Im Kulturhaus von Göding (Hodonín): Menschen spendeten Unmengen an Hilfsgütern. Foto: ČTK/Šálek Václav

Vor einer Woche zerstörte ein heftiger Sturm, darunter ein Tornado, mehrere Dörfer in Südmähren. Sechs Menschenleben forderte das Unwetter. Das betroffene Gebiet steht nun vor einem langwierigen Wiederaufbau. Bislang wurde bereits über eine Milliarde Kronen (ca. 39 Millionen Euro) gespendet.

Nur wenige Minuten brauchte der stärkste jemals in Tschechien registrierte Tornado am Donnerstag in der vergangenen Woche, um mehrere Dörfer in den südmährischen Kreisen Göding (Hodonínsko) und Lundenburg (Břeclavsko) zu großen Teilen dem Erdboden gleichzumachen. Faustgroße Hagelkörner kamen vom Himmel, der Sturm erreichte Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 Kilometern pro Stunde. Meteorologen stuften den Tornado in die zweitstärkste Kategorie F4 ein. Besonders hart traf es die Gemeinden Birnbaum (Hrušky), Mährisch Neudorf (Moravská Nová Ves), Luschitz (Lužice) und Mikultschitz (Mikulčice). Sechs Menschen kamen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. Zudem entstanden Schäden in Milliardenhöhe, viele Menschen verloren ihr Hab und Gut, ihr Auto oder gar ihr Haus.

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Wie groß das Ausmaß der Zerstörungen ist, zeigte sich jedoch erst einige Tage nach dem Sturm. Nach aktuellem Stand wurden über 1.200 Häuser beschädigt, 170 darunter müssen wohl abgerissen werden. „Die Zahl ist noch nicht endgültig, weil es uns noch nicht gelungen ist, alles abzugehen“, sagte nach einem Treffen des Krisenstabs der südmährische Bezirkshauptmann Jan Grolich (KDU-ČSL). Der Abriss der Häuser hat am Freitag in Luschitz bereits begonnen.

Über 1.000 Feuerwehrleute sowie etwa 200 Soldaten der Tschechischen Armee sind noch vor Ort im Einsatz, bislang wurde etwa die Hälfte des Schutts aus den Orten abtransportiert. Am Wochenende sollen weitere Freiwillige in die zerstörten Orte kommen, um bei den Aufräumarbeiten zu helfen. „Die Leute sollen zum Lundenburger Flughafen oder zum Kulturhaus in Göding fahren, von dort bringen Busse sie in die Orte. Dort werden für die Freiwilligen Zeltstädte errichtet“, so Bezirkshauptmann Grolich. Am Donnerstag beschloss die tschechische Regierung, bis zu 1.000 Soldaten in den betroffenen Orten einzusetzen.

Welle der Solidarität

Die Tragödie löste eine große Welle der Solidarität aus. Hilfsorganisationen sammelten bislang über eine Milliarde Tschechische Kronen (etwa 39 Millionen Euro). Am meisten Geld kam bislang bei der Diözese-Karitas Brünn an, etwa 247 Millionen Kronen (9,7 Millionen Euro). Aber auch die Stiftung Via, die Organisation „Člověk v tísni“ („Mensch in Not“), oder das Tschechische Rote Kreuz sammelten dreistellige Millionenbeträge. „Wir sind sehr überrascht von der großen Solidarität und davon, wie viel Geld gesammelt werden konnte, und das nicht nur bei uns. Auch früher gab es schon große Spendensammlungen, zum Beispiel sammelten wir beim Hochwasser 1997 oder 2002 um die 60 Millionen Kronen, was natürlich für die damalige Zeit viel war, aber lange nicht so viel wie jetzt. Mich überraschte auch, dass wir so schnell, innerhalb von nur vier Tagen schon 200 Millionen Kronen zusammen hatten“, sagte Oldřich Haičman, Direktor der Diözese-Karitas Brünn (Diecézní charita Brno).

Daneben spendeten Menschen Kleidung, Hygieneartikel und andere notwendige Dinge des täglichen Bedarfs, freiwillige Helfer reisten aus ganz Tschechien in das vom Sturm verwüstete Gebiet, um bei den Aufräumarbeiten zu helfen. Was aktuell in der Region gebraucht wird, ist inzwischen vor allem Geld und Baumaterial, insbesondere für die vom Sturm beschädigten Dächer. Laut Bezirkshauptmann Grolich habe man bereits genug Drogerie-Artikel, Kleidung oder Essen erhalten.

Am Mittwochabend veranstaltete das Tschechische Fernsehen ein Benefizkonzert, um Spenden für die vom Tornado zerstörten Orte zu sammeln. So kamen etwa 12 Millionen Kronen (etwa 469.200 Euro). Am Samstag ist ein weiteres Konzert der Tschechischen Philharmonie und der Brünner Philharmonie in Feldsberg (Valtice) geplant, das „Konzert der Hoffnung“ heißen soll, wie der Generaldirektor des Tschechischen Fernsehens, Petr Dvořák, mitteilte.

Die tschechische Regierung hat bislang Finanzhilfen in Höhe von über 420 Millionen Kronen (etwa 16,4 Millionen Euro) beschlossen. Laut Finanzministerin Alena Schillerová (ANO) sollen geschädigte Familien Dotationen in Höhe von zwei Millionen Kronen (ca. 78.200 Euro) für Reparaturen und Erneuerungen sowie weitere drei Millionen Kronen (ca. 117.300 Euro) in Form eines zinsgünstigen Kredits erhalten.


Über welche Organisationen Sie spenden können:

Materielle Hilfe (z. B. Baumaterialien) wird an folgenden Stellen angenommen:

  • RENA HALL, Národních hrdinů 20a (bývalá tržnice), BŘECLAV
  • Čerpací stanice OMV, Velkomoravská, HODONÍN

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