Seit April ist die Stelle der Heimatpflegerin der Sudetendeutschen neu besetzt: Die Nachfolge der bisherigen Amtsinhaberin Dr. Zuzana Finger hat nun die Volkskundlerin und Diplom-Pädagogin Christina Meinusch angetreten.

Bevor Christina Meinusch das Amt der „Heimatpflege der Sudetendeutschen“ innehatte, übernahm sie im Braunauer Heimatmuseum in Forchheim die wissenschaftliche Inventarisierung der Bestände aus der Zeit vor der Vertreibung. Zum Internationalen Museumstag 2017 organisierte sie die Sonderausstellung „Gemeinsam mit unserem Paten, der Stadt Forchheim, wurden wir Partner unserer Heimatstadt Braunau/Broumov“. Dieses Projekt erweiterte Meinusch zur zweisprachigen Wanderausstellung, die unter anderem in Forchheim, Braunau (Broumov), München, Prag, Würzburg, im Kloster Rohr, beim Sudetendeutschen Tag 2019 in Regensburg und bei mehreren Tagungen auf dem Heiligenhof in Bad Kissingen gezeigt wurde. Auch für die Begleitbroschüre zu dieser Ausstellung zeichnete sie sich verantwortlich. Aktuell in der Schlussphase befindet sich eine umfangreiche Dokumentation über die Geschichte des Heimatkreises Braunau/ Sudetenland e. V.

Verleihung der „Braunauer Medaille“

Für solche Inhalte ist die 1976 in Frankfurt am Main geborene und im Spessart aufgewachsene Christina Meinusch durch ihr Studium prädestiniert. Nach dem Abitur am Franz-Ludwig-von-Erthal-Gymnasium in Lohr am Main studierte sie im Magister-Studiengang Volkskunde mit den Nebenfächern Soziologie und Pädagogik an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg. Zeitgleich absolvierte sie ein Studium der Diplom-Pädagogik mit den Schwerpunkten Erwachsenenbildung und außerschulische Jugendbildung. Nach ihrem Studium war sie zunächst im pädagogischen Bereich tätig: Bei der Bildungs- und Schulungs-Institut gGmbH in Schweinfurt half sie arbeitssuchenden Jugendlichen, sich auf ihre Ausbildung vorzubereiten. Nach dieser Anstellung folgte eine volkskundliche Beschäftigung im Referat Kulturarbeit und Heimatpflege des Bezirks Unterfranken. Hier arbeitete Meinusch bei der „Tanzsaal-Datenbank“ mit. Projektweise war sie für das Schlossmuseum in Rimpar und für den Heimatkreis Braunau tätig. Dieser zollte Christina Meinusch seine Anerkennung mit der Verleihung der „Braunauer Medaille“ im März 2016.

Zusammenarbeit mit den Sudetendeutschen

Auch wenn sie keine sudetendeutschen Wurzeln hat – ihre Eltern stammen aus dem nahe der Grenze zum Sudetenland gelegenen Cosel in Oberschlesien. Hier wurden dem Sudetendeutschen sehr ähnliche Bräuche und eine vergleichbare Kultur gepflegt. Die Eltern erlebten dort den Krieg und die ersten Nachkriegsjahre, und kamen erst in den 1950er Jahren in die Bundesrepublik. „Die Freunde und die Familie stammten geschlossen aus der alten Heimat. Diese war von Kindheit an allgegenwärtig“, erklärt die neue Heimatpflegerin.

Besonders am Herzen liegt ihr die Zusammenarbeit mit den früheren und heutigen Bewohnern des Sudetenlandes, allem voran die Arbeit mit den jüngeren Generationen. Da kommt ihr eine ihrer Freizeitbetätigungen entgegen: das Wandern. Gerne ist sie zu Fuß in Tschechien, im ehemaligen Sudetenland, unterwegs: „Eine sehr schöne Ecke zum Wandern.“ Und zum Lesen oder Paddeln auf der Elbe, findet Meinusch.

Zeitzeugen im Fokus

Für Christina Meinusch ist es nichts Ungewöhnliches, in mehreren Heimaten präsent zu sein. In ihrer Tätigkeit als Heimatpflegerin ist das gewissermaßen Programm. „Ich möchte Heimat insbesondere für die folgenden Generationen lebendig halten. Heimat ist eben nicht nur ein Ort, sondern vor allem ein Gefühl – auch für die kommenden Generationen.“ Dabei will sie Erinnerungen von Zeitzeugen dokumentieren, insbesondere hinsichtlich volkskundlicher Aspekte wie Märchen, Sagen, Mundart, Tracht und Brauchtum. Aber auch Ausstellungen, zum Beispiel eine Wanderausstellung mit dem Thema „Heimatbild“, sind angedacht.