Nach einer langen Corona-Pause traf sich die deutsche Minderheit mit Gästen aus Nah und Fern wieder zu ihrer traditionellen „Kulturellen Großveranstaltung“.

„Heut´ ist so ein schöner Tag, lalalalala…“ hallt der Kindergesang am Samstagnachmittag des 16. Oktobers durch den Saal und bringt die Gäste auf ihren Sitzen ins Schwingen. Nach zwei Jahren war es wieder so weit, die Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik hat zu ihrer Kulturellen Großveranstaltung eingeladen – nachdem sie bereits am Freitag erfolgreich eine Konferenz im Tschechischen Außenministerium veranstaltet hatte. „Kultur verbindet, pflegt und bildet Freundschaften, zerstört Klischees und baut Brücken auf“, sagte Martin H. Dzingel, Präsident der Landesversammlung, in seiner Begrüßung und unterstrich damit, wie wichtig die kulturelle Begegnung für die in Tschechien lebenden Deutschen ist. Und so stand die nach langer Corona-Pause wieder stattfindende Kulturelle Großveranstaltung ganz im Zeichen der Begegnung und des Wiedersehens.

Der gut gefüllte Saal im Kulturzentrum Novodvorská. Foto: Anna Treutlein

Der gut gefüllte Saal im Kulturzentrum Novodvorská. Foto: Anna Treutlein

Viele Gäste und herzliche Worte

Hohe Gäste fanden an diesem Nachmittag den Weg ins Kulturzentrum Novodvorská im Süden Prags und zeigten mit ihrer Anwesenheit, welche wichtige Rolle die deutsche Minderheit in den politischen und kulturellen Beziehungen zwischen Tschechien und Deutschland einnimmt. Allen voran Helena Válková (ANO), die Beauftragte der tschechischen Regierung für nationale Minderheiten und Menschenrechte, drückte (in deutscher Sprache) die Unterstützung der deutschen Minderheit durch die tschechische Regierung aus und betonte, die deutsche Minderheit auch weiter unterstützen zu wollen, sollte die regierende ANO-Partei in die Opposition gehen, wie es nach den Parlamentswahlen am vergangenen Wochenende scheint. Ein Bekenntnis, das vom Publikum mit großem Applaus aufgenommen wurde. Vom Tschechischen Kulturministerium, das ebenfalls die deutsche Minderheit in Tschechien in verschiedenen Punkten unterstützt, waren Jana Gombárová und Václav Appl anwesend.

Herzliche Worte der Begrüßung fand auch Bernd Fabritius (CSU), Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten. „Der Termin ist einer der Hauptanlässe nach Prag zu kommen“, sagte er. Als eine „Herzensangelegenheit“, an diesem Nachmittag dabei sein zu dürfen, bezeichnete es Andreas Künne, seit dem Sommer neuer deutscher Botschafter in Prag. Auch er zeigte sich davon überzeugt, dass die nächste Bundesregierung die deutsche Minderheit in Tschechien unterstützen werde. Thomas Freundorfer vom Goethe-Institut Prag betonte in seinem Grußwort vor allem das Thema der Jugend- und Nachwuchsarbeit und stellte als erfolgreiches gemeinsames Projekt mit der Landesversammlung das Sommercamp heraus, das in diesem Jahr online stattfand.

Auch die Heimatvertriebenen – die Sudetendeutsche Landsmannschaft war in einer mehr als 30-köpfigen Delegation angereist – überbrachten ihre Grüße. „Ich fahre zu unseren Freunden, nicht zur deutschen Minderheit“, sagte Steffen Hörtler, stellvertretender Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft und Landesobmann der Sudetendeutschen in Bayern. Zum ersten Mal bei der Kulturellen Großveranstaltung dabei war Christina Meinusch, die seit etwa einem halben Jahr die Funktion der sudetendeutschen Heimatpflegerin ausfüllt. Sie lobte das Engagement der Landesversammlung und war sich sicher, dass sich an diesem Nachmittag durch Musik und Tanz alle verstehen: „Dafür braucht es keine gemeinsame Sprache“, sagte sie.

Grüße überbrachte schließlich auch eine deutsche Minderheit aus einem anderen Land: Bogna Piter vom Verband der sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG).

Beschwingte Töne und Tanzeinlagen

Christina Meinuschs Worte sollten sich bewahrheiten. Die deutsche Minderheit hatte ein fulminantes Programm mit Musik und Tanz auf die Beine gestellt, durch welches an diesem Nachmittag Ulrike Strigl und Michal Urban führten. Gleich zu Beginn heizte das „Check Accordion Trio“, u.a. mit Klängen vom Balkan, die Stimmung im Saal auf. Daran knüpfte der Kinderchor aus dem Hultschiner Ländchen mit ihrem Auftritt „Kinder wollen glücklich sein“ gleich an und brachte das Publikum zum Klatschen. Im Anschluss bot das Duo „Målaboum“, bestehend aus Richard und Vojtěch Šulko, Egerländer Volkslieder dar, wie z.B. „Es war einmal eine Müllerin“ oder „Heut scheint der Mond so schön“. Moderne Tänze zeigte der Verband der Deutschen in den Regionen Reichenberg und Lausitz-Nordböhmen.

Nach einer kurzen Pause ging es weiter mit einer musikalischen Einlage der Grundschule der deutsch-tschechischen Verständigung, bevor das Trio Déjavu – präsentiert vom Kulturverband –  mit „Bei mir bist Du schön“ oder „Vogelbeerbaum“ den Saal noch einmal zum Schwingen und Klatschen brachte. Anschließend machte die Mehr-Generationen-Tanzgruppe „Die Målas“ in ihren Trachten das Publikum mit Egerländer Volkstänzen bekannt. Zum Abschluss sangen alle gemeinsam – inzwischen auch eine Tradition – „Kein schöner Land“.

Nach dem offiziellen Programm gab es dann noch die Gelegenheit, zu Musik und Gesang vom Prager Hradschiner und dem Orchester Josef Kocurek´s das Tanzbein zu schwingen, bevor man sich auf den Heimweg machte - beschwingt und beseelt von einem Nachmittag der deutschen Minderheit.


 
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Fotos: LandesECHO/ Anna Treutlein

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