Bei den deutschen Vereinen in Jägerndorf und Troppau gibt es neue Vorsitzende. Beide wollen ihre Vereine stärker öffnen und insbesondere junge Menschen erreichen.
Bei den deutschen Vereinen im schlesischen Jägerndorf (Krnov) und Troppau (Opava) stehen die Zeichen auf Veränderung. Beide Vereine haben neue Vorsitzende gewählt. Während in Jägerndorf die Germanistin Jana Nálepová die Leitung übernommen hat, steht in Troppau mit Norbert Jan Maria Hnátek ein Priester des Deutschen Ordens an der Spitze. Beide verbindet eine Herausforderung: Wie lassen sich die Traditionen der deutschen Minderheit bewahren und zugleich jüngere Menschen für die Vereinsarbeit gewinnen?
Germanistin an der Spitze in Jägerndorf
Für Jana Nálepová ist die deutsche Sprache seit Jahrzehnten Teil ihres persönlichen und beruflichen Lebens. Die 1960 in Gablonz an der Neiße (Jablonec nad Nisou) geborene Pädagogin mit deutschen Wurzeln arbeitete als Lehrerin und ist seit 1999 als Dozentin am Institut für Fremdsprachen der Schlesischen Universität in Troppau tätig. Dem Schlesisch-Deutschen Verband in Jägerndorf gehört sie seit 1995 an. Im April wurde sie zur Vorsitzenden gewählt und folgte damit auf Horst Westphal.
Als eines der ersten Projekte möchte der Verein gemeinsam mit der Stadt Jägerndorf eine Gedenktafel für Kurt Schmidt errichten. Der Gründer des Heimatkreises Jägerndorf setzte sich zeitlebens für die Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Tschechen ein.
Bewährte Veranstaltungen wie Muttertags- und Weihnachtsfeier sollen bleiben. Daneben plant Nálepová Deutschkurse für Vereinsmitglieder und Jugendliche sowie Workshops und ein Genealogieseminar. Gemeinsam mit der Germanistikabteilung der Schlesischen Universität und dem Heimatkreis Jägerndorf veranstaltete der Verein in diesem Jahr zudem den Schülerwettbewerb „Unsere Wurzeln“, der 2027 fortgesetzt werden soll.
Etwa einmal im Monat sind zudem thematische Treffen geplant. Zu Gast war beispielsweise bereits der Schriftsteller Pavel Šuba, dessen Bücher sich mit dem Zusammenleben von Deutschen und Tschechen in der Grenzregion beschäftigen. Auch die Zusammenarbeit mit dem Heimatkreis Jägerndorf und anderen Begegnungszentren möchte Nálepová vertiefen.
Ein Ordenspriester übernimmt in Troppau
Neuer Vorsitzender des Schlesisch-Deutschen Vereins in Troppau ist Norbert Jan Maria Hnátek. Der 52-Jährige ist seit 2003 Priester und gehört seit 2010 dem Deutschen Orden an. Seit 2018 wirkt er unter anderem als Pfarrer in Gilschwitz (Kylešovice), als Oberer des Ordenskonvents in Troppau und als geistlicher Leiter des Kirchenkonservatoriums des Deutschen Ordens.
Sein Weg zum deutschen Verein führte über die Kirche. Nach Hnáteks Ankunft in Troppau bat ihn der damalige Vorsitzende Hans Korbel, die vom Verein organisierten deutschsprachigen Gottesdienste fortzuführen. Hnátek beteiligte sich daraufhin zunehmend an weiteren Aktivitäten und wurde schließlich in den Vorstand gewählt.

Als eine seiner wichtigsten Aufgaben bezeichnet Hnátek die Einbeziehung junger Menschen. Zugleich möchte er das Begegnungszentrum stärker für die Öffentlichkeit öffnen. Schüler verschiedener Altersgruppen sollen dort an Nachmittagsangeboten rund um deutsche Sprache und Kultur teilnehmen können.
Dafür strebt der Verein Kooperationen mit Schulen, der Schlesischen Universität, dem Kirchenkonservatorium, der Stadt Troppau und weiteren Partnern an. Zugleich sollen bewährte Veranstaltungen fortgeführt und neue Angebote wie Ausflüge, Ausstellungen und Kammerkonzerte geschaffen werden. „Wir sind zwar nicht viele, aber gemeinsam können wir – je nach Interesse – nach und nach zumindest einige Dinge einführen, die zu unserer gemeinsamen Lebensfreude beitragen“, sagte Hnátek im Radioprogramm „Nachbarn / Sousedé“.
Hnátek folgte auf Richard Neugebauer, der nach seiner Wahl zum Präsidenten der Landesversammlung der deutschen Vereine den Vereinsvorsitz in Troppau niederlegte. Zugleich hört Ellen Švábová als Leiterin des Begegnungszentrums auf, die Nachfolge steht derzeit noch nicht fest.
Jugendklub weitet Aktivitäten aus
Wie die angestrebte Verjüngung konkret aussehen könnte, zeigt eine Initiative, die in Troppau bereits angelaufen ist. In diesem Jahr wurde dort ein Jugendklub gegründet, für den im Begegnungszentrum ein eigener Raum eingerichtet wurde. Geleitet wird er vom 18-jährigen Schüler Lukáš Korbel.

„Wir sind kein Klub, der sagt: Kommt her, und wir lernen hier nur Deutsch“, erklärt Korbel. Stattdessen setzt der Klub auf einen spielerischen Zugang zur deutschen Sprache und gemeinsame Freizeitaktivitäten. Die Jugendlichen haben bereits gemeinsam gegrillt, geplant sind unter anderem eine Radtour, ein Musik- und ein Brettspielabend sowie ein vorweihnachtliches Filmtreffen. Perspektivisch möchte der Klub außerdem zeigen, wie sich Deutschkenntnisse praktisch einsetzen lassen – etwa bei Reisen nach Deutschland oder einem Praktikum. Mit klassischem Deutschunterricht allein seien viele Jugendliche heute nur schwer zu erreichen, meint Korbel. Der Jugendklub wolle deshalb zeigen, „dass man mit Deutsch viele Dinge machen und auch viel dadurch gewinnen kann“.
Dieser Beitrag erschien zuerst in der Landesecho-Ausgabe 9/2026
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