Eine neue Ausstellung im Herzen Prags zeigt Alfons Mucha von weniger bekannten Seiten. Bei der Eröffnung waren auch seine Enkelin Jarmila Mucha Plocková und seine Urenkelin Katarina Garcia.

Plakate von Alfons Mucha schmückten einst mein Zimmer, im Laufe der Zeit begegnete ich seinen Werken in München, Brüssel und New York. Nun zeigt eine neue Ausstellung in der Central Gallery am Prager Altstädter Ring den weltberühmten Jugendstilkünstler von weniger bekannten Seiten. Zu sehen sind Fotografien, seltene Lithografien und Illustrationen sowie Schmuck und Glasobjekte seiner Enkelin Jarmila Mucha Plocková. Ein Video des Fotografen Jan William Drnka dokumentiert zudem die Entstehung seiner großformatigen Aufnahmen des berühmten Slawischen Epos

„Für uns war es wichtig, Alfons Mucha in einem anderen Licht zu präsentieren, als man ihn üblich kennt. Deshalb findet man hier beispielsweise eine der ersten Illustrationen Muchas, die in einer Zeitschrift veröffentlicht wurde. Außerdem gibt es hier Arbeiten von seinen ersten Aufträgen. Dann gehen wir zu seinem Schaffen über, mit dem er die Bildsprache jener Zeit völlig verändert hat. Wir versuchen alle Facetten seines Schaffens abzudecken“, erklärt die Kuratorin der Schau, Helena Kočíková, die sich seit Jahren mit Mucha beschäftigt. 

Was würde sie persönlich hervorheben? „Das Zusammenspiel der Momente, seien es Muchas ikonische Plakate für Sarah Bernhardt oder einige Besonderheiten, wie der Ratgeber für werdende Mütter, den die tschechoslowakische Versicherungsanstalt Slavia herausgeben hat. Mucha schuf dafür Illustrationen, bei denen es um Dinge des alltäglichen Bedarfs für breite Bevölkerungsschichten ging, was ihm wichtig war.“

Von Werbegrafiken bis zu ikonischen Frauenfiguren: Die Ausstellung am Prager Altstädter Ring zeichnet die Vielseitigkeit von Alfons Muchas Werk nach.
Von Werbegrafiken bis zu ikonischen Frauenfiguren: Die Ausstellung am Prager Altstädter Ring zeichnet die Vielseitigkeit von Alfons Muchas Werk nach. Credit: Tomáš Rubín

Vom Großvater inspiriert

Teil der umfangreichen Präsentation sind auch Werke von Muchas Enkelin, der Architektin, Bildhauerin und Designerin Jarmila Mucha Plocková. Gegenüber dem LandesEcho betonte sie die Zeitlosigkeit im Werk ihres berühmten Großvaters: „Mucha lebt weiter, und es freut mich, dass das Interesse an ihm andauert. In den 1980er Jahren wurde ich von meinem Vater Jiří Mucha beauftragt, mich mit dem Vermächtnis von Alfons Mucha auseinanderzusetzen, und so wechselte ich von meinem Beruf als Architektin in den Beruf der Designerin. Das bereitet mir große Freude, denn Architektur hat mit Design vieles gemeinsam. So stellt für mich sogar ein Ring eine kleine Architektur dar. Der Beschäftigung mit Mucha möchte ich so lange nachgehen, solange ich die Kraft dazu habe, denn es ist eine großartige Sache.“ Besonders hebt sie die Konzeption der Kuratorin Helena Kočíková hervor, der eine einfallsreiche und zugleich intime Ausstellung gelungen sei.

Ursprünglich wollte Plocková Bildhauerin werden, schließlich entschied sie sich jedoch für Architektur. Doch eigentlich habe sie dadurch die Bildhauerei wiedergefunden, da sie alle Objekte selbst modelliert und auch dekorative Gegenstände gestaltet. Diesen ist ein ganzer Ausstellungsraum gewidmet. „Meine eigenen Entwürfe für Schmuck und Vasen sind mehr oder weniger zeitgenössisch, spiegeln aber auf subtile Weise die Zeit von Alfons Mucha wider.“ 

Inwiefern ist Muchas Vermächtnis bis heute aktuell? „Mucha kehrt in Wellen zurück und ist weltweit sehr beliebt. Es ist keine Kunst, die einen völlig irritiert. Seine Werke sind eine Wohltat für Auge und Seele. Sie werden immer wieder in unterschiedlichen Variationen zurückkehren“, so Plocková. Schon in den 1960er Jahren habe die Hippie-Bewegung Mucha für sich entdeckt: Seine floralen Motive, die harmonischen Formen und die Naturverbundenheit passten zur Ästhetik der Zeit. 

„Die Menschen finden darin Schönheit“

Was würde der berühmte Großvater wohl über ihre Kunst sagen? „Er hätte mich wahrscheinlich ein paar Mal zurechtgewiesen, aber ich glaube, er wäre froh darüber, dass jemand aus seiner Familie seine Werke schätzt und dass er eine Nachfolgerin in seiner Familie hat. Dazu gehört auch meine Tochter Katarina. Unsere Familie ist wie ein großer Roman.“

Katarina Garcia ist keine bildende Künstlerin, sondern Musikerin und Sängerin. Auch für sie gehört die Kunst ihres Urgroßvaters zur eigenen Familiengeschichte. „Seit meiner Kindheit war seine Kunst Teil unseres familiären Umfelds, und natürlich sind damit große Liebe und Verantwortung verbunden. Sein Werk ist zeitlos, weil es sehr verständlich und anmutig ist. Es strahlt eine Harmonie aus, die die Sinne nicht aufwirbelt, sondern beruhigt. Die Menschen finden darin Schönheit.“ Auch zu ihrem Großvater, dem Schriftsteller und Journalisten Jiří Mucha, findet Garcia heute einen neuen Zugang. „Ich habe Kindheitserinnerungen an ihn, aber da ich in Spanien aufgewachsen bin, haben wir uns nur gelegentlich in Prag oder Paris gesehen. Ich hatte großen Respekt vor ihm, und seine Lebenseinstellung entdecke ich allmählich durch seine Literatur.“

Mehr Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Landesecho-Ausgabe 9/2026

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