Foto: Festung Spielberg

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt beendete zum 1. April die parlamentarische Enquete-Kommission zur Ästhetisierung des äußeren Erscheinungsbildes der Tschechischen Republik ihre Arbeit. Nach jahrelangem Tauziehen um Einzelheiten wurden nach dem Besuch des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping nun plötzlich Nägel mit Köpfen gemacht.

Die Vorschläge der überparteilichen Kommission könnten auch für das deutsch-tschechische Verhältnis schwerwiegende Folgen haben. So steht beispielsweise eine modernere Grenzziehung nach amerikanischem Vorbild ganz oben auf der Agenda. Gerade Linien dominieren die eingereichten Skizzen. Nur mit klarer Kante könne man das Staatsgebiet auch wirklich bis in den letzten Winkel optimal nutzen, heißt es dazu. Zustimmung wurde bereits von den Polizeibehörden Bayerns und Sachsens signalisiert, die sich eine einfachere Strafverfolgung entlang der schnurgeraden Grenze erhoffen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Wahrnehmung Tschechiens als fahrradfeindliches Land. Gerade in Prag hindern die gleich sieben Hügel, auf denen die Hauptstadt vor einiger Zeit weltfremd erbaut wurde, Fahrradfahrer daran, eine angenehme und konstante Reisegeschwindigkeit zu erreichen. Chinesische Baukonzerne haben ihre beim Bau der Drei-Schluchten-Talsperre gewonnene Expertise beim Planieren von Ortschaften und Auffüllen von unnötigen Tälern angeboten, um diesem Missstand ein Ende zu bereiten.

Während der Bauphase wird Prag natürlich zwangsläufig etwas lauter, staubiger und touristisch unattraktiver werden. Um einem Touristenschwund vorzubeugen, sehen die Pläne eine zwischenzeitliche Umbenennung Brünns in Prag vor. So können die ausländischen Besucher geschickt an der Baustelle vorbeigelotst werden. Speziell geschulte Fremdenführer deklarieren dann die Festung Spielberg zur Prager Burg, den „Schwarzen Bären“ zum „U Fleků“ und das Reiterstandbild Jobsts von Mähren einfach zum Heiligen Wenzel um.

Obwohl die eingereichten Vorschläge der Kommission nicht verbindlich sind, gehen Experten davon aus, dass bereits zum 1. April nächsten Jahres mit dem Bau begonnen werden wird, sollte es an diesem Tag nicht regnen. Sonst müssten die Pläne wegen höherer Gewalt wohl um ein Jahr verschoben werden.

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