Tschechien treibt den Ausbau der Kernenergie voran. Gemeinsam mit dem Energiekonzern ČEZ und dem britischen Unternehmen Rolls-Royce SMR sollen ab 2030 mehrere kleine modulare Atomkraftwerke entstehen. 

Tschechien plant den Bau mehrerer kleiner modularer Atomkraftwerke (Small Modular Reactors, SMR). Am 21. Juli unterzeichnete Industrieminister Karel Havlíček (ANO) in Großbritannien gemeinsam mit dem Energiekonzern ČEZ und dem britischen Unternehmen Rolls-Royce SMR eine Absichtserklärung über die Zusammenarbeit. Der erste Reaktor soll in der zweiten Hälfte der 2030er-Jahre neben dem Kernkraftwerk Temelín entstehen. Über den Zeitplan und weitere Standorte will die Regierung 2028 entscheiden. Als mögliche Standorte gelten unter anderem Dittmarsdorf (Dětmarovice) und Tušimice. 

Der von Rolls-Royce entwickelte Small Modular Reactor (SMR) basiert auf einem Druckwasserreaktor. Im Gegensatz zu herkömmlichen Kernkraftwerken werden große Teile der Anlage standardisiert in Fabriken vorgefertigt und anschließend am Standort montiert. Dieses Konzept soll die Bauzeit verkürzen und die Kosten neuer Kraftwerke senken.

Nach Angaben des Industrieministeriums soll jedes Rolls-Royce-SMR-Kraftwerk eine elektrische Leistung von 470 Megawatt (MW) erreichen – genug, um rund eine Million Haushalte mit Strom zu versorgen. Zum Vergleich: Ein einzelner Reaktorblock eines konventionellen Kernkraftwerks verfügt in der Regel über eine Leistung von 1000 bis 1400 Megawatt.

Skizze des Rolls-Royce-SMR. Credit: Rolls-Royce SMR

Teil der Energiereform

Bereits 2024 erwarb der Energiekonzern ČEZ für rund sechs Milliarden Kronen (etwa 248 Millionen Euro) einen Anteil von 20 Prozent an Rolls-Royce SMR. Damit beteiligte sich das Unternehmen nicht nur finanziell, sondern sicherte sich zugleich eine strategische Partnerschaft für den geplanten Bau von sechs modularen Reaktoren mit einer Gesamtleistung von drei Gigawatt in Tschechien. Nach Angaben Havlíčeks soll der tschechische Staat mit der Verstaatlichung des Produktionsbereichs von ČEZ künftig nicht nur die Stromerzeugung, sondern auch diese strategischen Partnerschaften kontrollieren.

Von der Zusammenarbeit verspricht sich die tschechische Regierung mehr Energiesicherheit und eine stärkere Wettbewerbsfähigkeit. Die SMRs sollen vor allem dazu beitragen, die Kohlekraftwerke zu ersetzen, die spätestens bis 2033 stillgelegt werden sollen. Rolls-Royce SMR plant darüber hinaus bis 2050 den Bau von Dutzenden Reaktoren in Europa. Davon könnte auch die tschechische Industrie profitieren, die aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung im Kernenergiesektor als Produktionspartner infrage kommt.

Hohe Kosten und Umweltbedenken

Derzeit sind weltweit erst zwei kleine modulare Reaktoren in Betrieb – einer in China und einer in Russland. Weitere rund 70 Projekte befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsstadien, von der Standortvorbereitung bis zum Testbetrieb. Ein Reaktor des Typs Rolls-Royce SMR ist bislang noch nicht in Betrieb. Die erste Anlage soll im nordwalisischen Wylfa entstehen und Anfang der 2030er-Jahre ans Netz gehen.

Als eine der größten Herausforderungen gelten die hohen Entwicklungskosten. Experten gehen davon aus, dass sich die erhofften Kostenvorteile erst dann einstellen, wenn Hunderte oder sogar Tausende identische Reaktormodule in Serienfertigung hergestellt werden.

Kritik kommt auch von Umweltorganisationen. Sie warnen, dass die Kühlwasserversorgung von Kernkraftwerken durch den Klimawandel zunehmend beeinträchtigt werden könnte. Als Beispiel verweisen sie auf das Kernkraftwerk Paks in Ungarn, das aufgrund des niedrigen Wasserstands der Donau seine Leistung zeitweise reduzieren beziehungsweise den Betrieb einschränken musste. Zudem ist die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle weiterhin ungelöst.

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