Tschechien öffnet sich langsam wieder dem Tourismus. Wie es der Branche geht und ob Urlaub in Tschechien jetzt teurer wird, darüber sprachen wir mit Markéta Chaloupková, Direktorin der Tschechischen Zentrale für Tourismus - CzechTourism Deutschland.

LE Die Corona-Zahlen sinken, Tschechien gilt aus deutscher Sicht nicht mehr als Risikogebiet und langsam dürfte auch der Tourismus zurückkehren. Sind Sie optimistisch, dass wir einen unbeschwerten Sommer mit deutsch-tschechischen Begegnungen erleben werden?

Im Mai haben wir mit der Deutschen Zentrale für Tourismus eine gemeinsame Kampagne vorbereitet, die Lust auf grenzüberschreitendes Reisen macht – sei es zu Natursehenswürdigkeiten wie der Sächsisch-Böhmischen Schweiz oder zu Phänomenen wie dem Bier oder dem Märchenfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Die Resonanz war sehr positiv und wir hoffen, dass das reale Verhalten unserer Touristen dem entsprechen wird. Im vergangenen Jahr gehörten deutsche Touristen zu den ersten, die Prag und Tschechien wieder besuchten. Und umgekehrt waren tschechische Touristen auch bald in Deutschland auf Entdeckungstour.

Markéta Chaloupková

Markéta Chaloupková, Direktorin von "CzechTourism Deutschland"

LE Einige Corona-Regeln sind in Tschechien anders als in Deutschland. Zum Beispiel gelten in der Gastronomie die „3 Gs“: Getestet, geimpft oder genesen. Aber auch bezüglich der Einreisebestimmungen gab es zuletzt viel Verwirrung. Wie empfinden Sie die Informationslage bezüglich neuer Regeln, Beschränkungen oder Lockerungen und wie häufig erreichen Sie Nachfragen zum Thema Corona in Bezug auf Tschechien?

Ja, das war in letzter Zeit die häufigste Frage, weil es auch viele verschiedene Szenarien gab. Wir mussten viel recherchieren und mit tschechischen Behörden telefonieren, damit wir die richtigen Informationen weitergeben konnten. Seit den letzten Änderungen ist das viel einfacher. Ein weiterer Schritt wird am 21. Juni erfolgen, wenn die Tschechische Republik ihre Tore für alle Touristen aus EU-Ländern öffnet, die ihre erste Impfung vor mindestens 22 Tagen erhalten haben.

LE Die Grenzen zwischen Deutschland und Tschechien waren zwei Mal über mehrere Monate geschlossen, viele Menschen blieben zuhause. Der Tourismus gehört folglich zu einer der am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Branchen. Kann man inzwischen abschätzen, wie sehr die Pandemie die Tourismus-Branche in Tschechien getroffen hat?

Tourismus und Gastronomie gehören zu den an den stärksten betroffenen Branchen. Im Jahr 2020 reisten mehr einheimische Touristen innerhalb Tschechiens, aber vor allem in Prag und den westböhmischen Kurorten fehlten die ausländischen Touristen. Insgesamt sank der Umsatz des Tourismus im Jahr 2020 um 160 Milliarden Kronen. Auch für dieses Jahr wird eine negative Bilanz erwartet: Die Besucherzahlen der tschechischen Hotels und Pensionen gingen im ersten Quartal 2021 um 91 Prozent zurück, bezogen nur auf ausländische Gäste sogar um 96 Prozent.

LE Muss man jetzt mit steigenden Preisen rechnen, weil Unternehmen die Verluste wiedergutmachen wollen? Oder werden Hotels und Pensionen wie im letzten Jahr Gäste mit Sonderangeboten und Rabatten locken? Damals gab es unter anderem Ermäßigungen für Kuraufenthalte auch für Gäste aus Deutschland. Karlsbad hatte außerdem die Kurtaxe ausgesetzt…

Genauso wie letztes Jahr kurbelt die tschechische Hauptstadt Prag seinen Tourismus mit dem Programm „In Prag wie zu Hause“ an. Besucher, die in der Hauptstadt übernachten, können sich auf freie Eintritte und weitere Ermäßigungen in Museen, Galerien oder im Prager Zoo freuen. Dieses Jahr kommen sogar kulturelle Veranstaltungen oder die touristische Straßenbahn hinzu. Das Programm beginnt am 15. Juni und läuft bis zum Ende der Ferien (30. August).

Wie auch im Jahr 2020 können Kurgäste in tschechischen Heilbädern bis zum Jahresende den Kurgutschein im Wert von 4.000 Tschechischen Kronen (150 Euro) nutzen, wenn sie mindestens sechs Nächte und fünf Anwendungen buchen. Die Karlsbader Region selbst bietet auch attraktive Rabatte für die Unterkunft: Die Gäste können hier einen Zuschuss für die Unterkunftskosten von bis zu 9.000 Kronen erhalten.

LE Welche touristischen Ziele sind in diesem Jahr besonders nachgefragt? Welche Orte können Sie für einen Besuch in Tschechien in diesem Jahr empfehlen?

Wir erwarten, dass – wie im letzten Jahr – Aktivurlaub in der Natur am beliebtesten sein wird und das Segment der Campingplätze wachsen wird, sowohl die einfacheren als auch das luxuriösere Glamping [„glamouröses Camping“ – luxuriöse Formen des Campings ohne Verzicht auf Komfort, Anm. d. Red.], das in den letzten Jahren die Herzen der Stadtbewohner erobert hat. Unser Thema in 2021 bleiben Burgen und Schlösser, nicht nur wegen ihrer Anzahl (über 2.000 Objekte im ganzen Land), sondern auch wegen ihrer prächtigen Gärten und Innenräume oder geplanten kulturellen Veranstaltungen. Wir möchten ausländische Gäste besonders in die tschechischen Städte einladen. Sie werden Prag in einem angenehmen Rhythmus, ohne Gedränge und Stress genießen können. Ähnlich wird es auch mit den westböhmischen Kurorten Karlsbad, Marienbad oder Franzensbad sein. Wer die Großstädte ganz meiden möchte, kann die kleineren Schwestern von Prag entdecken, wie die Renaissance-Stadt Litomyšl (Leitomischl), das gotische Kutná Hora (Kuttenberg) oder das barocke Olomouc (Olmütz) –  alle diese Orte sind auch UNESCO-Stätten. Die Hotels und Restaurants sind wieder geöffnet, aber die Städte werden erst durch Besucher lebendig...

Das Gespräch führte Manuel Rommel


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LandesEcho 5/2021