Jaroslav Rudiš erhält am 1. Oktober den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Der tschechische Schriftsteller befasst sich auf besondere Weise mit der Geschichte Mitteleuropas und fördert somit den Austausch zwischen Deutschland und Tschechien.

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeichnet am 1. Oktober zum Tag der Deutschen Einheit 16 Bürgerinnen und Bürger mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland im Schloss Bellevue aus. Die sechs Frauen und zehn Männer setzten sich besonders für die Kunst und das besonders von der Corona-Pandemie betroffene Kulturleben ein. Mit ihren bemerkenswerten Verdiensten fördern sie ein solidarisches Miteinander und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Unter diesen sechzehn Personen ist der in Berlin lebende Jaroslav Rudiš. Der tschechische Schriftsteller, der inzwischen auch auf Deutsch veröffentlicht, ist ein engagierter Brückenbauer zwischen Deutschland und Tschechien, der einen lebendigen Dialog fördert.

Grenzen überwinden

Rudiš wuchs in Lomnitz an der Popelka (Lomnice nad Popelkou) auf. Er studierte Germanistik, Geschichte und Journalistik zunächst in Reichenberg (Liberec), Zürich und Prag, bevor er durch ein journalistisches Stipendium nach Berlin kam. Dort entstand sein erster Roman „Der Himmel unter Berlin“ („Nebe pod Berlínem“), wofür er 2002 den Jiří-Orten-Preis erhielt.

Seit 2006 ist er als freier Schriftsteller und Journalist in Prag tätig und arbeitet auch im dramatischen Bereich. Beispielsweise verfasste er gemeinsam mit Petr Pýcha mehrere Theaterstücke. Bekannt machte ihn seine Comic-Trilogie „Alois Nebel“.

Sein 2019 auf Deutsch erschienener Roman „Winterbergs letzte Reise“ ist eine eindringliche Auseinandersetzung mit der Geschichte jenes Gebietes, in dem die beiden Weltkriege begannen. Als gesellschaftspolitisch engagierter Europäer meldet sich Jaroslav Rudiš immer wieder auch in der deutschen Presse zu Wort und zeigt mit seinen Arbeiten: Grenzen können überwunden werden.