Was 2022 ganz gewiss nicht passiert. Die satirische Jahresvorschau von Luboš Palata.

Chinas Präsident Xi Jinping stellt die neueste Mutation des Coronavirus Si vor, die von den besten chinesischen Wissenschaftlern des berühmten Labors in Wuhan entwickelt wurde. Sie ist 1000 mal ansteckender als die ursprüngliche Version vom Dezember 2019. Den Wissenschaftlern zufolge verursacht sie nur einen leichten Verlauf, soll aber alle Grippe-Viren weltweit auslöschen.

„Wir entschuldigen uns zugleich bei allen Menschen auf der Welt für die kleinen technischen Probleme, welche die erste Version verursacht hat. Sie wurde vorzeitig auf den Markt gebracht, bevor alle technischen Details geklärt waren“, sagte der Präsident bei der Vorstellung der neuen Mutation.

„Wir sind überzeugt, dass diese kleinen Probleme nicht die sieben Milliarden Menschen davon abhalten, diese neue Errungenschaft chinesischer Wissenschaft für das eigene Wohl und die Ausrottung aller Atemwegserkrankungen zu nutzen“, fuhr das Staatsoberhaupt fort. Die Impfstoffhersteller Moderna, Astra Zeneca, Johnson & Johnson erklären sich im März zahlungsunfähig. Nur Pfizer schafft es, sich rechtzeitig neu zu orientieren und stellt Brausevitamine her.

Von den Autos zu den Pferden

Angela Merkel überdenkt im April ihren Abschied aus der Politik und erklärt die Rückkehr an die Spitze der CDU. „Mich hat geärgert, dass ich Helmut Kohls Rekord um einige Tage verfehlt habe“, sagt sie bei einem Auftritt am FKK-Strand von Stralsund.

Die Freien Demokraten (FDP) erklären den sofortigen Rückzug aus der Koalitionsregierung mit Kanzler Olaf Scholz und schließen sich der Regierung unter CDU/CSU-Führung an. Ähnlich reagieren kurz darauf auch die Grünen, nachdem sie der altneuen Kanzlerin das Versprechen abgerungen haben, bis 2030 den Umstieg von Autos auf Pferde zu vollziehen.

Die Pferdepreise an den Börsen erreichen ihr hundertjähriges Maximum. Der VW-Konzern erklärt, dass er diesen Wandel problemlos vollziehen kann. Nach dem Gestüt in Kladruby kauft der Konzern auch die Lipizzaner-Zucht in Slowenien sowie die Spanische Hofreitschule in der Wiener Hofburg. „So wie wir unseren Kunden jahrzehntelang hochwertige Autos verkauft haben werden wir nun auch hochwertige Pferde anbieten können“, sagt der neue Chef des Konzerns, Fürst Albert von Thurn und Taxis. Der Autohersteller Škoda Auto kehrt zur Herstellung von Kutschen und Pritschenwagen zurück.

Vize-Kommissionschef Frans Timmermans begrüßt den deutschen Weg zur Klimaneutralität und kündigt den Bau von 5000 Gasthöfen in der ganzen Europäischen Union an, davon allein über 2000 in der Bundesrepublik. Eine Gruppe von Wissenschaftlern der britischen Akademie der Wissenschaften kritisierte die Pläne der EU: Pferdeäpfel seien für die globale Erwärmung gefährlicher als wenn die gesamte Menschheit mit dem Trabant fahren würde.

Putin gibt die Krim zurück

Der russische Präsident Wladimir Putin besucht seinen ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Oleksandrowytsch Selenskyj. Bei einem Auftritt vor der ukrainischen Armee und rund einer Million Kiewern erklärt er feierlich die Rückgabe der Krim, den Rückzug aller russischen Truppen aus dem Donbass und die Rückgabe aller okkupierten Gebiete an die Ukraine.

Er verpflichtet sich zur Zahlung von 500 Milliarden Dollar Entschädigung in Gold und Diamanten, wodurch sich sein persönliches Vermögen um rund ein Zehntel verkleinert. „Meine Töchter sagten zu mir: ‚Papa, mach kein Scheiß. Wir wollen in London und New York leben, also kümmere dich darum’“, erklärte Putin vor Journalisten seine überraschenden Entscheidungen.

Im Sommer gewinnt der frisch aus sibirischer Lagerhaft entlassene Alexej Nawalnyj die Präsidentschaftswahlen. Wichtigste Grundlage des Erfolgs war die direkte Unterstützung durch Putin. Vertrauenswürdigen Quellen zufolge schlossen Putin und Nawalnyj einen Deal ab, der Putins Privatvermögen nicht angreift und ihm Straffreiheit, eine Residenz in Kysyl sowie den Posten des Präsidenten von Tannu-Tuwa auf Lebenszeit zusichert. „Ich möchte Kamele züchten“, sagt Putin zu seinen Zukunftsplänen.

Gebrüder Okamura an der Staatsspitze

Nachdem die Regierung von Petr Fiala infolge des neuen Gesetzes über die Schaffung von gesonderten Toiletten für Transsexuelle zerbrochen ist, bildet sich im September ein neues Kabinett unter Führung der Partei Freiheit und direkte Demokratie (FDD) von Premierminister Tomio Okamura. Koalitionspartner sind die Christdemokraten mit ihrem Vorsitzenden Hayato Josef Okamura als stellvertretenden Ministerpräsidenten und Außenminister. „Unsere Partei war schon immer proeuropäisch. Als ersten Schritt schlagen wir ein Referendum über die Einführung des Euro vor. Außerdem setzen wir uns für die Föderalisierung Europas ein“, erklärte Tomio Okamura bei seinem ersten Auftritt.

Die neue Regierung verspricht den Kohleausstieg bis 2025 und die Abschaltung aller Atomkraftwerke bis 2023. Die Wirtschaft wird neu ausgerichtet. Das Land verabschiedet sich von der Industrie und dem Automobilbau und wird neu der wichtigste Produzent von Reis und Kaffee weltweit. Präsident Miloš Zeman reagiert begeistert und lässt als Zeichen seiner Unterstützung die Umgebung des Sommersitzes des Präsidenten in Lány fluten. Die Grundstücke ließ er kostenlos auf die Dorfbewohner in der Umgebung überschreiben, damit sie darauf die neue Nationalfrucht Reis anbauen können.

Der Autor ist EU-Redakteur der Tageszeitung Deník.