engeren Auswahl stehen jeweils drei deutsche und drei tschechische Lyriker.
Ein weiterer Höhepunkt im Programm ist das erstmalige Gastspiel des Prager Theaters Dejvické divadlo am 30. Oktober im Kleinen Haus des Staatsschauspiels mit dem Stück Facka. In Prag sind die Vorstellungen des Theaters regelmäßig ausverkauft. Dafür sind auch die Konzerte der Kafka Band um den Schriftsteller Jaroslav Rudiš bekannt. Die Band befindet sich gerade auf Best-Of-Tour und macht am 8. November im Dresdner Jazzclub Tonne Halt. Früher Ticketkauf lohnt sich also.

Mensch Václav Havel
Auch an den 90. Geburtstag Václav Havels denkt das Festival. Die Fotoausstellung Der Mensch Václav Havel in der Galerie nEUROPA zeigt Havel in den Fotografien von Bohdan Holomíček als Menschen hinter den politischen und historischen Rollen. Am 13. November ist der langjährige Freund und Vertraute Havels Holomíček zu einem Künstlergespräch zu Gast.
Nicht fehlen dürfen die beliebten Formate des Marmeladenwettbewerbs „Jam Session“ am 7. November in Tetschen (Děčín) und des deutsch-tschechischen Kneipenquiz am 10. November in Dresden.
Insgesamt finden auf deutscher Seite an 18 Tagen 82 Veranstaltungen statt. Dazu zählt neben den schon genannten Genres übrigens auch ein feines Kinderprogramm. Außerdem gibt es acht Exkursionen nach Tschechien. Weitere 40 Veranstaltungen werden vom tschechischen Partner, dem Kulturhaus Hraničář in Aussig, neben Aussig auch in Tetschen, Leitmeritz (Litoměřice) und Komotau (Chomutov) organisiert.
Das komplette Programm gibt es auf der Festivalwebsite www.tdkt.info.
Dieser Beitrag erschien zuerst in der LandesEcho-Ausgabe 10/2026
Das neue LandesEcho 10/2026 ist da!
In der Oktober-Ausgabe blicken wir auf die zahlreichen Veranstaltungen in Tschechien anlässlich des 90. Geburtstags von Václav Havel, stellen einen neuen Band mit den wichtigsten tschechischen Persönlichkeiten aus der Literatur vor und sprechen mit einer deutschen Journalistin, für die die Stadt Pilsen zur zweiten Heimat geworden ist. Am 5. Oktober 2026 wäre der Dissident und…
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