Wer ist die deutsche Minderheit in Tschechien und wo trifft sie sich? Diesmal stellen wir Ihnen das Begegnungszentrum (BGZ) in Krawarn (Kravaře) vor.

Die Stadt Krawarn liegt in der Region Hultschin (Hlučín) am Fluss Opava, nur 13 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt. Die erste schriftliche Erwähnung der Gemeinde stammt aus dem Jahre 1224 aus der Urkunde des tschechischen Königs Ottokar I. Přemysl. Bekannt ist der Ort vor allem für sein Barockschloss. Dort befindet sich auch das örtliche Begegnungszentrum. Der Deutsche Freundeskreis Krawarn (DFK) ist seit 1995 tätig und wurde von Max Rain, Horst Kostritza und František Kudlík gegründet. Es handelt sich um eine apolitische Organisation kulturell-gesellschaftlichen Charakters, die sowohl tschechische als auch deutsche Einwohner aus Krawarn und dessen Umgebung vereinigt. Aktuell hat der Kreis 91 Mitglieder.

Erhalt des kulturellen Erbes

Geleitet wird das BGZ in Krawarn seit 2017 von Pavla Knyblová. Mit Jahrgang 1991 ist sie die jüngste Leiterin eines deutsch-tschechischen Begegnungszentrums der deutschen Minderheit in Tschechien. Neben der Leitungsfunktion veranstaltet Pavla Knyblová am BGZ Deutschkurse für Kinder: „Es macht mir wirklich Spaß, den Kindern die deutsche Sprache näherzubringen. Außerdem führen wir viele Veranstaltungen wie den Kindertag, Faschingsfeiern und Sommertreffen durch. Dann besuchen uns auch Freunde der deutschen Minderheiten aus Polen“, erzählt sie über die Aktivitäten am BGZ. Außerdem, so berichtet sie, kümmern sich einige der Mitglieder um das kulturelle Erbe in der Region. „Sie restaurieren aktuell eine deutsche Kirche und Friedhöfe in einer kleinen Ortschaft, in der bis 1955 viele Deutsche lebten. Das BGZ unterstützt sie dabei“, weiß Knyblová. Seit 2016 existiert außerdem eine Zusammenarbeit mit Absolventen des Lehrstuhls für Germanistik an der Universität in Ostrau (Ostrava), die das Programm um interessante Vorträge bereichern. „Aber auch Leute aus Krawarn besuchen regelmäßig unsere Veranstaltungen. Da ich jetzt in der Grundschule arbeite, habe ich auch die Kinder eingeladen, gemeinsam mit ihren Eltern bei uns vorbeizukommen“, erzählt Knyblová.

Pavla Knyblová leitet das BGZ seit 2017. Foto: Manuel Rommel

Pavla Knyblová leitet das BGZ seit 2017. Foto: Manuel Rommel

Fokus auf jungen Leuten

Regelmäßig kommt auch Jiří Lusar (*1984) zum BGZ. „Seit zehn Jahren bin ich Mitglied in diesem deutschen Verband. Nachdem ich die Hochschule absolviert hatte, wollte ich etwas mit der deutschen Sprache machen“, erinnert sich Lusar und fügt hinzu: „Da ich Deutsch und Geschichte studiert habe, interessiere ich mich für alles, was mit Deutschland zu tun hat. Ich wusste, dass es hier seit langem einen deutschen Verband gibt. Da war es eine gute Möglichkeit für mich, sich hier der deutschen Minderheit zu nähern. Seitdem bin ich als Lehrer in Krawarn tätig und gebe Deutschkurse. Als gebürtiger Tscheche mit deutschen Vorfahren habe ich mich immer der deutschen Minderheit zugehörig gefühlt.“

Jiří Lusar ist seit über zehn Jahren aktives Mitglied im Deutschen Freundeskreis Krawarn. Foto: Manuel Rommel

Jiří Lusar ist seit über zehn Jahren aktives Mitglied im Deutschen Freundeskreis Krawarn. Foto: Manuel Rommel

Was sind die Zukunftspläne des BGZ? „Wir brauchen wirklich viele junge Leute. Aktuell sind es acht bis zehn Leute, die die Veranstaltungen vorbereiten und bei der Durchführung helfen. In Zukunft möchten wir mehr Veranstaltungen für junge Leute und auch mehrere Events auf Deutsch anbieten“, sagt BGZ-Leiterin Knyblová. „Mit unseren Projekten sind wird auf einem guten Weg. Die Leute müssen kein Mitglied sein, um sich für die deutsche Kultur zu interessieren“, fügt Lusar hinzu.


CoverNeugierig geworden? Mehr über das BGZ und die deutsche Minderheit in Krawarn erfahren Sie in der Broschüre „Begegnungen. Die deutsche Minderheit in Tschechien“, erhältlich in den BGZ oder zum kostenlosen Download auf der Webseite der Landesversammlung.