Im Oktober finden vielfältige Veranstaltungen in Dresden, Aussig und der deutsch-tschechischen Grenzregion statt. Dabei sollen endlich wieder persönliche Begegnungen im Mittelpunkt stehen.

Die Zuversicht bei den Organisatoren der Tschechisch-Deutschen Kulturtage ist groß in diesem Jahr. Alle 68 Veranstaltungen auf deutscher und 16 Veranstaltungen auf tschechischer Seite sollen wie geplant zwischen dem 1. und 17. Oktober vor Ort stattfinden können. Im Programmheft geben die Veranstalter bekannt, dass sie sich „besonders auf die persönlichen Begegnungen“ mit den Besucherinnern und Besuchern freuen. Sollte sich aber die pandemische Lage drastisch verschlechtern, „werden wir alles daransetzen, Ihnen möglichst viele Veranstaltungen im virtuellen Format anzubieten“. Ein kleiner Restzweifel bleibt also nach wie vor, ob wirklich alle Programmpunkte in Dresden, Aussig (Ústí nad Labem) und in weiteren Orten der deutsch-tschechischen Grenzregion stattfinden können.

Heimat als bereicherndes Thema

Traditionell setzen die Veranstalter auf ein vielfältiges Programm aus den Bereichen Klassik, Jazz/Folk, Rock/Pop/Alternative, Film, Theater/Puppenspiel, Literatur, Kunst, Gesellschaft und Lebensart. Im Vordergrund des Festivals stehen neben den Begegnungen und dem Austausch untereinander die Vernetzung mit den kulturellen Akteuren in der gesamten Euroregion.

Zum Motto der 23. Tschechisch-Deutschen Kulturtage wurde das Thema „Heimat“ erklärt, welches in der Grenzregion eine ganz besondere Rolle einnimmt. Gerade hier spiele „die Identifikation der Bevölkerung mit ihrer Region eine tragende Rolle“, so Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und die sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus Barbara Klepsch (beide CDU), Schirmherren des Festivals, im Vorwort des Festival-Programms. Heimat präge ein ganzes Menschenleben und wirke über Generationen nach. In jeglicher Form sei die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Heimat eine Bereicherung, schreiben Kretschmer und Klepsch weiterhin.

Den Anfang macht ein Konzert

Den Festivalreigen eröffnen am 1. Oktober das renommierte Prager Barockorchester Collegium 1704 und das Vokalensemble Collegium Vocale 1704 in der Dresdner Kreuzkirche. Unter der Leitung des Dirigenten Václav Luks werden unter anderem Werke des tschechischen Komponisten Jan Dismas Zelenka und von Georg Friedrich Händel gespielt, beispielsweise die erst kürzlich entdeckte Händel-Kantate „Gloria“.

Collegium 1704 & Collegium Vocale 1704. Foto: TDKT/ Petra Hajská

Collegium 1704 & Collegium Vocale 1704. Foto: TDKT/ Petra Hajská

Bereits seit Anfang September und noch bis Ende Oktober besteht in Dresden zudem bei freiem Eintritt die Möglichkeit, die Designausstellung „Stühle“ des tschechischen Künstlers Martin Velíšek zu besichtigen. Die Ausstellung in der Kulturkulisse thematisiert die kulturgeschichtliche Bedeutung des Stuhls und kann unter anderem mit einer Installation eines typischen tschechoslowakischen Wohnzimmers der 60er bis 80er Jahre aufwarten.

Verlorene Heimat und „Nahe ferne Heimat“

Die sudetendeutsche Geschichte wird ebenfalls Teil der Veranstaltungen sein. Die Prager Organisation Antikomplex präsentiert am 13.10. im sächsischen Dippoldiswalde ihr Projekt „Das verschwundene Sudetenland“ mit einer Fotoausstellung. Diese zeigt Bilder von nach dem Zweiten Weltkrieg verschwundenen Orten aus dem deutsch-tschechischen Grenzgebiet und stellt sie der heutigen Situation gegenüber. Teile der Ausstellung werden zudem bis Ende November in der Gedenkstätte Bautzner Straße in Dresden zu sehen sein.

Um unterschiedliche Blickwinkel auf die Heimat wird es auch bei einer Gesprächsrunde gehen, die unser Chefredakteur Steffen Neumann am 7.10. in der Sächsischen Landesbibliothek Dresden moderieren wird. Der tschechische Botschafter in Berlin, Tomáš Kafka, und der langjährige Diplomat Stefan aus dem Siepen gehen gemeinsam mit Neumann unter anderem der Frage nach, was Heimat für jene Menschen bedeutet, die in diplomatischen Vertretungen in anderen Ländern arbeiten. Kafka und aus dem Siepen eint zudem die Liebe zur Literatur, aus dem Siepen veröffentlicht Romane und Kolumnen, Kafka dichtet Poesie und schreibt Theaterstücke. Ob und wie sich ihr Verhältnis zur Heimat in ihrer Literatur spiegelt: auch das ein Thema des Abends.

Ein letzter Film am 17. Oktober

Am 17. Oktober gehen die 23. Tschechisch-Deutschen Kulturtage mit der Vorführung des Films „Landschaft im Schatten“ (Krajina ve stínu) des tschechischen Regisseurs Bohdan Sláma zu Ende. Sollte es kurzfristige Programmänderungen geben, finden sie diese auf www.tdkt.info. Dort erhalten Sie auch weitere Informationen zur Programmgestaltung.

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