Ferdinand I. von Habsburg (1503–1564) wurde am 23. Oktober 1526 zum böhmischen König gewählt. Damit begann die fast 400-jährige Herrschaft der Habsburger in den Ländern der Böhmischen Krone. Gemälde von Hans Bocksberger dem Älteren.
Ferdinand I. von Habsburg (1503–1564) wurde am 23. Oktober 1526 zum böhmischen König gewählt. Damit begann die fast 400-jährige Herrschaft der Habsburger in den Ländern der Böhmischen Krone. Gemälde von Hans Bocksberger dem Älteren. Credit: Wikimedia Commons / gemeinfrei

Am 23. Oktober 1526 wählten die böhmischen Stände Ferdinand I. von Habsburg zum König von Böhmen. Damit begann eine fast 400-jährige Herrschaft der Habsburger über die Länder der Böhmischen Krone, die erst 1918 mit dem Zerfall Österreich-Ungarns endete. Anlässlich des Jubiläums fand am Donnerstag eine feierliche Messe im Prager Veitsdom statt.

Der Machtwechsel folgte auf eine militärische Katastrophe: Am 29. August 1526 hatte das Heer des böhmisch-ungarischen Königs Ludwig II. aus dem Geschlecht der Jagiellonen bei Mohács eine vernichtende Niederlage gegen die Osmanen erlitten. Der erst 20-jährige König kam auf der Flucht ums Leben und hinterließ keinen Thronfolger.

Ferdinand von Habsburg, der mit Ludwigs Schwester Anna verheiratet war, erhob daraufhin Anspruch auf die böhmische Krone. Die böhmischen Stände bestanden jedoch auf ihrem Wahlrecht und bestimmten ihn am 23. Oktober 1526 zum neuen König. Im Februar 1527 folgte die Krönung im Prager Veitsdom.

Mit Ferdinand vereinigten sich die österreichischen Erblande, die Länder der Böhmischen Krone und Teile Ungarns unter einem Herrscher. Damit entstand ein neuer mitteleuropäischer Machtkomplex, der über Jahrhunderte die politische Entwicklung des Kontinents mitbestimmte.

Habsburg-Nachfahre erinnert an historische Bedeutung

Anlässlich des Jubiläums gab Karl von Habsburg-Lothringen, das heutige Oberhaupt des Hauses Habsburg-Lothringen und Enkel des letzten österreichischen Kaisers und böhmischen Königs Karl I., dem Tschechischen Fernsehen ein Interview. Dabei betonte er die gesamteuropäische Bedeutung des Machtwechsels von 1526. „Ich glaube, wir erinnern an einen Tag, der für ganz Europa wichtig war, nicht nur für Böhmen oder Prag“, sagte er. Damals sei gewissermaßen ein neues Europa entstanden, in dem Mitteleuropa zunehmend an Bedeutung gewonnen habe.

Am Donnerstagabend nahm Karl von Habsburg-Lothringen auch an einer feierlichen Messe im Prager Veitsdom teil. Der Prager Erzbischof Stanislav Přibyl zelebrierte den Gottesdienst, an dem neben Vertretern des Klerus auch Angehörige alter böhmischer und mährischer Adelsgeschlechter teilnahmen. In seiner Predigt erinnerte Přibyl sowohl an die kulturellen Errungenschaften als auch an die Konflikte und das religiöse Leid während der habsburgischen Herrschaft. Geschichte sei komplexer als bloße Verherrlichung oder Verurteilung, betonte er. Zum Abschluss erklangen unter anderem der Sankt-Wenzels-Choral und die frühere österreichische Kaiserhymne.

Karl von Habsburg-Lothringen (links), Enkel des letzten österreichischen Kaisers und böhmischen Königs Karl I., begrüßt den Prager Erzbischof Stanislav Přibyl bei der Gedenkmesse zum 500. Jahrestag des Beginns der Habsburgerherrschaft in Böhmen am 22. Oktober 2026 im Prager Veitsdom.
Karl von Habsburg-Lothringen (links), Enkel des letzten österreichischen Kaisers und böhmischen Königs Karl I., begrüßt den Prager Erzbischof Stanislav Přibyl bei der Gedenkmesse zum 500. Jahrestag des Beginns der Habsburgerherrschaft in Böhmen am 22. Oktober 2026 im Prager Veitsdom. Credit: ČTK / Ruml Miloš

Zwischen kultureller Blüte und politischen Konflikten

Die Herrschaft der Habsburger hinterließ in Böhmen, Mähren und Schlesien tiefgreifende Spuren. Unter Rudolf II. wurde Prag um 1600 zu einem bedeutenden Zentrum europäischer Kunst und Wissenschaft. Zugleich prägten religiöse Auseinandersetzungen, die Niederlage der böhmischen Stände am Weißen Berg 1620 und die anschließende Rekatholisierung die Geschichte des Landes. Später brachten die Reformen Maria Theresias und Josephs II. weitreichende Veränderungen in Verwaltung, Bildung und Gesellschaft.

Im 19. Jahrhundert entwickelten sich die böhmischen Länder zu einem industriellen Zentrum der Monarchie. Gleichzeitig verschärften sich die nationalen Spannungen zwischen der tschechisch- und deutschsprachigen Bevölkerung.

Wie die fast vier Jahrhunderte zu bewerten sind, bleibt Gegenstand historischer Debatten. Der Historiker Jiří Hrbek von der tschechischen Akademie der Wissenschaften erinnerte gegenüber ČT24 daran, dass das Bild der Habsburger als Unterdrücker des tschechischen Volkes vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geprägt wurde. Andere Historiker verweisen sowohl auf die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung als auch auf religiöse Unterdrückung und ungelöste Nationalitätenkonflikte.

Ausstellungen zum Habsburger-Jubiläum

Auch mehrere Ausstellungen erinnern an den historischen Jahrestag. In der Prager Waldstein-Reithalle eröffnete die Nationalgalerie am Donnerstag die Ausstellung Anna Jagellonská. Královna na prahu nové doby („Anna Jagiellonica. Eine Königin an der Schwelle zu einer neuen Zeit“). Sie widmet sich dem Leben und Wirken der Ehefrau Ferdinands I., deren Heirat eine entscheidende Voraussetzung für den Machtantritt der Habsburger war. Mehr als 200 Exponate aus tschechischen und internationalen Sammlungen beleuchten ihre Rolle in einer Zeit politischer und religiöser Umbrüche. Die Ausstellung ist bis zum 28. März 2027 zu sehen.

Ebenfalls am Donnerstag eröffnete am Friedensdenkmal Mohyla míru bei Brünn (Brno) die Ausstellung Za císaře pána… i proti němu 1526–2026 („Für den Kaiser … und gegen ihn“). Sie beschäftigt sich anhand historischer Exponate und persönlicher Schicksale mit dem Militärdienst und dem Widerstand tschechischer Soldaten während der Habsburgerherrschaft.

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