Bei seinem Besuch in Berlin hat sich Tschechiens Präsident Petr Pavel mit Bundeskanzler Friedrich Merz über die europäische Sicherheit und die deutsch-tschechischen Beziehungen ausgetauscht. Beide Politiker sprachen sich für eine Fortsetzung der Unterstützung der Ukraine aus. Auch gemeinsame Infrastrukturprojekte standen auf der Tagesordnung.

Bei dem Treffen am Mittwoch, den 21. Oktober, im Bundeskanzleramt stand der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine im Mittelpunkt. Pavel warnte davor, die Unterstützung für das angegriffene Land einzustellen. Dies würde Russland lediglich ermutigen, seine aggressive Politik fortzusetzen. „Deutschland ist ein entschiedener Verfechter der Ansicht, dass die Unterstützung für die Ukraine fortgesetzt werden muss, wenn wir nicht noch größere Probleme bewältigen wollen, als wir sie heute haben“, erklärte der tschechische Präsident vor Journalisten.

Pavel bezeichnete Russland als derzeit größte Bedrohung für die europäische Sicherheit. Moskau führe nicht nur Krieg gegen die Ukraine, sondern betreibe auch hybride Operationen gegen andere europäische Staaten. Allein im vergangenen Jahr habe es mehrere Hundert solcher Vorfälle gegeben, darunter auch in Tschechien. Merz hatte ebenfalls vor russischen Versuchen gewarnt, europäische Gesellschaften zu destabilisieren.

Engere Zusammenarbeit bei Sicherheit und Infrastruktur

Neben der Ukraine sprachen Pavel und Merz über eine Vertiefung der deutsch-tschechischen Sicherheitskooperation. Dabei ging es unter anderem um eine stärkere Abstimmung bei der Luftverteidigung sowie um die Versorgungssicherheit bei Energie, Rohstoffen und Lebensmitteln. Pavel betonte, dass nicht jeder europäische Staat sämtliche Luftverteidigungssysteme selbst beschaffen müsse. Stattdessen sollten die Länder enger zusammenarbeiten.

Auch der Ausbau der Verkehrsverbindungen zwischen beiden Ländern war Thema. Pavel begrüßte insbesondere die Fortschritte bei der geplanten Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Prag und Dresden, zu der auch ein Tunnel durch das Erzgebirge gehört.

Der tschechische Präsident hält sich zu einem zweitägigen Arbeitsbesuch in Berlin auf. Am Donnerstag, den 22. Oktober, nimmt er an der internationalen Konferenz „Berlin Global Dialogue“ teil, wo er über die Zukunft der europäischen Sicherheit spricht.

Die politischen Kontakte zwischen Prag und Berlin sollen in den kommenden Monaten fortgesetzt werden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird am 1. Dezember 2026 in Prag erwartet. Bundeskanzler Friedrich Merz plant Anfang 2027 ebenfalls einen Besuch in Tschechien. Es wäre sein erster Besuch dort seit seinem Amtsantritt.

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