Nach dem Brand auf dem Gelände der LPP Holding in Pardubitz (Pardubice) hat die Polizei drei Verdächtige festgenommen. Zwei sitzen in Tschechien in Untersuchungshaft, eine weitere Person wurde in der Slowakei gefasst. Die Ermittler gehen inzwischen von einem möglichen Terroranschlag aus und prüfen ein größeres Netzwerk.
Die Ermittlungen zum Brandanschlag vom vergangenen Freitag haben damit eine entscheidende Wendung genommen. Während zunächst vor allem die Ursache des Feuers und mögliche Motive im Fokus standen, richtet sich die Aufmerksamkeit nun auf konkrete Tatverdächtige. Die Polizei wirft den Festgenommenen terroristische Handlungen sowie die Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung vor.
Der Brand hatte eine Produktionshalle und ein Verwaltungsgebäude schwer beschädigt. Verletzt wurde niemand, der entstandene Schaden wird jedoch auf mehrere hundert Millionen Kronen geschätzt. Aufmerksamkeit hatte zunächst ein auf X veröffentlichtes Video erregt, in dem sich die bislang unbekannte propalästinensische Gruppierung „The Earthquake Faction“ zu dem Angriff bekannte. Sicherheitsbehörden schließen jedoch eine False-Flag-Operation nicht aus, bei der die mutmaßliche Gruppe als gezielte Tarnung für eine andere Organisation oder einen staatlichen Akteuer dient.
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Brand bei Rüstungsfirma in Pardubitz – Terrorverdacht wird geprüft
Am Freitagmorgen kam es auf dem Gelände einer Rüstungsfirma in Pardubitz (Pardubice) zum Brand einer Lagerhalle. Ermittler prüfen einen möglichen terroristischen Hintergrund im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg. Tschechiens Innenminister Metnar hat einen Krisenstab einberufen.
Mehr…Haft, Auslieferung und juristische Schritte
Bei den in Tschechien festgenommenen Verdächtigen handelt es sich um einen jungen Mann mit ausländischer Staatsbürgerschaft und eine junge Tschechin. Auf Anordnung der Obersten Staatsanwaltschaft in Prag wurden beide am Dienstagabend in Untersuchungshaft genommen. Ausschlaggebend für die Inhaftierung waren laut Gericht Fluchtgefahr, die Möglichkeit der Beeinflussung von Zeugen sowie die Sorge vor einer Fortsetzung der Tat. Die Angeklagten bekannten sich vor Gericht nicht schuldig. Ihnen drohen bis zu 20 Jahre Haft und eine Höchststrafe wegen terroristischer Handlungen.
Die dritte festgenommene Verdächtige ist US-amerikanische Staatsbürgerin und wurde in der Slowakei gefasst. Dort befindet sie sich noch in Untersuchungshaft, die tschechischen Behörden haben aber bereits Schritte zur Auslieferung eingeleitet. Grundlage ist der Europäische Haftbefehl (EAW), der eine vereinfachte Überführung innerhalb der EU ermöglicht.
Breitere Ermittlungen und mögliche Hintergründe
Parallel zu den Festnahmen laufen die Ermittlungen in verschiedene Richtungen weiter. Die Polizei geht davon aus, dass neben den drei Verdächtigen noch weitere Personen an der Tat beteiligt gewesen sein könnten. Entsprechend wird auch international nach möglichen Komplizen gefahndet.
Unklar bleibt weiterhin, in welchem Umfang die Tat politisch motiviert war. Die Gruppe, die sich öffentlich zu dem Anschlag bekannte, hatte Forderungen im Zusammenhang mit angeblichen Verbindungen der LPP Holding zu einem israelischen Rüstungskonzern gestellt und mit der Veröffentlichung sensibler Dokumente gedroht. Sicherheitsbehörden prüfen jedoch weiterhin verschiedene Versionen des Brandhergangs.
Trotz der laufenden Ermittlungen betonen die Behörden, dass derzeit keine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung bestehe. Die Terrorwarnstufe in Tschechien liegt weiterhin bei Stufe zwei von vier und wurde auch nach dem Brand in Pardubitz nicht angehoben. Gleichzeitig wurden präventiv verstärkte Sicherheitsmaßnahmen angekündigt, insbesondere im Zusammenhang mit den bevorstehenden Osterfeiertagen und Großveranstaltungen.




