Der neue Gesundheitsminister Vlastimil Válek will den Ausnahmezustand auslaufen lassen und die Impfpflicht lockern. Gleichzeitig steigt allerdings die Zahl der Infizierten mit der hochansteckenden Omikron-Variante. An Silvester gelten Sonderregeln.

Eigentlich könnten die Menschen in der Tschechischen Republik durchatmen. Die Zahl der Neuinfektionen geht täglich zurück und die Epidemie verlangsamt sich. Am Dienstag verzeichnete Tschechien 11.825 Infizierte, knapp 4.900 weniger als noch vor einer Woche. Wäre Omikron nicht auf der Spielfläche erschienen, wäre die Republik entspannten Feiertagen entgegengegangen. Die Virus-Variante sorgt nun allerdings auch in Tschechien für Besorgnis. Vor allem die Ansteckungsgefahr für Geimpfte sorgt bei tschechischen Epidemiologen für Aufsehen, da sich dem Virus so neue Möglichkeiten der Verbreitung eröffnen.  

Omikron wird zur dominanten Variante

Das Labor in Brünn hat seit Sonntag 16 positive Proben der Covid-Variante Omikron nachgewiesen, das macht 5,4 Prozent aller positiven Fälle aus. Damit steigt der Anteil der Variante weiter an. Der Gesundheitsminister Vlastimil Válek (TOP 09) erwartet, dass Omikron ab Mitte Januar die dominante Corona-Variante sein wird. Das könnte die Ausbreitung wieder beschleunigen.

„Die einzige Maßnahme, die wirkt, ist die dritte Impfdosis. Der Schutz liegt bei 70 Prozent. Nach zwei Dosen oder nach einer Erkrankung liegt dieser bei 20 Prozent, was eine relativ niedrige Zahl ist“, erklärte der Epidemiologe und Ex-Gesundheitsminister Roman Prymula gegenüber der Online-Zeitung „Seznam Zprávy“. Weiter empfiehlt er, sich nur in kleinen Gruppen zu treffen.

Regierung steht Einschränkungen ablehnend gegenüber

Die neue tschechische Regierung scheint trotz allem an den geplanten Lockerungen festzuhalten. An Weihnachten läuft der Notstand aus und soll nicht verlängert werden. Vlastimil Válek möchte lieber die Testkapazitäten ausbauen. Zudem erwägt der Gesundheitsminister, ab Januar zweimal wöchentlich Antigentests in Schulen durchzuführen. Die Impfpflicht für über 60-Jährige will Válek allerdings wieder aufheben. Kontaktbeschränkungen erklärte er mit Verweis auf die Eigenverantwortung der Bürger ebenfalls eine Absage. „Wir leben in einer Demokratie, jeder sollte Verantwortung tragen“, erklärte der Politiker der marktliberalen TOP 09.

Für diesen Ansatz erntete der neue Gesundheitsminister bereits einige Kritik. „Ich würde fast sagen, dass die Strategie der neuen Regierung darauf beruht, dass Omikron am Ende nicht so schlimm ist“, kritisierte der Journalist Václav Dolejší in einem Beitrag für „Seznam Zprávy“. Während ganz Europa die Bedrohung ernst nehme, ginge die neue Regierung in Tschechien in die entgegengesetzte Richtung, bemängelt er.

Update: Gesundheitsminister Válek gab am Mittwochnachmittag bekannt, dass zwischen dem 29. Dezember und 2. Januar 2022 Sonderregeln für Feiern und Zusammenkünfte gelten sollen. In Restaurants sind in diesem Zeitraum nur vier Personen an einem Tisch zugelassen (mehr nur, falls alle einem Haushalt angehören), an Silvester- und Neujahrsfeiern dürfen maximal 50 Personen teilnehmen. Massenveranstaltungen sind mit bis zu 1000 Personen erlaubt, insofern alle einen Sitzplatz haben. Massenveranstaltungen ohne Sitzplätze sind auf 100 Personen begrenzt. Nach wie vor gilt in Restaurants und bei öffentlichen Veranstaltungen sowie in der Kultur die 2G-Regel (geimpft oder genesen).