Angesichts der jüngsten Eskalation der Gewalt im Nahen Osten reagiert die tschechische Regierung mit der Entsendung von Evakuierungsfliegern nach Ägypten und Jordanien, um tschechische Staatsbürger aus dem Krisengebiet zurückzuholen.
Nachdem sich die Lage durch militärische Auseinandersetzungen zwischen israelischen und iranischen Kräften sowie weiterer regionaler Akteure weiter verschärft hat, kam am Montagmorgen der Nationale Sicherheitsrat in Prag zusammen, um die Lage und mögliche Repatriierungsmaßnahmen zu beraten. „Wir werden sehen, wie sich die Lage entwickelt, und hoffen, dass der Konflikt nicht lange andauern wird“, sagte Premierminister Andrej Babiš nach der Sitzung am Montagvormittag.
Die tschechische Regierung konzentriert sich nach eigenen Angaben auf rund 6700 Menschen, die sich derzeit laut dem tschechischen Warn- und Registrierungsdienst DROZD im Nahen Osten aufhalten. Um ihnen die Rückkehr nach Tschechien zu ermöglichen, sollen mehrere Maschinen bereitgestellt werden, die tschechische Staatsbürger aus verschiedenen Ländern der Region ausfliegen. Nach Mitteilung von Premierminister Andrej Babiš (ANO) ist geplant, dass ein tschechischer Regierungs-Airbus am frühen Nachmittag ins ägyptische Scharm el-Scheich abhebt und dort im Laufe des Abends wieder nach Prag zurückkehrt. „Wenn noch Platz übrig ist, werden wir diesen Platz der Slowakei oder anderen Ländern für die Rückführung ihrer Bürger anbieten“, so Babiš laut dem Nachrichtenserver irozhlas. Ebenfalls sind Flüge nach Amman in Jordanien vorgesehen, von wo aus weitere Bürger abgeholt werden sollen.
Ausreise aus sicheren Nachbarländern
Wegen der geschlossenen nationalen Lufträume, insbesondere über Israel, müssen tschechische Reisende zunächst über Land nahegelegene Abflughäfen in sichereren Nachbarländern erreichen. So sollen nach Regierungsangaben rund 79 Menschen aus Israel per Bus über die Grenze nach Ägypten gebracht werden, um dort an Bord der Evakuierungsflüge gehen zu können. Die tschechische Botschaft in Tel Aviv unterstützt diese Transporte, die angesichts der regionalen Sicherheitssituation mehrere Stunden dauern können, ehe die Maschinen zur Rückkehr starten.
Parallel dazu organisieren auch zivile Fluggesellschaften wie Smartwings zusätzliche Flüge aus dem Oman, der derzeit von vielen Reisenden als relativ sicherer Zwischenstopp genutzt wird, um von dort aus nach Europa zurückzukehren. Insgesamt sollen an einem Tag bis zu vier Smartwings-Flugzeuge in den Oman fliegen, um dort gestrandete tschechische Passagiere sowie Kunden der Airline aufzunehmen und nach Prag bzw. Mitteleuropa zurückzubringen.
Außenminister Petr Macinka (Motoristé) und andere Regierungsvertreter empfehlen trotz der Organisation von Rückführungsflügen, vor Ort in sicheren Unterkünften zu bleiben, solange die äußeren Bedingungen keine risikolose Abreise ermöglichen. Gleichzeitig sind Austausch und Koordination mit EU-Partnerstaaten im Gange, um gemeinsame Evakuierungsaktionen zu optimieren und mögliche Kapazitäten auch für andere europäische Staatsbürger zu nutzen.
Keine Erhöhung der Terrorwarnstufe in Tschechien
Die Regierung hat angesichts der Ereignisse im Nahen Osten die Terrorwarnstufe nicht erhöht. Es liegen keine Informationen über eine mögliche Bedrohung der Tschechischen Republik vor, erklärte Innenminister Lubomír Metnar (ANO) nach der Kabinettssitzung am Montag. Er fügte hinzu, dass die Polizei die Sicherheitsvorkehrungen bei Radio Free Europe, an Orten, die in Zusammenarbeit mit der jüdischen Gemeinde ausgewählt wurden, sowie bei diplomatischen Einrichtungen der USA, Israels und Palästinas verstärkt habe. „Die Lage in der Tschechischen Republik ist stabil“, erklärte Metnar. „Sie werden vermehrt Polizisten mit ballistischer Schutzausrüstung und Langwaffen sehen“, teilte er der Öffentlichkeit mit.




