Posted inGesellschaft

Neue Namen für ferne Welten gesucht

Ein Exoplanet umkreist eine Sonne - Illustration: ESA/Hubble, CC BY 4.0 ( https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/legalcode )

50 Jahre nach der Mondlandung im Mare Tranquillitatis, dem „Meer der Ruhe“, und passend zum 100-jährigen Jubiläum der Internationalen Astronomischen Union gibt es nun eine einzigartige und länderspezifische Chance für all diejenigen, die schon immer einmal davon geträumt haben, einem Himmelsobjekt einen Namen zu geben.

Vor 100 Jahren, am 28. Juli 1919, wurde in Brüssel die Internationale Astronomische Union (IAU) gegründet. Diese weltweite Vereinigung von Astronomen hat es sich zum Ziel gesetzt, durch internationale Zusammenarbeit die Astronomie und deren Forschung zu fördern. Anlässlich ihres Jubiläums organisiert die IAU in diesem Jahr weltweit unter dem Motto „100 Jahre: Unter einem Himmel“ Veranstaltungen, um die Öffentlichkeit stückweise mit in ihre Arbeit einzubeziehen.

Unter anderem ist die IAU auch für die Definition astronomischer Grundbegriffe sowie die Namensgebung für Himmelskörper zuständig. Zum ersten Mal dürfen nun Bürger im Rahmen des Projektes „NameExoWorlds“ diese Aufgabe übernehmen: Die IAU-Mitgliedsländer, zu denen auch Tschechien, die Slowakei, Polen und Deutschland gehören, können je einen Exoplaneten sowie den Stern, den dieser umkreist, benennen.

Exoplaneten sind Planeten, die nicht unter dem Einfluss der Gravitation unserer Sonne stehen. Dass sich die Planeten außerhalb unseres Sonnensystems befinden, muss aber nicht heißen, dass man nicht wenigstens deren Sterne erkennen kann. HD 32518 im Sternbild Giraffe, der Deutschland zur Benennung zugeteilt wurde, können geübte Beobachter sogar mit bloßem Auge sehen, im Fall der Sterne XO-5 (Tschechien), HAT-P-5 (Slowakei) und BD+14 4559 (Polen) reicht ein auch für ungeübte Beobachter ein kleines Teleskop. Die IAU hat die Sternen-Exoplaneten-Systeme dabei für jedes Land so ausgewählt, dass die Sterne von diesem Land beziehungsweise dessen Hauptstadt aus sichtbar sind.

In welchem Zeitraum und von wem Namen für die Himmelskörper vorgeschlagen werden dürfen, entscheidet dabei das jeweilige Mitgliedsland selbst. In Polen, Tschechien und der Slowakei ist es auch Einzelpersonen erlaubt, Namensvorschläge einzubringen, in Deutschland hingegen nur Kindergärten, Schulen und astronomischen Vereinigungen. Idealerweise handelt es sich bei den Bezeichnungen für Stern und Exoplanet um ein Namenspaar, welches thematisch in irgendeiner Hinsicht verbunden ist (beispielsweise „Hänsel“ und „Gretel“). Die Namen müssen zudem von der IAU festgelegte Kriterien erfüllen: Sie sollen beispielsweise nicht mehr als 16 Buchstaben haben, keine Haustiere oder lebende Personen beschreiben oder in einem geschichtlichen oder religiösen Zusammenhang stehen. Im Anschluss an die erste Runde, in der Namen vorgeschlagen werden, trifft eine Kommission aus Experten eine engere Auswahl. Danach findet noch eine öffentliche Abstimmung statt, bei der eines der Namenspaare zum endgültigen ausgewählt wird. Die neuen Namen werden anschließend parallel zur offiziellen Katalognummer bestehen.

Insgesamt stellt das ganze Projekt eine großartige Möglichkeit für die Öffentlichkeit dar, an den Geschehnissen im Bereich der Astronomie einmal aktiv teilzunehmen. Zugleich regt es aber auch dazu an, einmal über die eigene Position im Weltall nachzudenken.

Wenn Sie an der Abstimmung teilnehmen oder Namensvorschläge für die jeweiligen Himmelsobjekte einbringen wollen, finden Sie hier die entsprechenden Webseiten von Deutschland, Tschechien, der Slowakei und Polen. Weitere Informationen zum Wettbewerb liefert auch die Seite der IAU.

 


 

Die Mondlandung kann man bei der NASA auf youtube im Original nacherleben. Ungeduldige finden den berühmten Ausspruch „One small step for a man, one giant leap for mankind“ ab Minute 3:30 im Video:



 


Das könnte Sie auch interessieren:

Seit wann ist Böhmen eigentlich Böhmen?

Der Name „Böhmen“ entstand nicht in Böhmen und ist auch nicht keltischen Ursprungs. Dies ist eines der überraschenden Ergebnisse der Forschung zur Periode um die Zeitenwende, die derzeit vom Prager Archäologischen Institut im Rahmen des Programms „Strategie AV21“ der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik durchgeführt wird.

Werden Sie noch heute LandesECHO-Leser.

Mit einem Abo des LandesECHO sind Sie immer auf dem Laufenden, was sich in den deutsch-tschechischen Beziehungen tut - in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft oder Kultur. Sie unterstützen eine unabhängige, nichtkommerzielle und meinungsfreudige Zeitschrift. Außerdem erfahren Sie mehr über die deutsche Minderheit, ihre Geschichte und ihr Leben in der Tschechischen Republik. Für weitere Informationen klicken SIe hier.

Weitere Artikel in dieser Kategorie


Karel Gott 2017 - Foto: David Sedlecký, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses

Karel Gott – Für immer jung

Was haben gelb-schwarz gestreifte Insekten und Musiker gemeinsam? In der Regel nicht viel, bis auf eine Ausnahme – Karel Gott. Heute feiert der tschechische Sänger, der auch in Deutschland wohlbekannt ist, seinen achtzigsten Geburtstag. Es ist eine der ersten Fragen, die man als Deutscher in Tschechien gestellt bekommt: „Kennst Du Karel Gott?“ – „Aber sicher […]
Kaum noch Karlsbrücke zu sehen vor lauter Touristen - Foto: Friederike Aschhoff

Tschechiens Städte wehren sich gegen Touristenmassen

Es ist ein überwältigender Anblick, der sich einen von der Prager Burg aus auf die Stadt bietet. Perfekt, gäbe es da nicht die anderen. Wer kann den Ausblick schon genießen, wenn sich Menschen ungeduldig hinter einem drängen, um Fotos zu machen? Der sogenannte „Overtourism“, das touristische Übermaß, greift um sich. Welche Lösungsansätze gibt es in […]
Dieser Warenkorb enthält in Tschechien andere Inhaltsstoffe als in Deutschland - Foto: Friederike Aschhoff

Unterschiedliche Lebensmittelqualität in Mitteleuropa? Ja, aber…

Lange Zeit glaubte man zu wissen: In Mittel- und Osteuropa gibt es Lebensmittel von schlechterer Qualität und das ist von den Herstellern so gewollt. Eine größer angelegte EU-Studie ging diesem Bauchgefühl jetzt auf den Grund.   Der große Aufruhr begann 2015. Die Prager Universität für Chemie und Technologie verglich damals deutsche und tschechische Lebensmittel. Das […]