Die neue tschechische Regierung will das geplante Hochgeschwindigkeitsnetz nicht wie bisher vorgesehen umsetzen, sondern zunächst auf wirtschaftliche und technische Machbarkeit prüfen. Besonders im Fokus steht die viel diskutierte Verbindung zwischen Prag und Dresden, deren Zukunft nun offener ist als zuvor.
Die tschechische Regierung hat angekündigt, das geplante Hochgeschwindigkeitsnetz nicht automatisch umzusetzen, sondern die Finanzierbarkeit und Machbarkeit aller geplanten Streckenabschnitte gründlich zu überprüfen. Dies betrifft auch die international besonders beachtete Verbindung zwischen Dresden und Prag, die bislang als Leuchtturmprojekt galt. Verkehrsminister Ivan Bednárik (für SPD) nannte Bedenken über die finanzielle Belastung für den Staatshaushalt, falls das Hochgeschwindigkeitsnetz in der bisher geplanten Form umgesetzt würde. Laut aktuellen Schätzungen könnten sich die Investitionskosten über die Jahre auf mehrere Milliarden Euro belaufen, was angesichts hoher Defizite als problematisch gilt.

Hoffnung auf EU-Fördermittel
Laut Verkehrsminister Bednárik hänge die Realisierung nun vor allem von der EU-Förderung ab: „Wir warten jetzt auf die Antwort der Europäischen Kommission, wie viel kofinanziert wird. Diese Antwort werden wir irgendwann im Sommer bekommen. Jetzt sind da ungefähr 269 Millionen Euro für die Projektvorbereitung bereitgestellt. Das sind 8,3 Milliarden Kronen, was für die EU-Mitgliedstaaten nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Allein wir haben vier Milliarden für die Vorbereitung von Hochgeschwindigkeitsstrecken in der Tschechischen Republik ausgegeben. Wir müssten die Hälfte dieses Budgets in Anspruch nehmen.“
Die Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Prag und Dresden ist Teil eines langfristigen Vorhabens, das Reisezeiten zwischen den beiden Städten von derzeit rund zweieinhalb Stunden auf etwa eine Stunde reduzieren soll. Kernstück ist dabei der geplante Tunnel durch das Erzgebirge, der eine direkte und schnelle Verbindung ermöglichen würde. Die Vorplanung dieses Projekts ist bereits weit fortgeschritten: Die zweite Phase der Planung für den Tunnel und die Trassenführung wurde dem Deutschen Bundestag vorgestellt und gilt als zentraler Bestandteil der angestrebten europäischen Schienenachse zwischen Berlin, Prag und Wien. Mit einer Inbetriebnahme war bisher frühestens Ende der 2030er Jahre gerechnet worden.
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