Ondrej Pöss, langjähriger Vorsitzender des Karpatendeutschen Vereins und Direktor des Karpatendeutschen Museums, prägte über Jahrzehnte das kulturelle Leben der deutschen Minderheit in der Slowakei.
Ondrej Pöss, langjähriger Vorsitzender des Karpatendeutschen Vereins und Direktor des Karpatendeutschen Museums, prägte über Jahrzehnte das kulturelle Leben der deutschen Minderheit in der Slowakei. Credit: Facebook/ Karpatendeutsches Museum

Die deutsche Minderheit in der Slowakei und darüber hinaus trauert um eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten: Dr. Ondrej Pöss ist am 20. April 2026 im Alter von 75 Jahren gestorben. Über Jahrzehnte hinweg gestaltete er als Vorsitzender des Karpatendeutschen Vereins maßgeblich das kulturelle und gesellschaftliche Leben der deutschen Minderheit in der Slowakei.

Geboren wurde Ondrej Pöss am 7. November 1950 in Krickerhau (Handlová). Nach dem Studium der Mathematik und Physik an der Comenius-Universität in Preßburg (Bratislava) arbeitete er zunächst an der Universität und später am Historischen Institut der Slowakischen Akademie der Wissenschaften. Sein eigentliches Lebenswerk fand jedoch im kulturellen Bereich seine Erfüllung: 1994 wurde er mit dem Aufbau des Museums der Kultur der Karpatendeutschen beauftragt, das drei Jahre später offiziell eröffnet wurde. Bis 2021 leitete er das Museum.

Im Karpatendeutschen Verein übernahm Pöss früh Verantwortung. 1991 war er Mitgründer der Ortsgruppe in seiner Heimatstadt Krickerhau, von 2003 bis 2008 sowie erneut von 2013 bis 2026 stand er an der Spitze des Vereins. Bekannt war er zudem als Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen, Bücher und Artikel für das Karpatenblatt.

„Der Karpatendeutsche Verein dankt ihm für seinen unermüdlichen Einsatz für die Bewahrung der Geschichte und Identität der Karpatendeutschen, dessen wirken weit über sein Leben hinaus wirkt“, schreibt der Verein in einem Nachruf im Karpatenblatt.

„Ein Mensch von außergewöhnlicher Güte“

Zwischen den Karpatendeutschen in der Slowakei und den Deutschen in Tschechien entstanden über die Jahre enge Verbindungen und freundschaftliche Kontakte. Richard Neugebauer, Präsident der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik, würdigt Pöss als Persönlichkeit, die ihr Wissen bewusst in den Dienst der deutschen Minderheit gestellt hat: „Die deutsche Minderheiten litten nach der Wende an einem Mangel der Eliten. Für ausgebildete junge Leute war es nicht in Mode, sich der Vereinsarbeit anzuschließen. Umso wichtiger ist jeder Akademiker, der absichtlich die bequeme Karriere verlässt und sein Wissen und Können seiner Volksgruppe widmet. Einer davon war Ondrej Pöss.“

Martin Herbert Dzingel, Geschäftsführer der Landesversammlung, erinnert an erste Kontakte kurz nach der Samtenen Revolution und an die später deutlich vertiefte Zusammenarbeit mit dem Karpatendeutschen Verein und Ondrej Pöss. Man habe gemeinsam Veranstaltungen durchgeführt und sich regelmäßig besucht. „Dr. Pöss war eine herausragende Persönlichkeit. Er war ein Mensch von außergewöhnlicher Güte. Ich kann mich an keinen einzigen negativen oder unangenehmen Zug an ihm erinnern. Zugleich war er ein brillanter Diplomat mit feinem Gespür für Menschen und Situationen, und vor allem ein wahrer, verlässlicher Freund“, so Dzingel.

Für sein Engagement erhielt Pöss mehrere Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland und das Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. In Erinnerung bleiben wird er als engagierter Vertreter der deutschen Minderheit, als Vermittler und als Mensch, der Brücken baute.

Die Beisetzung fand im engsten Familienkreis am 23. April in Preßburg (Bratislava) statt.

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