Nirgendwo sonst ist das Bier so gut wie in der Tschechischen Republik. Und was könnte besser dazu passen als Utopenci (wörtlich „Ertrunkene“)? Unsere LandesBloggerin Kseniia ist fasziniert von diesem beliebten tschechischen Snack und verrät, wie man sie am besten zubereitet.

Die Legende über den Ursprung der „Utopenci“ ist recht unterhaltsam. Sie erzählt, dass der Müller und Besitzer eines Bierrestaurants, Herr Šamánek aus Beraun (Beroun), der Erfinder der „Utopenci“ gewesen sein soll. Er wollte die Würste ohne Kühlung frisch halten, damit seine Gäste sie auch noch einen Monat nach der Herstellung genießen konnten. So kam Herr Šamánek auf die Idee, die Würste zu marinieren. Über die Herkunft der Bezeichnung „Utopenci“ kursieren verschiedene Legenden. Einige sagen, Herr Šamánek habe sich beim Versuch, das Mühlrad zu reparieren, ertränkt. Nach einer Weile gab das Wasser den Körper des Ertrunkenen frei und die Einheimischen begannen, Herrn Šamánek „utopenec“ (tschechisch für „Ertrunkener“) zu nennen. Einer anderen Legende zufolge rühre der Name daher, dass Herr Šamánek die Würste in Salzlake ertränkte und sie selbst „Utopenci“ nannte. Egal, welche Version der Legende nun wahr ist, die Tschechen verzehren sie seit mehr als einem Jahrhundert mit Freude bei einem kalten Bier.

Für alle Geschmäcker etwas dabei

Nicht nur in den meisten tschechischen Restaurants und Kneipen, sondern auch zu Hause werden die Utopenci mit Bier serviert. Aber es gibt auch jene, die zu dieser Vorspeise gerne einen Sliwowitz trinken. Zusammen mit Erbsbrei oder Kartoffelpüree sind die Utopenci ein herzhaftes Abendessen. In tschechischen Familien kann man auf verschiedene Rezepte stoßen, die sich ähneln und gleichzeitig voneinander unterscheiden. Man kann Hunderte von Rezepten im Internet finden, die auf jeden Fall lecker sind. Einige verwenden etwas andere Zutaten und Gewürze. Andere experimentieren lieber und fügen Kohl oder Chili hinzu. Ich habe auch Rezepte gefunden, bei denen die Marinierzeit fast halbiert wird. Zu den Hauptzutaten gehören aber auf jeden Fall gute Würste und Zwiebeln.

Utopenci mit Senf und Zwiebeln

Die Utopenci mit Senf und Zwiebeln. Foto: Kseniia Pulargina

Jetzt wollen wir lernen, wie man Utopenci zubereitet

Während der einer Sommerschule in Prag im Juli 2022 hatte ich das Glück, durch die Teilnahme an einem interessanten Workshop zu lernen, wie man „Utopenci“ herstellt. Ich möchte das Rezept gerne mit Ihnen teilen. Wir brauchen:

  • 8 Würste (der tschechische Klassiker für dieses Rezept heißt „špekáčky“),
  • 200 ml Essig (9 %),
  • 150 ml kochendes Wasser,
  • 5 schwarze und 5 rote Pfefferkörner,
  • 1 TL Zucker,
  • 1 EL Salz,
  • 7 EL Senf,
  • 1 EL Sonnenblumenöl,
  • 3 Zwiebeln,
  • 4 Chilischoten (rot und grün),
  • 5-7 Knoblauchzehen.

Zuerst müssen wir eine Marinade aus Wasser, Essig, Salz, Zucker und Sonnenblumenöl herstellen. Alle aufgeführten Zutaten mischen und die Marinade beiseitelegen. Dann Zwiebeln in Ringe schneiden. Nun die Würste zubereiten. Auf einer Seite jede Wurst mit einem Messer so einschneiden, dass eine „Tasche“ entsteht. Dann die Wurst mit Senf bestreichen und mit Zwiebelringen füllen. Nun alles in ein Schraubglas schichten, wobei die erste Schicht aus einigen gefüllten Würsten und die zweite Schicht aus Chilischoten und Knoblauchzehen besteht.

Dann die Marinade in das Schraubglas füllen, abdecken und für 10-14 Tage stehen lassen. Je länger die Utopenci mariniert werden, desto schmackhafter und intensiver werden sie. Das Glas sollte an einem kühlen Ort oder im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Nach zwölf Tagen kamen wir wieder in der Sommerschule zusammen, um unsere selbstgemachten Utopenci mit Bier zu probieren. Dazu gab es auch ein Bier Quiz (Pivní Quiz), bei dem wir verschiedene Fakten über tschechisches Bier erraten mussten.

Kseniia macht Utopenci

Kseniia bereitet Utopenci zu. Foto: Archiv von Kseniia Pulargina


Kseniia PularginaHallo, liebe Leserinnen und Leser,

ich heiße Kseniia Pulargina und genieße meinen zweiten Aufenthalt in der Tschechischen Republik. Ich finde dieses Land so spannend und attraktiv und ich wollte schon immer hier wohnen, um mich in die tschechische Atmosphäre einzufühlen. Nun habe ich diese Möglichkeit erhalten, da ich im Rahmen meines Studiums der Osteuropastudien an der Universität Hamburg ein Pflichtpraktikum beim LandesEcho in Prag absolviere. Ursprünglich stamme ich aus der russischen Stadt Samara an der Wolga.

Ich bin sehr aufgeregt wegen dieser Praktikumsstelle und ich freue mich, neue Erfahrungen zu sammeln, Informationen zu recherchieren und meine Ideen mit Ihnen zu teilen. Das ist eine gute Chance, die tschechische Kultur und die deutsche Minderheit kennenzulernen.

 

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