Zum 25. Jahrestag der Deutsch-Tschechischen Erklärung präsentiert der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds eine neue Meinungsumfrage zum Grenzgebiet und stellt neue Förderprogramme vor.

Laut einer aktuellen qualitativen Umfrage, die vom tschechischen Meinungsforschungsinstitut STEM aus Prag und pollytix strategic research aus Berlin durchgeführt wurde, beschränken sich Kontakte zwischen Deutschen und Tschechen im Grenzgebiet häufig auf den Arbeitsbereich und den Einkaufstourismus. Zwar bestehen laut der Umfrage viele gemeinsame Interessen, jedoch mangele es an Informationen über deutsch-tschechische Aktivitäten und Events. Aufgrund der fehlenden Informationsquellen, wo und wie Kontakte geknüpft werden können, sowie der bestehenden Sprachbarriere, seien feste persönliche Bindungen und Freundschaften selten. „Bei den ausführlichen Einzelgesprächen, die wir im Rahmen unserer Umfrage geführt haben, konnten wir insgesamt eine positive, pragmatische Einstellung zum Nachbarland feststellen. Das Hauptproblem ist, dass die Befragten zwar generell gerne mehr persönliche Kontakte im Nachbarland knüpfen würden, aber nicht so recht wissen, wo und wie. Gemeinsame Interessen sind hier ein wichtiger Schlüssel, um die Menschen abzuholen“, erklären Jana Faus von pollytix strategic research gmbh und Martin Buchtík von der Agentur STEM.

Mithilfe des neuen Förderprogramms „Ein Jahr an der Grenze“ möchte der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds dieses Problem neu adressieren. Das neue Förderprogramm sieht vor, acht aktive und kreative Menschen aus beiden Ländern zu engagieren, die sich ein Jahr lang einer Region entlang der deutsch-tschechischen Grenze widmen und dort verschiedenen Aktivitäten umsetzen sollen. Ziel ist es, die Annäherung der Menschen auf beiden Seiten so gut wie möglich zu vereinfachen. „Dadurch wollen wir denjenigen, die eigentlich gerne mehr mit den Nachbarn auf der anderen Seite zu tun hätten, aber aus unterschiedlichen Gründen nicht selbst aktiv werden, je nach Bedarf ganz praktische Hilfe anbieten und so direkt vor Ort zu einer lebendigen Grenzregion beitragen“, so Petra Ernstberger und Tomáš Jelínek, die Geschäftsführer des Zukunftsfonds. Weitere Informationen zum neuen Förderprogramm „Ein Jahr an der Grenze“ finden Sie hier.

Neues Sonderförderprogramm für nichtstaatliche Erinnerungsinstitutionen

Darüber hinaus schreibt der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds anlässlich des 25. Jubiläums der Deutsch-Tschechischen Erklärung ein neues Sonderförderprogramm für nichtstaatliche Erinnerungsinstitutionen aus. Es soll zivilgesellschaftliche, deutsch-tschechische Vorhaben im Bereich der Erinnerungskultur unterstützen, die häufig mit Unterfinanzierung zu kämpfen haben. Mit Hilfe des neuen Förderprogramms sollen Erinnerungsinitiativen in ihren Bemühungen um neue Zugänge unterstützt und bestärkt werden, um eine tiefere deutsch-tschechische Verständigung zu fördern. Für besonders wichtig hält der Zukunftsfonds Auseinandersetzungen und Lösungen im Bereich der Vermittlung und Weitergabe von historischem Wissen zwischen den Generationen, die Erschließung neuer und unbekannter Erinnerungsorte und die Schaffung von neuen hybriden und digitalen Erinnerungsräumen durch zeitgemäße Techniken und Methoden. Die Initiativen sollen sich insbesondere an junge Menschen richten, um ihnen die Geschehnisse der Vergangenheit näherzubringen und sie zur aktiven Teilhabe an gesamtgesellschaftlichen Diskursen gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, verzerrte Geschichtsbilder und Marginalisierung von Gruppen zu befähigen.

Der Förderungszeitraum des Sonderprogramms ist für ein Jahr ausgeschrieben, kann aber auf bis zu drei Jahre verlängert werden. Aus dem Gesamtbudget des Förderprogramms von jährlich 200.000 € können jeweils bis zu zehn Projekte gefördert werden. Entscheidend für eine Förderung ist laut des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds die Qualität der Projektanträge. Weitere Informationen zum Sonderförderprogramm finden Sie hier.

Seit 1998 hat der deutsch-tschechische Zukunftsfonds nach eigenen Angaben insgesamt rund 70,3 Millionen Euro für über 12.000 Projekte zur Verfügung gestellt, mit dem Ziel, die Menschen beider Länder zusammenführen und Einblicke in die Lebenswelten, die gemeinsame Kultur und Geschichte zu ermöglichen und zu vertiefen.