Die Auswahl an Fortbewegungsmitteln in Prag ist groß. Aber wie kommt man in der tschechischen Metropole eigentlich am besten von A nach B? Diese Frage stellte sich auch unsere Landesbloggerin Madeleine.

Seit meiner Ankunft in Prag nutze ich hauptsächlich die Tram, um von A nach B zu gelangen. Doch das war zu Anfang eine große Umstellung für mich. Denn die Straßenbahn in Prag habe ich bisher fast immer nur überfüllt erlebt. Da es aufgrund der hohen Temperaturen in einer überfüllten Tram dann aber schnell sehr unangenehm warm werden kann und ich zudem die Geräuschkulisse nicht gewohnt war, habe ich schnell angefangen, mein Fahrrad zu vermissen. Hätte ich es vielleicht doch besser mit nach Prag nehmen sollen? Die steile Straße zu meiner Wohnung ließ meine Zweifel aber schnell wieder verschwinden. Hier jeden Tag mit dem Fahrrad hochfahren? Nein danke! Mit dem Bus geht das doch um einiges schneller.

Tram und Bus wurden meine bevorzugten Verkehrsmittel, um mich in Prag fortzubewegen. Ein Blick auf die vollen Haltestellen und zu jeder Tageszeit überfüllten Bahnen verrät mir, dass ich damit wohl nicht allein bin. Aber was ist eigentlich das Lieblingsfortbewegungsmittel der Prager? Zumindest in meinem Umfeld teilen sich die Antworten zwischen Tram und Metro auf. Während man mit der Metro wohl am schnellsten ans Ziel kommt, kann man während einer Tramfahrt die Aussicht genießen.

Ein Ticket - viele Möglichkeiten

Eine Aussicht über fast ganz Prag bietet die Standseilbahn, die auf den Laurenziberg (Petřín) fährt und als Teil des öffentlichen Nahverkehrs in Prag auch mit dem normalen Ticket genutzt werden kann. Wie vielseitig das Prager Nahverkehrsticket ist, hat mich ein paar Tage später gleich noch einmal überrascht. 15 Minuten kann man mit dem Ticket ohne zusätzliche Kosten mit einem der pinken Fahrräder fahren, die man an vielen Stellen in der Innenstadt findet. Weil ich immer noch mein Fahrrad vermisste habe, habe ich das dann direkt einmal ausprobiert. Die fünfzehn Minuten kostenlose Fahrtzeit brachten mich recht weit an meine Wohnung heran und haben mir in der Nacht einen weiten Fußweg im Dunkeln erspart. Da es schon recht spät war, hielt sich der restliche Verkehr auf Prags Straßen in Grenzen und ich fühlte mich als Radfahrerin sicher aufgehoben auf der Straße. Am nächsten Morgen war das jedoch anders.

Fahrradfahren bedeutet hier Stress

Das Fahrrad stand immer noch vor meiner Wohnung und ich bezahlte diesmal per App für ein paar Minuten Fahrtzeit. Im morgendlichen Berufsverkehr fühlte ich mich allerdings nicht mehr so sicher. Radwege fand ich auf meiner Strecke, obwohl Prag über ein 500 Kilometer langes Radwegenetz verfügt, keine und überholt wurde ich von Autofahrern nur mit minimalem Abstand. Das bestätigte, was ich auch schon über Prag gelesen hatte: eine Stadt, die nicht gerade fahrradfreundlich geplant ist. Im Zentrum fand ich zwar einen Fahrradweg, bis auf die Kennzeichnung unterschied ihn aber kaum etwas von einer normalen Straße und mehr Abstand hielten die Autos von mir auch nicht. So sehr ich das Fahrradfahren auch liebe, werde ich das in Prag wohl lieber sein lassen.

Aber wie kommt man denn nun am besten von A nach B?

Das habe ich anhand der Strecke von meiner Wohnung bis ins Prager Zentrum einmal ausprobiert. Oder besser gesagt, bis auf das Auto habe ich bisher nahezu jedes Fortbewegungsmittel für diesen Weg genutzt. Zu Fuß sind das laut einem Internet-Kartendienst ungefähr gute 30 Minuten für etwas über drei Kilometer. Wenn man Zeit hat, definitiv auch eine angenehme Art, sich durch die Stadt zu bewegen. Mein Blick schweift dabei immer wieder auf die schönen Häuserfassaden der Prager Altstadt oder in die Schaufenster der Läden und Cafés, von denen es auf dem Weg unzählige zu geben scheint.

Mit dem Fahrrad hingegen bleibt kaum Zeit, nach rechts und links zu schauen. Ich war vor allem damit beschäftigt, zum einen nicht in die Schienen zu fahren und zum anderen sehr gestresst durch die rücksichtslosen Autofahrer. So sehr, dass ich irgendwann auf den Gehweg ausgewichen bin. Aber da gibt es das nächste Problem: Fußgänger. Und die wirkten nicht gerade erfreut darüber, dass ich mich mit dem Fahrrad an ihnen vorbeischlängelte. Akzeptierter scheinen in dieser Hinsicht schon eher die E-Roller zu sein.

Die Fahrt mit Tram lässt sich gleichzeitig als Erkundungstour durch die Stadt nutzen. Foto: Madeleine Eisenbarth

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, mich nicht auf diese, meiner Ansicht nach recht faule, Art und Weise fortzubewegen, aber aus Neugier habe ich es dann trotzdem ausprobiert. Ähnlich wie bei dem Fahrrad bezahlt man auch dabei per App und pro genutzte Zeit. Auf der Straße fühlte ich mich damit nicht sicherer als mit dem Fahrrad und auf dem Gehweg kam ich auch nicht wirklich schneller voran. Es blieb also bei einem einmaligen Ausprobieren und neben meinem präferierten Fortbewegungsmittel, der Tram, mit der ich gute 20 Minuten ins Zentrum brauche, gehe ich gelegentlich auch gerne zu Fuß. Wenn man dabei immer einen etwas anderen Weg nimmt, dann kann man die Zeit auch gleich für eine kleine Erkundungstour durch die Straßen Prags nutzen und neue Lieblingsplätze entdecken. 


Madeleine Eisenbarth web„Good morning“ aus dem schönen Prag – nach knapp drei Tagen in der tschechischen Metropole habe ich die Variante von „Guten Morgen“ in der Landessprache zwar schon mehrmals gehört, aber verlasse mich beim Kommunizieren dann doch lieber noch auf mein Englisch. Das kann sich ja aber durchaus noch ändern in der nächsten Zeit. Immerhin bleiben mir nun zwei Monate, um zumindest ein paar grundlegende Worte Tschechisch zu erlernen; denn ich werde von Anfang August bis Ende September die LandesEcho-Redaktion in Prag unterstützen.

Ich heiße Madeleine Eisenbarth und studiere Journalismus in Magdeburg. Nun nutze ich die Sommermonate, um beim LandesEcho praktische Erfahrungen zu sammeln und um Prag auch abseits der touristischen Pfade zu erkunden. Insbesondere freue ich mich darauf, mich an kreativen journalistischen Formaten auszuprobieren und gleichzeitig mehr über die deutsche Minderheit in Tschechien zu erfahren. Ich bin gespannt, was die Zeit hier für mich bereithält und freue mich, die Menschen und die Kultur des Landes besser kennenzulernen.