Libuše Šafránková als Aschenbrödel. Foto: ČTK Imago Stock People
Libuše Šafránková als Aschenbrödel. Foto: ČTK Imago Stock People

Wenn Sie in den vergangenen Tagen und Wochen auf TikTok und Instagram unterwegs waren, haben Sie es vielleicht schon bemerkt. Alle Welt tanzt zur Musik aus dem Märchenfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, allerdings in einer Techno-Version. Was hat es damit auf sich?

Als DJ Felix Harrer am 3. Dezember seinen neusten Mix auf die soziale Plattform TikTok hochlud, ahnte er wahrscheinlich noch nicht, welchen neuen Trend er damit auslösen würde. In dem inzwischen millionenfach aufgerufenen, etwa 20-sekündigen Video zeigt der bärtige junge Mann seiner Schwester seine neuste Techno-Kreation: einen Remix der Musik aus dem beliebten Märchenfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“.

Das Video – ein gemeinsames Projekt mit dem Produzenten Raupé – ging viral. Inzwischen kommt es auf TikTok auf fast 7 Millionen Aufrufe, der Hashtag #dreihaselnüssefüraschenbrödel hat über 68 Millionen Aufrufe.

Unzählige Nutzer auf TikTok und Instagram nutzen die Musik anschließend für ihre eigenen Videos. Wer bis dato geglaubt hat, Techno und Besinnlichkeit würden nicht zusammenpassen – weit gefehlt! Felix Harrer ist selbst von dem Erfolg überrascht, was er in einem zweiten Video thematisiert.

Bei der Musik handelt es sich übrigens um den „Königlichen Ball I“, komponiert von Karel Svoboda (1938-2007). Geschaffen hat dieser unter anderem auch die Musik zu den Zeichentrickserien „Biene Maja“ oder „Wickie und die starken Männer“.

Warum ist „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ so erfolgreich?

Den ungebrochenen Erfolg des Märchen-Kultfilms von Václav Vorlíček (1973) erklärte die Bohemistin und Geschäftsführerin des Adalbert Stifter Vereins Zuzana Jürgens kürzlich im Bayerischen Rundfunk. Vor allem hänge der Erfolg damit zusammen, dass sich das Drehbuch nicht an der Vorlage der Gebrüder Grimm, sondern an einer Adaption der tschechischen Schriftstellerin Božena Němcová orientiere.

„In dem slowakischen Märchen lädt der Prinz nicht in ein Schloss, die Begegnungen zwischen Aschenbrödel und ihm finden bei Kirchgängen statt. Und obwohl der Vater von Aschenbrödel – anders als in der Märchenvorlage – nicht mehr lebt, ist er dennoch präsent. Er hat ihr viel beigebracht, etwa Reiten und Schießen. Aschenbrödel tritt der bösen Stiefmutter sehr unerschrocken entgegen. Das ist im Märchen-Original nicht so und auch in anderen Bearbeitungen nicht, etwa in Disneys ‚Cinderella‘, das komplett märchenhaft ist und einer ‚klassischen‘ Rollenverteilung folgt“, erklärte Jürgens im Bayerischen Rundfunk.

Außerdem würde der Film einer kritischen Bewertung des heutigen Zeitgeists standhalten. Aschenbrödel, verkörpert von der im Juni 2021 verstorbenen Libuše Šafránková, fügt sich nicht in traditionelle Geschlechterrollen und verkleidet sich beispielsweise als Jäger, um zu testen, ob der Prinz ihrer würdig ist.

Für viele ist klar: „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ gehört untrennbar zum Weihnachts-Familienprogramm dazu. Die Beliebtheit geht über Generationen hinweg. In diesem Jahr feierte der Film sein 50-jähriges Jubiläum.

Sendetermine für „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“

Wer Techno-Beats nicht viel abgewinnen kann und sich den Märchenklassiker lieber mit der originalen Filmmusik von Karel Svoboda ansehen möchte, hat in diesen Tagen noch mehrere Gelegenheiten dafür:

Sonntag, 24. Dezember 2023, um 10.50 Uhr in ORF 1
Sonntag, 24. Dezember 2023, um 13.15 Uhr im Ersten
Sonntag, 24. Dezember 2023, um 15.15 Uhr im NDR
Sonntag, 24.Dezember 2023, um 20.15 Uhr im WDR
Montag, 25.Dezember 2023, um 09.40 Uhr im Ersten
Montag, 25.Dezember 2023, um 16.40 Uhr im MDR
Montag, 25.Dezember 2023, um 23.00 Uhr im SWR
Dienstag, 26.Dezember 2023, um 16.35 Uhr im rbb
Sonntag, 31.Dezember 2023, um 12.00 Uhr im KiKA
Sonntag, 31.Dezember 2023, um 20.15 Uhr im hr
Samstag, 06. Januar 2024, um 11.15 Uhr im BR

Zusätzlich ist der Film auch bei den Streamingdiensten Netflix, Prime Video, Paramount+, ARD Plus sowie in der MagentaTV Megathek im Angebot.

Schon gewusst? Während die Musik in der deutschen Filmversion instrumental gehalten ist, ist in der tschechischen Version auch Karel Gott zu hören.

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