Jeden Freitag stellen wir in unserer „True-Crime“-Reihe einen der spektakulärsten Kriminalfälle Tschechiens vor. Heute geht es um einen Mann, der in den 1990er Jahren Angst und Schrecken verbreitete: Ivan Roubal – einen der bekanntesten Serienmörder des Landes.
Ivan Roubal wird 1951 in Prag geboren. Er absolviert eine landwirtschaftliche Ausbildung und arbeitet unter anderem als Heizer und Holzfäller bei der Eisenbahn. Nach der Samtenen Revolution bewegt sich Roubal in den frühen 90er Jahren zunehmend im kriminellen Milieu. Er betreibt dubiose Geschäfte und hat unter anderem Kontakte zu den „Adler-Mördern“, denen er Natronlauge zur Beseitigung von ihren Leichen beschafft. Zwischen 1991 und 1994 tötet Roubal mindestens fünf Menschen.
Mord auf dem Bauernhof?
1991 mietet Roubal nahe Tschachrau (Čachrov) bei Klattau (Klatovy) einen heruntergekommenen Bauernhof namens Pohádka (dt. Märchen). Dort hält er Geflügel und schwarze vietnamesische Schweine. In dieser Zeit lernt Roubal František Heppner kennen, der in der Nähe ein Wassersägewerk errichten will. Im Dezember 1991 verschwinden Heppner und seine russische Freundin Natascha plötzlich. Laut Roubals späterer Aussage seien sie nach Deutschland gereist. In Verdacht gerät Roubal, weil er Heppners Auto nutzt und dessen Möbel aus seiner Wohnung verkauft. Später berichtet ein Unternehmer aus der Gegend, dass Roubal seinem eigenen Sohn gestanden habe, Heppner und seine Freundin ermordet und ihre Leichen an seine Schweine verfüttert zu haben. Der Sohn sagt sogar bei der Polizei aus, widerruft die Aussage jedoch später vor Gericht. Die Leichen von Heppner und seiner Freundin werden nicht gefunden.
Der verschwundene Taxifahrer
Am 26. Juli 1992 verschwindet der Taxifahrer Vladimír Strnad spurlos. Zuletzt wird er gemeinsam mit Roubal gesehen. Erst zehn Monate später werden seine stark verwesten sterblichen Überreste in einer Klärgrube eines verlassenen Hauses in Reichstadt (Zákupy) in der Nähe von Böhmisch Leipa (Česká Lípa) gefunden. Die Todesursache kann nicht mehr festgestellt werden, doch im besagten Haus entdeckt die Polizei die Asche von verbrannter Kleidung und Strnads Armbanduhr. Das verlassene Haus gehört einem Freund von Roubal aus seiner Zeit bei der Eisenbahn und er hat die Schlüssel dafür. Nach Strnads Verschwinden nutzt Roubal die Fahrzeuge aus Strnads Fuhrpark. Die Taxischilder entfernt er. Vor Gericht behauptet Roubal später, er habe Strnad ⎼ der zu dem Zeitpunkt bereits tot gewesen sein muss ⎼ geholfen, die Autos für den Verkauf vorzubereiten.
Wo ist der Schmuckhändler Horký?
Nur wenige Monate später, am 10. Dezember 1992, verschwindet der Schmuckhändler Václav Horký spurlos. Horký hatte Roubal größere Geldsummen geliehen. Nach dem Verschwinden übernimmt Roubal seine Geschäfte, nutzt sein Auto und verkauft Teile von Horkýs Besitz, darunter auch eine Wohnung. Er selbst behauptet, Horký sei nach Belgien gereist. Wie im Fall des verschwundenen Heppner und seiner Freundin fehlt Horkýs Leiche.
Von der Anzeige zum tödlichen Verbrechen
Am 26. Mai 1993 lockt Roubal den Rentner Josef Suchánek, den er über eine Anzeige kennengelernt hat, auf seinen Bauernhof Pohádka. Dort tötet er ihn ⎼ der Mord an Suchánek gilt als gesichert ⎼ und wirft die Leiche in den Horusitzer Teich bei Wesseli an der Lainsitz (Veselí nad Lužnicí), wo sie Monate später entdeckt wird. Anschließend plündert er Sucháneks Wohnung, stiehlt zahlreiche Wertgegenstände im Wert von rund 80 Euro und hebt mit seinem Ausweis Geld von dessen Konto ab.
Gefährliche Fesseltechnik endet tödlich
Im November 1993 wird der Erotikfilmverkäufer Dlouhý tot in seiner Prager Wohnung aufgefunden. Er ist in der sogenannten „Schweinebindung“ gefesselt – eine gefährliche Fesseltechnik, bei der Hände und Füße hinter dem Rücken zusammengebunden werden, die bei zusätzlicher Fixierung am Hals zu einer Selbststrangulation führen. In Dlouhýs Wohnung fehlen rund 400 Videokassetten und zwei Videorekorder. Die gestohlenen Gegenstände tauchen später in Roubals Umfeld auf, zudem nutzt er Dlouhýs Auto. Gleich mehrfach sehen Zeugen Roubal in der Nähe des Tatorts, teilweise verkleidet mit Perücke.
Der Doppelmord
Am 8. März 1994 überfällt Roubal mit drei Komplizen die Firmeninhaber der Autovermietung ZAPAP Petr Kudrna und Peter Magdolen in Prag. Außerdem ist ein zufälliger Besucher, Jiří Semerád, zur falschen Zeit am falschen Ort, auch er wird Opfer des Raubes. Die Täter bedrohen die Männer mit Waffen, fesseln sie und stehlen Bargeld und Wertgegenstände im Wert von 270 Euro. Schließlich fesselt Roubal alle drei mit der Methode der Schweinebindung. Kudrna und Magdolen verlieren daraufhin, wie der Erotikfilmverkäufer Václav Dlouhý, ihr Leben. Semerád gelingt die Flucht, sodass er überlebt und die Polizei verständigen kann. Als mögliches Motiv gilt ein Streit mit Kudrna und Magdolen einige Monate zuvor auf dem Weihnachtsmarkt sowie die Kenntnis, dass Kudrna Roubal im Zusammenhang mit dem Verschwinden von dem Schmuckhändler Václav Horký bei der Polizei verdächtigt hatte.
Roubal wird zu lebenslanger Haft verurteilt
Am 30. März 1994 wird Roubal schließlich auf dem Friedensplatz in Prag festgenommen. Der Prozess beginnt im Jahr 1996 und zieht sich über mehrere Jahre. 1998 wird Roubal zunächst wegen der Morde an Kudrna und Magdolen freigesprochen, da der überlebende Zeuge Semerád ihn nicht eindeutig als Täter identifizieren kann. Dennoch erhält er wegen der Raubüberfälle eine Haftstrafe von fünf Jahren. 1999 wird Roubal schließlich doch noch wegen Doppelmordes zu 22 Jahren Haft verurteilt. Im Jahr 2000 folgt die lebenslange Freiheitsstrafe für die Morde an Suchánek, Strnad und Dlouhý. Seine Behauptung, er habe Strnads Taxen bloß für den Verkauf vorbereiten wollen, kann durch die Beweislage widerlegt werden.
Am 29. Juni 2015 stirbt Ivan Roubal im Alter von 64 Jahren an den Folgen einer Krankheit im Gefängnis. 2021 wird sein Fall in der Fernseh-Miniserie „Fall Roubal“ aufgearbeitet. Ob Roubal die Morde an Heppner und seiner Freundin sowie an Václav Horký verübt hat, ist bis heute unklar.
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