Während international vor einer möglichen Knappheit von Flugbenzin gewarnt wird, sieht sich Tschechien für die kommende Reisesaison ausreichend versorgt. Nach Angaben von Industrieminister Karel Havlíček (ANO) sind die Lieferungen von Kerosin vertraglich abgesichert.

Hintergrund der Sorgen ist die angespannte Lage auf den Energiemärkten infolge des Konflikts im Nahen Osten. Experten warnen, dass Europa bei anhaltenden Einschränkungen der Öltransporte nur über begrenzte Kerosinreserven verfügen könnte.

Versorgung im Inland stabil

In Tschechien gibt es bislang keine Hinweise auf Engpässe. Branchenvertreter berichten von stabilen Lieferketten, auch die Raffinerien arbeiten ohne Einschränkungen. Orlen Unipetrol, Tschechiens wichtigster Anbieter für Flugtreibstoff, erfüllt nach Angaben des Branchenverbands seine Lieferverpflichtungen. Ein Teil des Bedarfs wird zusätzlich durch Importe gedeckt. „Was die Verträge angeht, sollten unsere Treibstofflieferungen für die Luftfahrt in den kommenden Monaten unter Kontrolle sein“, versicherte Havlíček.

Auch am Prager Flughafen bleibt die Lage entspannt: Die Lagertanks sind derzeit nahezu vollständig gefüllt. Havlíček schließt indirekte Auswirkungen jedoch nicht aus. So könnten ausländische Fluggesellschaften bei Treibstoffengpässen in anderen Ländern einzelne Verbindungen nach Tschechien streichen.

Europa unter Druck

International zeichnet sich ein deutlich angespannteres Bild ab. Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt, dass die Kerosinvorräte in Europa bei anhaltenden Störungen der Lieferketten innerhalb der nächsten sechs Wochen aufgebraucht sein könnten. Sollten die Ölexporte durch die Straße von Hormus nicht rasch wieder anlaufen, rechnen Experten mit steigenden Kosten, möglichen Flugausfällen und Belastungen für die Weltwirtschaft.

Fliegen wird teurer

Die angespannte Lage wirkt sich bereits auf die Preise aus. Fluggesellschaften erhöhen Zuschläge oder passen Ticketpreise an, um die gestiegenen Treibstoffkosten auszugleichen. Auch tschechische Anbieter beobachten die Entwicklung genau und schließen zukünftige Anpassungen nicht aus.

Für Reisende bedeutet das: Während die Versorgung im Inland derzeit gesichert scheint, könnten internationale Entwicklungen die Flugpreise und Verbindungen in den kommenden Monaten dennoch spürbar beeinflussen. Im vergangenen Jahr gaben Tschechen im Schnitt rund 37.000 Kronen (ca. 1500 Euro) pro Person für Auslandsreisen aus. Für vergleichbare Urlaube müssen sie in diesem Jahr etwa zehn Prozent mehr einplanen, vor allem wegen der gestiegenen Öl- und Gaspreise und einer gestiegenen Nachfrage.

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