Das diesjährige Abschlussmusical der Grundschule der deutsch-tschechischen Verständigung verband die Suche nach der eigenen Heimat mit Musik und Theater.

Mit dem Musical verabschiedeten sich die fünften Klassen am 18. Juni 2026 von ihrer Grundschulzeit. An den zwei Aufführungen wirkten rund 340 Kinder mit. Neben Schülerinnen und Schülern der Prager Grundschule standen außerdem Kinder der Partnerschulen aus Heilsbronn und Schildow auf der Bühne. In dem Musical zeigten die Kinder ihr Können in Musik, Tanz und Schauspiel und folgten der Frage: Wo ist mein Platz in der Welt?

Seit rund 13 Jahren gehört das Abschlussmusical zum festen Konzept der Schule. Während die Fünftklässler die Hauptrollen übernehmen, unterstützen die jüngeren Jahrgänge und die Kinder der Partnerschulen die Aufführung musikalisch und tänzerisch. In diesem Jahr fand das Musical zum Ende des Schuljahres im Palace Theater statt und trug den Titel „Schiff Ahoi!“

Suche nach dem eigenen Zuhause

Im Mittelpunkt des diesjährigen Stücks stand der tschechische Junge Josífek. Gemeinsam mit einer Piratenbande begibt er sich auf eine Reise um die Welt, um eine Antwort auf die Frage zu finden: „Wo ist mein Platz in der Welt, wo bin ich zuhause?“

Seine Reise führt ihn von Prag aus über mehrere Kontinente und durch verschiedene Kulturen. In Afrika lernt er die Bedeutung von Mut, Offenheit und Gemeinschaft kennen.

In New York erlebt Josífek die Hektik einer Großstadt und erkennt den Wert von Ruhe und Gelassenheit. Im brasilianischen Regenwald steht Zusammenhalt im Mittelpunkt. Mit der Botschaft „Wenn der Wald atmet, atmet die Welt“ thematisiert das Musical die Verantwortung für Natur und Umwelt. 

Auch in Asien lernt Josífek viel Neues. Wissenschaftler, Roboter und Tänzerinnen stellen eine Welt des technischen Fortschritts und der Perfektion dar. Im Dialog mit einem Wissenschaftler gelangt der Protagonist zu der Erkenntnis, dass Fehler zum Leben gehören und dass man aus ihnen lernen kann.

In Australien beschäftigt sich das Musical mit Herkunft und Geschichte. Die Kinder singen: „Aufstehen und aufeinander zugehen, voneinander lernen, miteinander umzugehen.“ Damit verdeutlichen sie, wie wichtig es ist, seine Geschichte zu kennen: Man muss wissen, woher man kommt, um zu erkennen, wohin man möchte.

Vor seiner Rückkehr nach Prag führt ihn die Reise in die Antarktis. Dort begegnet Josífek unangenehmer Kälte und ⎼ trotz der Umstände ⎼ fröhlich tanzenden Pinguine und er erkennt, dass man nicht immer das findet, was man sucht, aber dennoch das Beste aus jeder Situation machen kann.

Am Ende kehrt Josífek zu seinem Opa nach Prag zurück und hat auch eine Antwort auf seine Frage, wo er zuhause ist: Ein Zuhause ist mehr als ein konkreter Ort. Es ist vor allem ein Gefühl und die Gemeinschaft der Menschen, mit denen man verbunden ist.

Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg

Ein wichtiger Bestandteil des Projekts war die Zusammenarbeit mit den Partnerschulen. Schülerinnen und Schüler der Europaschule am Fließ in Schildow sowie der Grundschule Heilsbronn beteiligten sich an den Aufführungen. Sie studierten eigene Lieder ein und traten gemeinsam mit den Prager Kindern auf.

Schuldirektorin Hana Nápravníková betonte die pädagogische Bedeutung der Zusammenarbeit: „Es soll nicht nur eine Vorstellung sein, sondern auch Bildung.“ Die gemeinsame Arbeit fördere den Austausch zwischen deutschen und tschechischen Kindern und unterstütze die Verständigung in verschiedenen Sprachen.

Passend zum bilingualen Profil der Schule wurde das Musical auf Deutsch und Tschechisch aufgeführt. Erzählerinnen und Erzähler führten das Publikum durch die Handlung, sodass jeder dem Geschehen folgen konnte.

An der Grundschule der deutsch-tschechischen Verständigung gehören Musik und Tanz zum festen Schulkonzept. Credit: Henriette Noack

Musik als Teil des Schulkonzepts

Die Musik für „Schiff Ahoi!“ komponierte Ramona Schulz, die musikalische Leiterin der Schule. Gemeinsam mit weiteren Lehrkräften entwickelte sie das Stück, basierend auf einer Idee, die die Kinder schon im letzten Schuljahr hatten: Piraten in der Karibik. Während der Aufführung begleitete sie einzelne Szenen am Klavier und dirigierte die musikalischen Auftritte.

Das Musical steht in engem Zusammenhang mit dem musikpädagogischen Konzept der Schule, das sich am sogenannten Orff-Schulwerk orientiert. Musik, Sprache und Bewegung werden dabei als gemeinschaftliche Lernformen verstanden.

Für Ramona Schulz stehen deshalb nicht nur die Aufführungen selbst im Mittelpunkt, sondern vor allem der gemeinsame Weg dorthin. Die diesjährige Produktion fasste sie in drei Begriffen zusammen: „Spaß“, „Botschaft“ und „Gemeinschaft“.

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