Die Orgel der Pfarrkirche St. Jakobus in Netschetin muss dringend restauriert werden.
Die Orgel der Pfarrkirche St. Jakobus in Netschetin muss dringend restauriert werden. Credit: Bund der Deutschen in Böhmen,

Die historische Orgel der Pfarrkirche St. Jakobus in Netschetin (Nečtiny) steht vor dem Verfall. Der Bund der Deutschen in Böhmen ruft dazu auf, das Instrument aus dem Jahr 1752 umfassend zu restaurieren und dauerhaft zu sichern.

Die Netschetiner Orgel gilt als eines der frühesten und zugleich ältesten erhaltenen Werke des bedeutenden Orgelbauers Johann Leopold Rausch. Rausch schuf im Laufe seines Lebens mehr als 30 Instrumente. Sein Hauptwerk war die große zweimanualige Orgel mit 36 Registern für die St.-Bartholomäus-Kirche (heute Pilsener Dom). Von seinen vielen Orgeln sind heute nur noch etwa sechs erhalten. Während die Orgel wie in Bischofteinitz (Horšovský Týn) kürzlich erfolgreich restauriert werden konnte, warten die übrigen, darunter auch die Netschetiner Orgel, dringend auf ihre Restaurierung. Für die Netschetiner Orgel läuft derzeit eine Spendenaktion des Bundes der Deutschen in Böhmen, um die dringend benötigte Restaurierung des historischen Instruments zu finanzieren.

Restaurierung in mehreren Etappen

„Die Kosten liegen vorläufig schätzungsweise bei fünf Millionen Kronen und die hoffentlich bewilligte Zuwendung liegt bei 80 Prozent der Kosten, sodass etwa eine Million Kronen [ca. 41.200 Euro; Anm. d. Red.] aufgebracht werden müssen“, erklärt Richard Šulko vom Bund der Deutschen in Böhmen. Die Instandsetzung ist in mehreren Etappen geplant, wobei jede Etappe etwa ein Jahr in Anspruch nehmen wird. Mit der Restaurierung soll nicht nur ein wertvolles Instrument gerettet, sondern auch ein bedeutendes Stück regionaler Kultur- und Musikgeschichte bewahrt werden. 

Eine bedeutende Orgel aus dem 18. Jahrhundert

Die Geschichte der Orgel in der Pfarrkirche von Netschetin ist seit der Mitte des 17. Jahrhunderts dokumentiert. In den Jahren 1750 bis 1752 wurde anstelle der gotischen Kirche ein neues und hochbarockes Gotteshaus errichtet. Der einschiffige Bau mit seinem markanten Turm und der charakteristischen Zwiebelkuppel prägt bis heute das Ortsbild. Im Jahr 1752 baute der junge Pilsner Organist Johann Leopold Rausch hier eine neue Orgel mit zwei Manualen und 15 Registern. Im Rechnungsbuch wurde ein „Orgelbauer aus Pilsen“ vermerkt und da Rausch der einzige Orgelbauer zu der Zeit in Pilsen war, wurde der Bau auf ihn zurückgeführt. Rausch wurde 1719 in Wien geboren, absolvierte seine Ausbildung vermutlich bei Andreas Niederle und ließ sich später in Pilsen nieder, wo er eine erfolgreiche Orgelbauwerkstatt führte.

Spendenkonto Orgel Netschetin 
IBAN: DE09 7805 0000 0223 2615 46
Weitere Informationen finden Sie unter www.csas.cz.

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