Mehr als 80 Jahre nach dem Verschwinden des Dorfes Brettmühl (Pila) ist dort wieder ein Stück Leben eingekehrt. Freiwillige und die Gemeinde Breitenbach (Potůčky) haben an der Stelle des historischen Freibads wieder ein Wasserbecken hergestellt. Offiziell handelt es sich zwar nicht um ein Freibad – baden dürfen Besucher dennoch auf eigene Verantwortung.
Mitten in den Wäldern des Erzgebirges ist ein Ort wieder sichtbar geworden, der jahrzehntelang von der Natur überwuchert war. Die Gemeinde Breitenbach (Potůčky) hat gemeinsam mit engagierten Helfern an der Stelle eines mehr als hundert Jahre alten Naturbads im untergegangenen Dorf Brettmühl (Pila) ein Wasserbecken wiederhergestellt. Die Anlage befindet sich nur wenige Kilometer von der deutsch-tschechischen Grenze entfernt und soll das landschaftlich reizvolle Gebiet im Erzgebirge weiter aufwerten.
Den Anstoß für das Projekt gab nach Angaben von Bürgermeister Vlastimil Ondra die Betreiberin eines kleinen Bistros in Brettmühl. Nachdem Milada Dáňová ihren Betrieb eröffnet hatte, schlug sie vor, gemeinsam mit freiwilligen Helfern das ehemalige Schwimmbecken freizulegen. Sie entfernten den Fichtenbewuchs, räumten Steine und die Reste alter Mauern aus dem Becken. Anschließend stellte die Gemeinde finanzielle Mittel bereit, um gefährliche Mauerreste zu beseitigen und den verschlammten Beckenboden auszuräumen.
Bei einem ersten Probeanstau zeigte sich jedoch, dass der Damm undicht war. Deshalb ließ die Gemeinde die Ufer neu modellieren und das Becken mit einer speziellen Folie abdichten. Finanziert wurden sämtliche Arbeiten mit Kosten in Höhe von etwa zwei Millionen Kronen (ca. 82.000 Euro) aus dem Gemeindehaushalt, Fördermittel kamen nicht zum Einsatz.
Offiziell kein Freibad – baden auf eigene Gefahr aber möglich
Offiziell handelt es sich jedoch nicht um ein öffentliches Freibad mit Badebetrieb. Der Bürgermeister weist darauf hin, dass in Medienberichten teilweise ein falscher Eindruck entstanden sei. „Die Gemeinde Potůčky hat kein Freibad gebaut, sondern lediglich ein Wasserbecken an dem Ort, an dem sich früher ein Freibad befand“, erklärte Ondra auf Anfrage gegenüber dem LandesEcho. Ein regulärer Badebetrieb würde heute umfangreiche Investitionen in Sanitäranlagen, Umkleiden, Wasseraufbereitung und Personal erfordern. Solche Pläne verfolge die Gemeinde derzeit nicht.
Das Wasserbecken dient offiziell als landschaftsgestalterisches Element und zugleich als Löschwasserreservoir für die Feuerwehr bei möglichen Waldbränden. Besucher können dort zwar baden, dies geschieht jedoch ausschließlich auf eigene Gefahr.
Die Gemeinde möchte das Areal in den kommenden Jahren weiter aufwerten. Geplant sind unter anderem eine Quelle, ein Pavillon mit Sitzgelegenheiten sowie eine solarbetriebene Anlage, mit der Wasser aus einem bereits vorhandenen Tiefbrunnen gefördert werden soll. Außerdem sind weitere landschaftspflegerische Maßnahmen vorgesehen. Nach Angaben des Bürgermeisters plant auch der staatliche Forstbetrieb den Bau einer kleinen Kapelle. „Wir glauben, dass dieser wunderschöne Ort dadurch noch attraktiver wird und sich zu einem beliebten Ausflugsziel im Erzgebirge entwickelt“, sagt Ondra.
Erinnerung an ein verschwundenes Dorf
Brettmühl gehörte einst zu mehreren kleinen Siedlungen im Erzgebirge. Anfang des 20. Jahrhunderts bestand der Ort aus sechs Häusern und einer Kapelle. Dazu gehörte auch ein Freibad, das laut Angaben des Bürgermeisters Ondra vermutlich im Jahr 1911 gebaut wurde, ein offizieller Nachweis sei in Archiven nicht auffindbar. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand das Dorf vollständig. Um das Jahr 1946 wurde die Siedlung nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung abgerissen.

Breitenbach liegt unmittelbar an der Grenze zu Sachsen gegenüber der Stadt Johanngeorgenstadt. Das ehemalige Dorf Brettmühl befindet sich nur rund zwei Kilometer von Deutschland entfernt und ist damit auch für grenzüberschreitende Ausflüge leicht erreichbar.




