Die Zahl registrierter Borreliose-Fälle ist in Tschechien deutlich gestiegen. Experten führen dies vor allem auf veränderte Meldeverfahren zurück, die die tatsächliche Verbreitung der durch Zeckenbisse verursachten Krankheit besser abbilden sollen.
Im ersten Quartal dieses Jahres wurden in Tschechien mehr als 1300 Fälle der durch Zecken übertragenen Krankheit erfasst – über dreimal so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Nach Angaben des Staatlichen Instituts für Gesundheit (SZÚ) spiegelt dieser Anstieg jedoch nicht zwangsläufig eine stärkere Ausbreitung der Krankheit wider. Hintergrund ist eine Umstellung der Meldepraxis: Seit Juli vergangenen Jahres werden Diagnosen durch Hausärzte automatisch im System erfasst. Zuvor mussten Erkrankungen über separate Formulare gemeldet und zusätzlich durch Labordaten bestätigt werden. Durch das vereinfachte und automatisierte Verfahren werden Borreliose-Fälle nun häufiger registriert.
Auch zuvor nicht erfasste Borreliose-Fälle werden nun registriert
Nach Einschätzung von Fachleuten sorgt das neue System vor allem dafür, bislang nicht erfasste Fälle sichtbar zu machen. Gerade bei milden Verläufen ist eine Laborbestätigung oft nicht notwendig, sodass diese zuvor seltener gemeldet wurden. Die aktuellen Zahlen gelten daher als realistischeres Abbild der tatsächlichen Situation.
Unabhängig davon beobachten Experten bereits seit mehreren Jahren einen generellen Anstieg von durch Zecken übertragenen Krankheiten. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt mehr als 11.000 Borreliose-Fälle sowie über 700 Fälle von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) registriert.
Zeckenkrankheiten bleiben verbreitet
Tschechien zählt weiterhin zu den Ländern mit besonders hoher Belastung durch Zeckenkrankheiten in Europa. Nur im Baltikum kommen Zecken noch häufiger vor. Experten sehen unter anderem klimatische Veränderungen als Ursache, da Zecken dadurch länger aktiv bleiben und sich in höhere Lagen ausbreiten.
Typische Symptome einer Borreliose sind unter anderem Fieber, Müdigkeit sowie Muskel- und Gelenkschmerzen. Häufig tritt zudem eine charakteristische Rötung an der Bissstelle auf. Unbehandelt kann die Krankheit auch schwerwiegende Folgen haben, etwa für Gelenke oder das Nervensystem. Während gegen FSME ein Impfung existiert, befindet sich ein Impfstoff gegen Borreliose noch im Zulassungsverfahren. Erste Studien bescheinigen ihm jedoch bereits eine gewisse Wirksamkeit.
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