Bezahlbarer Wohnraum gehört zu den drängendsten Problemen in Tschechien. Vor den Kommunalwahlen am 9. und 10. Oktober steht das Thema deshalb im Mittelpunkt des Wahlkampfs. Besonders in Prag wird darüber gestritten, wie sich Wohnungsmangel, Kurzzeitvermietungen und Verkehrsprobleme lösen lassen.

Eines scheint viele Städte und Kommunen in Europa zu beschäftigen: Wohnraum und Mietpreise. So ist auch bei den Kommunalwahlen in Tschechien am 9. und 10. Oktober bezahlbarer Wohnraum eines der entscheidenden Themen, bei dem Kandidatinnen und Kandidaten ihre Wählerinnen und Wähler überzeugen müssen. 

Der jüngsten Umfrage des Forschungsinstituts STEM von September 2026 zufolge sind die Tschechen in allen Kommunen am wenigsten mit der Situation auf dem Wohnungsmarkt zufrieden. Verfügbarkeit und Bezahlbarkeit von Wohnraum stehen bei den meisten Befragten auf Platz eins der Lebensbereiche, auf die sich die kommende Kommunalregierung am meisten konzentrieren sollte. Dabei unterscheiden sich die Umfragewerte je nach Größe der Kommune: In Großstädten rücken die Themen Obdachlosigkeit und Drogendelikte auf den ersten Platz, jedoch auch hier dicht gefolgt von bezahlbarem Wohnraum. 

Petition gegen AirBnB für mehr Wohnraum

In Prag sind die Wahlen am Wochenende besonders spannend, weil die Stadtverordnetenversammlung dort anschließend auch einen neuen Oberbürgermeister wählt. Der amtierende Oberbürgermeister Bohuslav Svoboda (ODS), der eine Koalition aus SPOLU, Piraten und STAN anführt, tritt nicht erneut an. 

Vor allem in der tschechischen Hauptstadt liegt der Fokus im Wahlkampf auf Wohnraum. So plädiert die Bürgerliste “Rozhodujme společně” (dt. “Lasst uns gemeinsam entscheiden”), die aus einer freien Bürgerversammlung in Prag 1 entstanden ist, für das Verbot von Kurzzeitmieten in Wohnungen, etwa via AirBnB. “Wir haben eine Petition gestartet und brauchen 10.000 Unterschriften, damit unser Anliegen an das Rathaus und das Parlament geht. Die müssen sich dann damit beschäftigen. Aktuell haben wir ungefähr 2000 Unterschriften, also sammeln wir weiter”, berichtet Emilija Rónová, Kandidatin der Bürgerliste.

Die Bürgerliste “Rozhodujme společně” sammelt Unterschriften für ihre Petition vor dem Einkaufszentrum Quadrio. Foto: Marina Schepetow

Gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Bürgerliste, Petr Rachunek, und zwei weiteren Kandidatinnen sprechen sie Passanten vor dem Einkaufszentrum Quadrio in der Prager Neustadt an und bitten um Unterschriften. Ihr Stand ist dabei auch aus der Ferne nicht zu übersehen: eine Matratze mit mehreren Packungen von Ohrstöpseln liegt auf dem Boden, daneben ein Koffer mit leeren Alkoholflaschen. “Dieses Bett und der Saustall drumherum zeigen, wie eine AirBnB-Wohnung nach dem Besuch von lauten Touristen aussieht”, beschreibt Rónová die Idee hinter der Installation.

Ein Passant unterschreibt die Petition der Bürgerliste “Rozhodujme společně”. Foto: Marina Schepetow

Knapper Wohnraum hat auch Auswirkungen auf Verkehr

Besonders in der Prager Altstadt, der Neustadt und auf der Kleinseite ist der Wohnungsmarkt durch das AirBnB-Angebot angespannt: Über 20 Schlafplätze pro 100 Einwohner werden laut einer Studie des Prager Instituts für Planung und Entwicklung (IPR) über AirBnB angeboten. Im Jahr 2023 zählte das Institut rund 8000 Inserate auf AirBnB in Prag, davon rund 5500 aktive. Auch wenn manche AirBnBs nur Privatzimmer anbieten, umfassen die meisten Angebote ganze Mietwohnungen. 

Als Lösung für mangelnden Wohnraum gibt es aber auch andere Ansätze. Jan Hušbauer, Spitzenkandidat der ANO, möchte sich für den Bau städtischer Wohnungen einsetzen, aber auch für eine schnelle Freigabe finanzieller Mittel für den Bau der Metrolinie D. Durch den angespannten Wohnungsmarkt ziehen zahlreiche Prager an den Stadtrand und pendeln mit dem Auto ins Stadtzentrum. Nicht nur für Hušbauer, sondern auch für andere Kandidaten ist deshalb der Ausbau von Parkzonen oder -häusern wichtig. Der Spitzenkandidat der Partei STAN, Petr Hlaváček, möchte stattdessen Strecken für Hochgeschwindigkeitszüge von den Außenbezirken in die Stadt ausbauen und die Anzahl der Parkplätze jährlich minimieren.

ANO in Umfragen vorne

In einer Umfrage von PrahaIN etwa einen Monat vor den Wahlen lag ANO mit Zustimmungswerten von 23,3 Prozent in Prag vorne, dicht gefolgt von STAN mit 22,6 Prozent und SPOLU pro Prahu (ODS & TOP 09) mit 13,9 Prozent. Welche Koalition also zustande kommt und welche Kompromisse im Bereich Wohnen und Verkehr geschlossen werden, bleibt demnach spannend. Einig sind sich die Kandidierenden aber in einem: Wohnraum muss zur Chefsache werden. 

Neben den Kommunalwahlen finden am 9. und 10. Oktober auch Wahlen zum tschechischen Senat statt. Am 16. und 17. Oktober geht es dabei in die Stichwahlen.

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