Das Projekt „Reminiszenz“ an der Grundschule der deutsch-tschechischen Verständigung in Prag bringt Kinder und Senioren zusammen, um sich auszutauschen und voneinander zu lernen.
Am Freitagmorgen, den 27. März, empfing die Klasse 4b der Grundschule der deutsch-tschechischen Verständigung in Prag Senioren aus dem Seniorenheim Domov pro seniory Ďáblice. Die Schülerinnen und Schüler begrüßten ihre Gäste herzlich in der Eingangshalle und begleiteten sie anschließend in die Aula. Dort hatten sie bereits liebevoll Tische mit Tischdecken, Blumen sowie Kuchen, Plätzchen und Tee vorbereitet – alles sorgfältig ausgewählt und organisiert. Jeweils fünf bis sechs Kinder nahmen gemeinsam mit einem von fünf Senioren an einem Tisch Platz. Schnell entwickelten sich vertraute Gespräche zwischen den Kindern und den Senioren, denn es war nicht das erste Aufeinandertreffen im Rahmen des Projekts Reminiszenz.
Lebensgeschichte lebendig machen
Das Projekt erstreckte sich über fast zwei Monate und umfasste insgesamt drei Treffen. Kurz vor den Treffen wurden die Kinder gezielt auf den Umgang mit älteren Menschen vorbereitet. Sie lernten, langsamer und deutlicher zu sprechen sowie geduldig und respektvoll zu kommunizieren. „Das sind Kleinigkeiten, aber heutzutage sind die Kinder so schnell und laut und es ist wichtig, bei den Senioren Rücksicht zu nehmen“, so Schulleiterin Hana Nápravníková. Beim ersten Treffen im Seniorenheim stand das gegenseitige Kennenlernen im Mittelpunkt. Die Kinder erfuhren viel über die Lebensgeschichten ihrer ihnen zugeteilten Senioren. Beim zweiten Treffen begannen sie gemeinsam mit ihnen, sogenannteLebensposter zu gestalten.
Es fließen Tränen
Im Mittelpunkt des dritten und abschließenden Treffens stand die Präsentation dieser Poster. Darauf stellten die Kinder das Leben ihres Seniors vor – mit Fotos, Informationen zur Kindheit und Schulzeit, Lieblingsessen sowie persönlichen Erlebnissen. Einige Plakate griffen zudem historische Themen wie den Zweiten Weltkrieg oder die Wende von 1989 auf. Auf diese Weise erhalten die Kinder einen anschaulichen Zugang zur Geschichte, die sie in den kommenden Monaten im Unterricht begleiten wird.

Für einen besonders bewegenden Moment sorgte eine musikalische Überraschung: Die Kinder hatten Lieblingslieder oder Lieder aus der Kindheit der Senioren auswendig gelernt und trugen diese, begleitet von Klaviermusik, vor. Viele der Senioren sangen mit, bei einigen wurden Erinnerungen wach, die sie zu Tränen rührten. „Genau darauf zielen wir ab, dass die Menschen durch diese Gespräche, durch Erinnerungen an vergangene Zeiten, durch Musik und vertraute Dinge aus ihrer Umgebung ihr Gedächtnis wieder aktivieren und beleben“, erklärte Hana Nápravníková.
Auch die Senioren brachten eine Überraschung in Form von kleinen Geschenken mit, darunter gehäkelte, getöpferte oder bemalte Gegenstände, die bei den Kindern auf große Begeisterung stießen. Zum Abschluss der Veranstaltung wurden gemeinsam weitere Lieder gesungen, ein schöner Ausklang eines bewegenden Treffens.
Begegnung gegen Einsamkeit
Das generationsübergreifende Projekt Reminiszenz findet seit 13 Jahren statt und soll den Austausch zwischen jungen und älteren Generationen fördern. „Das Wichtigste ist, dass die Kinder lernen, mit älteren Menschen zu sprechen, da viele Omas und Opas haben, die weit weg wohnen oder mit denen die Beziehungen nicht optimal sind“, sagte Hana Nápravníková. Gleichzeitig haben einige der Senioren keine Familie mehr und fühlen sich oft einsam. Umso wichtiger sind für sie diese gemeinsamen Begegnungen, in denen sie sich austauschen, Erinnerungen teilen und ein Gefühl von Gemeinschaft erleben können.
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