Mit zwei außergewöhnlichen Filmabenden verabschiedet sich Das Filmfest am Montag und Dienstag von seinem Prager Publikum. Zum Abschluss stehen unter anderem ein Stummfilmklassiker mit Chorbegleitung, ein hundertjähriger Animationsfilm mit Live-Jazz und ein ungewöhnliches Liebesdrama aus der Black-Metal-Szene auf dem Programm. Anschließend zieht das Festival weiter nach Brünn.
Ein Jahrhundert Filmgeschichte an zwei Abenden: Zum Finale seiner diesjährigen Prager Ausgabe spannt Das Filmfest einen weiten Bogen zwischen den Anfängen des Kinos und der Gegenwart. Während am Montag, den 19. Oktober, ein expressionistischer Stummfilmklassiker mit Live-Musik auf die Leinwand zurückkehrt, stehen am Dienstag, den 20. Oktober, zwei ganz unterschiedliche Werke im Mittelpunkt: ein preisgekrönter Schweizer Debütfilm und ein Pionierwerk des Animationskinos aus dem Jahr 1926.
Der Golem kehrt nach Prag zurück
Ein besonderer Höhepunkt erwartet die Besucher am Montag in der evangelischen Salvatorkirche in der Prager Altstadt. Dort wird der Stummfilm Der Golem, wie er in die Welt kam von Paul Wegener und Carl Boese aus dem Jahr 1920 aufgeführt. Der expressionistische Klassiker erzählt die Legende des Golems aus dem Prager Ghetto und kehrt damit gewissermaßen an seinen historischen Schauplatz zurück.
Für die musikalische Begleitung sorgt ein 30-köpfiger Chor aus Hamburg, unterstützt von der Organistin Patrycja Olszewska und dem Schlagzeuger Knud Feddersen. Das von Chorleiterin Anne Michael entwickelte musikalische Konzept verbindet Chormusik und jiddische Volkslieder mit Improvisationen, die auf die Stimmungen und den Rhythmus des Films reagieren.
Ebenfalls am Montag ist das Schweizer Drama Heldin von Regisseurin Petra Volpe zu sehen. Der Film, der es als Schweizer Oscar-Beitrag auf die Shortlist schaffte, thematisiert die Überlastung des Pflegepersonals im Gesundheitswesen. Im Anschluss an die Vorführung ist eine Diskussion über die im Film angesprochenen Probleme geplant.
Zwischen Black Metal und Scherenschnitt
Am Dienstag endet die Prager Ausgabe mit zwei weiteren Höhepunkten. Im Kino Lucerna wird das Regiedebüt Wolves (Vlci) von Jonas Ulrich gezeigt. Die ungewöhnliche Liebesgeschichte spielt in der Black-Metal-Szene, die im Film auch von rechtsextremistischen Strömungen geprägt ist. Zur Abschlussvorführung werden Regisseur Jonas Ulrich, Produzentin Nicole Ulrich und Hauptdarstellerin Selma Kopp persönlich erwartet.

Einen Kontrast dazu bildet Die Abenteuer des Prinzen Achmed von Lotte Reiniger im Edison Filmhub. Der 1926 entstandene Scherenschnittfilm gilt als eines der ältesten erhaltenen abendfüllenden Animationswerke der Filmgeschichte und feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag.
Für die besondere Aufführung wird der Stummfilm live vom italienischen Jazzquartett Andrea Avena Project begleitet. Die Schauspielerin Luna Marongiu verleiht zudem den Zwischentiteln ihre Stimme. So entsteht eine Verbindung aus bewegten Schattenbildern, Musik und gesprochenem Wort.

Weitere Filme und nächste Stationen
Auch abseits der Abschlussvorführungen bietet das Festival an seinen letzten beiden Prager Tagen weitere aktuelle Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dazu gehört das Schwarz-Weiß-Drama Rose mit Sandra Hüller, die für ihre Darstellung bei der Berlinale mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde. Der Film führt in die raue ländliche Welt des 17. Jahrhunderts.
An den 80. Geburtstag der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek erinnert die Tragikomödie Liebhaberinnen, eine zeitgemäße Adaption ihres gleichnamigen Romans. Das intensive Kammerspiel Karla wiederum erzählt, inspiriert von einem wahren Gerichtsfall, von einem zwölfjährigen Mädchen, das darum kämpft, vor Gericht Gehör zu finden.
Mit dem Abschluss in Prag ist das deutschsprachige Filmfestival allerdings noch nicht zu Ende. Vom 26. bis 30. Oktober gastiert Das Filmfest im Kino Art in Brünn (Brno). Vom 3. bis 5. November folgt eine Auswahl des diesjährigen Programms im Konvikt in Olmütz (Olomouc), bevor das Festival vom 7. bis 12. November im Kino/ Veřejný sál Hraničář in Aussig (Ústí nad Labem) Station macht.
Veranstaltet wird Das Filmfest vom Goethe-Institut Tschechien, dem Österreichischen Kulturforum in Prag und der Schweizerischen Botschaft in Tschechien.
Das vollständige Programm und Eintrittskarten gibt es unter www.dasfilmfest.cz.
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