Der Bau eines neuen Konzertsaals in Prag rückt näher. Das dänische Büro Bjarke Ingels Group (BIG) hat den Zuschlag für den Entwurf der neuen Moldau-Philharmonie (Vlatava Philharmonic Orchestra) im Rahmen eines internationalen Architekturwettbewerbs erhalten. Das Gebäude soll nach Plänen der Stadtverwaltung 2032 fertiggestellt werden und rund sechs Milliarden Kronen (ca. 243 Millionen Euro) kosten.

Der konkrete Entwurf wurde am Dienstag, den 17. Mai, von Vertretern der Hauptstadt und dem Institut für Planung und Entwicklung (IPR Praha) vorgestellt. In der Nähe der Metrostation Vltavská soll demnach ein neues Kulturzentrum entstehen, unter anderem auch mit einem neuen Sitz der Tschechischen Philharmonie. Michal Sedláček, Vorsitzender der Wettbewerbsjury, betont: „Die Philharmonie wird nach Angaben des dänischen Studios BIG zu einem pulsierenden Zentrum des Lebens an der Vltavská-Station. Das Gebäude selbst wird Interessierten aus allen Richtungen und Ebenen zugänglich gemacht“.

Die Philharmonie als Erlebnis für Jedermann

Die Philharmonie an der Moldau soll über drei Säle verfügen: einen Konzertsaal für 1800 Zuschauer, einen kleineren für Kammermusik mit 500 Plätzen und einen multifunktionalen für andere Genres und Veranstaltungsarten für bis zu 700 Personen. Außerdem soll das Gebäude auch das Prager Sinfonieorchester FOK und die Musikabteilung der Prager Stadtbibliothek beherbergen. Die Stadt strebt an, die Philharmonie ganztägig zu öffnen und neben Kulturräumen auch Restaurants und Cafés anzubieten. Prag verspricht sich mit dem Neubau auch eine andere Art von Touristen, welche die Stadt nicht nur für günstigen Alkohol besuchen. Zudem soll das Bauwerk einen Beitrag zur modernen Architektur leisten, welche der Stadt ihrer Ansicht nach bis dato fehle.

„Verdienter dänischer Sieg“

Das dänische Architekturbüro hat sich dabei mit seinem Entwurf gegen 115 andere Teams durchgesetzt. Laut Bürgermeister Zdeněk Hřib (Piraten) völlig verdient, da mit diesem das neue Gebäude jeder genießen könne, auch Menschen, die nicht unbedingt Fans von klassischer Musik sind. Die dänischen Vertreter präsentierten nach der Verkündung des Wettbewerbsergebnisses, wie sie zu der Idee des Entwurfs kamen. So seien sie vor allem von der tschechischen Landschaft, der Moldau und insbesondere der Stadt Prag inspiriert worden, mitsamt den Plätzen, Straßen und Panoramen.

Martin Kupauer, Leiter des Teams der Moldau-Philharmonie, erinnert auch an den Fakt, dass kulturell bedeutende Gebäude in Prag immer am Fluss gelegen haben: „Das Grundstück, auf dem die Moldau-Philharmonie wachsen wird, ist die letzte freie kulturell-gesellschaftliche Parzelle entlang der Moldau, die sich im Zentrum von Prag befindet“. Vom 19. Mai bis 30. Juni können Interessierte den Siegerentwurf in einer Freiluftausstellung kennenlernen.

Neue Möglichkeiten durch den Neubau

Die Geschäftsführung der Tschechischen Philharmonie betont jedoch, auch nach der Fertigstellung des Neubaus ihren angestammten Sitz im Rudolfinum weiter zu nutzen. Dennoch helfe die neue Philharmonie dank des größeren Saals und der modernen technischen und räumlichen Gegebenheiten, Musikprojekte zu präsentieren, welche bis jetzt nicht ohne Einschränkungen stattfinden konnten.

Der Bau der Philharmonie ist auch ein Teil der Umgestaltung des Stadtviertels Bubny-Zátory. Bis zu 25.000 Menschen sollen hier Einzug finden. Mit Beginn der Bauarbeiten wird 2025 gerechnet. Die Stadt versucht dies zusammen mit dem Staat zu finanzieren. Auch die Einbindung privater Investoren wird erwogen. Im März genehmigte der Stadtrat schon eine Änderung des Bebauungsplans von Holešovice, die den Bau ermöglichen wird.