Tschechiens Landwirtschaft steht in diesem Jahr vor erheblichen Einbußen. Besonders Dürre und Hitze setzen dem Pflanzenbau zu, aber auch Milchbauern kämpfen mit hohen Kosten und vergleichsweise niedrigen Gewinnen.
Die Aussichten für die tschechische Landwirtschaft haben sich in diesem Jahr deutlich verschlechtert. Bei der Eröffnung von Tschechiens größter Landwirtschaftsmesse (Země živitelka) am 20. August 2026 verwies der Präsident der Agrarkammer, Jan Doležal, auf die Entwicklung sowohl im Pflanzen- als auch im Tiersektor. Hinzu kommen gestiegene Ausgaben für Kraftstoff und Düngemittel. Im vergangenen Jahr hatte der Gewinn der tschechischen Landwirtschaft nach Schätzungen des Landwirtschaftsverbandes noch 10,7 Milliarden Kronen (ca. 444 Millionen Euro) betragen. In diesem Jahr rechnet Doležal mit rund 20 Milliarden Kronen weniger Umsatz und bezeichnet die Ernte als die schlechteste seit 15 Jahren.
Dürre lässt Ernten schrumpfen
Besonders deutlich zeigen sich die Folgen des Wetters im Acker- und Gemüsebau. Nach ersten Schätzungen werden die Landwirte in diesem Jahr 17 Prozent weniger Getreide und rund ein Fünftel weniger Raps ernten. Als Ursachen gelten vor allem die anhaltende Trockenheit und die Sommerhitze, aber auch Spätfröste. Die erwarteten Umsatzeinbußen bei Getreide und Raps werden auf acht bis zehn Milliarden Kronen geschätzt.
Noch stärker dürfte der Gemüsebau betroffen sein. Nach Angaben des Gemüseverbands Böhmen und Mähren wird die Produktion wegen der Dürre voraussichtlich um rund 30 Prozent zurückgehen. Gleichzeitig müssen die Betriebe mehr für die Bewässerung ausgeben. Diese zusätzlichen Kosten können sie nach Angaben der Verbandsvorsitzenden Monika Nebeská jedoch kaum an die Verbraucher weitergeben, da sich die Preise an den europäischen und internationalen Märkten orientieren. Tschechien deckt seinen Gemüsebedarf derzeit zu etwa 35 Prozent aus eigener Produktion.
Auch Milchbauern unter Druck
Probleme gibt es auch in der Tierhaltung. Besonders angespannt ist die Lage im Milchsektor: Nach Angaben Doležals liegt der Einkaufspreis für Milch derzeit rund zwei Kronen (ca. acht Cent) unter den Produktionskosten. Dadurch entstehen den Erzeugern täglich Verluste von etwa 20 Millionen Kronen (ca. 830 Tausend Euro).
Zusätzlich wirkt sich die Trockenheit auf die Futtermittelversorgung aus. Nach Einschätzung der Lebensmittelkammer denken deshalb bereits einige Landwirte darüber nach, ihre Viehbestände zu verkleinern. Dies könnte im Herbst zunächst zu einem größeren Angebot und niedrigeren Fleischpreisen führen. Gleichzeitig wird für das Frühjahr ein umgekehrter Effekt erwartet, wenn weniger Schlachtvieh zur Verfügung steht.
Die Regierung kündigt angesichts der Entwicklung Unterstützung an. Landwirtschaftsminister Martin Šebestyán (parteilos, für SPD) verwies auf geplante außerordentliche Hilfen aus EU-Mitteln. Zudem sollen die Investitionen in die Wasserwirtschaft erhöht werden.




