Der Ausstellungsraum von DEVADE
Der Ausstellungsraum von DEVADE Credit: CAMP DEVADE

Seit Ende Januar zeigt das Zentrum für Architektur und Stadtplanung in Prag (CAMP) die Ausstellung DEVADE – Prags Architektur inmitten von Sparmaßnahmen und Disco, die bis zum 17. Mai Einblicke in die Bauweise und Architektur der 1990er Jahre in Prag gibt.

Die Architektur der 1990er Jahre wird oft nur mit wilden Partys, Optimismus und auffälliger Postmoderne in Verbindung gebracht. Tatsächlich war sie gar nicht so „wild“ und lässt sich zwischen zwei ästhetischen Polen beschreiben: Einerseits die Strenge, inspiriert von der Moderne und dem Funktionalismus, mit klaren Formen, hochwertigen Materialien und einem zurückhaltenden Charakter. Andererseits die „Discoseite“, eine verspielte Postmoderne mit auffälligen Formen, Goldakzenten und demonstrativen Prunk. Gerade das Zusammenspiel dieser Gegensätze macht die Architektur der 1990er Jahre so spannend.

30 Bauwerke und ihre Geschichte

Im Zentrum der Ausstellung ⎼ der Titel ist eine Abkürzung des tschechischen Begriffs devatesátky (dt. die Neunziger Jahre) ⎼ stehen 30 ausgewählte Gebäude, die zwischen 1989 und 2004 in Prag entstanden sind. Die Schau zeigt nicht nur die Gebäude selbst, sondern beleuchtet auch die Umstände ihrer Entstehung. „Das Verständnis der Architektur der 90er Jahre ist für die Planung Prags von entscheidender Bedeutung, da viele Themen dieser Zeit noch heute behandelt werden und wir sie auch im Metropolitan Plan behandeln“, sagt Ondřej Boháč, Direktor des Instituts für Planung und Entwicklung (IPR Praha) in Prag. Behandelt werden unter anderem die Rolle von Berufsverbänden, das Aufkommen der ersten Hobbymärkte und die politische Debatte über Architektur nach 1989.

Besucher verfolgen eine Großprojektion mit Archivmaterial und aktuellen Fotografien zum sozialen Kontext der Epoche.
Besucher verfolgen eine Großprojektion mit Archivmaterial und aktuellen Fotografien zum sozialen Kontext der Epoche. Credit: CAMP DEVADE

Eine großformatige Projektion mit Archivmaterial des Tschechischen Fernsehens und aktuellen Fotografien veranschaulicht den sozialen Kontext der Epoche. Besucher können diese Installation von Zeremonienstühlen aus verfolgen, die der Designer Bořek Šípek in den 1990er Jahren für den Spanischen Saal der Prager Burg entwarf. Ergänzt wird die Ausstellung durch eine umfangreiche Zeitleiste mit den wichtigsten Meilensteinen und satirischer Illustrationen des Kollektivs Dynamic Block, die die Ästhetik der 1990er Jahre ironisch neu interpretieren.

Die Ausstellung basiert auf dem gleichnamigen Buch von Matěj Beránek, Jan Bureš, Radek Šrettra Úlehla und Adéla Vaculíková. Die Publikation erschien gleichzeitig mit der Eröffnung der Ausstellung im Verlag des Instituts für Planung und Entwicklung der Hauptstadt Prag und ergänzt die Ausstellung um weitere Hintergrundinformationen.

DEVADE: Architektura Prahy mezi přísností a diskotékou (DEVADE – Prags Architektur inmitten von Sparmaßnahmen und Disco), CAMP, 29.01. – 17.05.2026. Mehr Informationen hier.

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