Die meistbefahrene Autobahnstrecke Tschechiens und zentrale Zufahrtsstraße nach Prag wird seit letztem Wochenende umfassend saniert. Bis 2026 sollen die Arbeiten an der Barrandov-Brücke (Barrandovský most) andauern. Das befürchtete Verkehrschaos blieb trotz erheblicher Einschränkungen in den ersten Tagen aus.

Bis zu 150.000 Autos fahren jeden Tag über den zentralen Verkehrsknotenpunkt, um die Moldau zu überqueren. Die Barrandov-Brücke (Barrandovský most) ist der meistgenutzte Autobahn-Abschnitt in ganz Tschechien und vor allem für den Pendelverkehr nach Prag von zentraler Bedeutung.

Vier Jahre Sanierung

In Prag begannen am 14. Mai am vergangenen Wochenende die Bauarbeiten zur Sanierung der Barrandov-Brücke. Die Arbeiten werden voraussichtlich insgesamt vier Jahre in Anspruch nehmen, aufgeteilt auf mehrere Phasen. Die erste und aktuelle Phase soll planmäßig am 2. September beendet werden. Über die gesamte Zeit der Arbeiten hinweg sollen je zwei Spuren gesperrt und saniert werden. Damit verengt sich die jeweils vierspurige Fahrbahn auf drei Spuren pro Fahrtrichtung. Da es auf dieser Brücke zu Berufsverkehrszeiten immer zu Stauungen kommt, ist mit größeren Beeinträchtigungen als gewohnt zu rechnen.

Vor allem die ersten Tage der aktuellen Sanierungsphase sind für den Prager Verkehr kritisch. Von der aus Süden kommenden wichtigen Zufahrtsstraße Strakonická ist in dieser Zeit keine Auffahrt auf die Brücke möglich. Diese ist komplett gesperrt, da in der ersten Bauphase die Strakonická-Auffahrtsrampe abgerissen und erneuert wird. Dadurch kommt es auch zu erheblichen Einschränkungen auf der darunterliegenden Unterführungsstraße, welche momentan nur einspurig befahrbar ist.

Verkehrskollaps blieb bisher aus

Diese besonders starke Einschränkung wurde in Tschechien mit großer Skepsis erwartet, einige befürchteten ein Verkehrschaos und das Erliegen des Pendelverkehrs. Die Online-Zeitung Seznam Zprávy bespielte in den ersten Tagen sogar einen live-Blog, der die aktuellen Verkehrsentwicklungen abdeckte. Der befürchtete Verkehrskollaps blieb allerdings bisher aus.

Am Mittwochmorgen gegen sechs Uhr etwa begann sich der Verkehr auf der betroffenen Straße zu stauen, um neun Uhr wurde der Stau bereits kürzer. Auch im ÖPNV kam es zu keinen unvorhergesehenen Beeinträchtigungen, bisher sei es zu keinen Verspätungen im Busverkehr gekommen, wie das Tschechische Fernsehen (Česká televize) berichtete.

Umstieg auf den ÖPNV und Umfahrungen

Der Grund für die relativ normalen Verkehrsverhältnisse ist vermutlich, dass sich die betroffenen Pendler frühzeitig nach Alternativen umgesehen haben sowie die gezielte Stärkung öffentlicher Alternativen durch die zuständigen Behörden. „Wir müssen sagen, dass sich die Fahrer wirklich sehr diszipliniert und rücksichtsvoll verhalten und die Intensitäten gering sind. (…) Einige Leute sind auf andere Verkehrsmittel umgestiegen – Züge oder Busse“, so Barbora Lišková, Sprecherin der Technischen Straßenverwaltung (TSK) in Prag zum Tschechischen Fernsehen.

Die offizielle Umleitung führt entlang der Prager Ringstraße. Es empfiehlt sich, die Moldau frühzeitig über den Autobahnring zu überqueren. Alternativ können auch die Brücken direkt im Prager Zentrum genutzt werden. Von der Strakonická ist keine Auffahrt auf die Brücke möglich, nördlich des Zlíchov-Tunnels wurde jedoch eine neue Rückfahrtrampe errichtet, auf der man umkehren und zur Brücke gelangen kann. Es werden zudem zusätzliche Züge und eine Fähre eingesetzt, um den Verkehr über den ÖPNV zu entlasten.

Die Barrandov-Brücke wurde zwischen 1978-1988 erbaut. Die südlich gelegene Fahrbahn wurde bereits 1983 für den Verkehr geöffnet. Die Brücke verbindet die Stadtteile Braník und Hlubočepy über die Moldau, stromabwärts des Stadtteils Barrandov, welcher nach dem französischen Geologen und Ingenieur Joachim Barrande benannt ist. Barrande ist unter anderem bekannt für die geologische Erforschung des Prager Beckens in der Mitte des 19. Jahrhunderts.