Am 16. und 17. April 2021 fand eine vom Bund der Jugend der Deutschen Minderheit (BJDM) organisierte Jugendkonferenz statt. Die Themen waren Rechtsextremismus, Rechtspopulismus und die Gefahr der Einflussnahme des äußersten politischen rechten Randes auf die deutsche Minderheit in Oberschlesien. Wir haben mit dem Koordinator des Projekts, ifa-Kulturmanager Dominik Duda vom BJDM in Oppeln, gesprochen.

LE Was konnten die Jugendlichen bei der Online-Veranstaltung lernen?

Die Teilnehmer setzten sich in Form von Workshops mit Gruppenarbeiten und Diskussionen mit dem Themenkomplex des rechten politischen Spektrums auseinander. Es ging inhaltlich vordergründig darum, bei den Jugendlichen das Wissen zu Rechtsextremismus und Rechtspopulismus aufzufrischen. Wie erkennt man Annäherungsversuche undemokratischer Kräfte? Wie verbreiten Rechtsextreme ihre Ansichten im Netz? Wie reagiert man auf sie? Das waren Fragen, die die Jugendlichen diskutiert haben.

ifa-Kulturmanager Dominik Duda. Foto: Jörg Müller

ifa-Kulturmanager Dominik Duda. Foto: Jörg Müller

LE Warum hat sich der BJDM dieses Jahr für dieses kontroverse Thema bei der Jugendkonferenz entschieden? Welche Erfahrungen hat die deutsche Minderheit in Oberschlesien mit dem Thema Rechtsextremismus gemacht?

Es hat im Herbst 2019 einen Vorfall in der oberschlesischen Stadt Beuthen gegeben. Dort wurde ein Gedenkstein enthüllt, der aus mehreren Quellen des äußersten rechten politischen Randes mitfinanziert wurde. Dies war der Ursprung der Idee, im Bereich der politischen Bildung stärker zu werden und auch unbequeme Themen anzusprechen.

Wir haben im Vorfeld der Jugendkonferenz einige Ereignisse aus der Vergangenheit gesammelt, wie rechte Personen aus Deutschland versucht haben, die deutsche Minderheit in Polen zu kontaktieren. Diese Praxisbeispiele haben wir dann mit den Jugendlichen besprochen.

Ein Gedenkstein für deutsche Soldaten und Freikorpskämpfer sorgte in Polen für Empörung. Der Stein war vom Bund der Jugend der deutschen Minderheit in Beuthen mit Unterstützung eines AfD-Abgeordneten errichtet worden. Für Diskussionen sorgte außerdem die Nennung der NPD-Jugendorganisation "Junge Nationalisten" sowie weiterer vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufter Organisationen als Unterstützer auf dem Gedenkstein. Inzwischen ist er entfernt worden. Foto: BJDM

LE Wie kann man sich gegen Rechtsextremismus wehren, insbesondere im Internet?

Die Jugendlichen selbst konnten sich im Projekt ein Bild davon machen, wie Rechtsextreme ihre Ansichten im Internet verbreiten. Rechtsextreme Annäherungsversuche oder auch Kommentare zu erkennen, ist der erste Schritt. Als nächste Frage steht im Raum, ob und wie man eine Reaktion zeigen soll. Auf geschmacklose, beleidigende und verachtende Kommentare ist auf jeden Fall zu reagieren. Kommentaren, die automatisiert gesteuert sind oder von Fake-Accounts ausgehen, schenkt man aber sonst nur falsche Aufmerksamkeit. Das ist nicht immer ganz einfach. Die Jugendlichen fanden aber während der Jugendkonferenz einige Ideen, wie sie sich und ihre Jugendgruppe selbst mit Kreativität in den sozialen Medien gegen rechts positionieren können.

LE Wo kann man eigentlich die Grenze ziehen zwischen einem „gesunden Patriotismus“ und einem anti-demokratischen Nationalismus oder auch Rechtsradikalismus?

In der deutschen Minderheit in Polen ist der Heimatbegriff sehr wichtig. Aber auch der Bezug zu Deutschland oder dem Deutschen im Leben der Minderheit ist von großer Bedeutung. Die Jugendlichen sind sehr geschichtsbewusst. Sie wissen, dass man heimatverbunden und einen starken Bezug zum Deutschen haben kann, ohne dem Rechtsextremismus in die Hände zu fallen. Die Jugendkonferenz war eine gute Gelegenheit, ihnen diesen Unterschied aufzuzeigen und zu betonen, was als rechtsextremistisch, radikal, anti-demokratisch und gesellschaftlich nicht akzeptabel gilt.

LE Wie wird der BJDM das Thema weiter behandeln?

Die Jugendkonferenz des BJDM wird in diesem Jahr an mehreren Terminen stattfinden. Im Mai plant der BJDM noch einen Online-Termin zu derselben Thematik. Bei dem sollen dann neben den bisherigen Teilnehmern auch Mitglieder aus anderen Organisationen der deutschen Minderheit aus anderen Ländern eingeladen werden. Das Ziel ist es, Erfahrungen auszutauschen und über dieses unbequeme Thema ins Gespräch zu kommen.

Das Gespräch führte Manuel Rommel